REGIERUNG: Sieben bewerben sich um fünf Sitze

Mit der Nomination von Felicitas Zopfi (SP) ist das Kandidatenfeld komplett. Offen sind zwei Fragen.

Lukas Nussbaumer
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Sieben bewerben sich um fünf Sitze (von links oben im Uhrzeigersinn): Marcel Schwerzmann, Guido Graf, Robert Küng, Reto Wyss, Felicitas Zopfi, Paul Winiker und Michael Töngi. (Bild: PD)

Sieben bewerben sich um fünf Sitze (von links oben im Uhrzeigersinn): Marcel Schwerzmann, Guido Graf, Robert Küng, Reto Wyss, Felicitas Zopfi, Paul Winiker und Michael Töngi. (Bild: PD)

Vier Bisherige, drei Neue: Die Luzerner Wähler können am 29. März 2015 aus sieben Kandidaten fünf Regierungsräte wählen. Die Ausgangslage ist nach der Nomination von SP-Frau Felicitas Zopfi («Zentralschweiz am Sonntag» von gestern) klar. Die SP muss um ihren Sitz kämpfen, da sie nach drei Amtsperioden den Abgang ihrer prominenten Justiz- und Sicherheitsdirektorin Yvonne Schärli verkraften muss. Dass Zopfi in den zweiten Wahlgang muss, gilt deshalb als sicher.

Das gilt auch für den parteilosen Finanzdirektor Marcel Schwerzmann. Sein Sitz wird von der SVP attackiert. Schneidet der nach dem Rücktritt von Yvonne Schärli amtsälteste Regierungsrat im ersten Wahlgang schlecht ab, könnte es für ihn brenzlig werden. Grund sind taktische Überlegungen der CVP. Die stärkste Luzerner Partei überlegt sich nämlich, je nach Ausgang der ersten Ausmarchung im zweiten Wahlgang SVP-Mann Paul Winiker zu unterstützen. Und die CVP liebäugelt gar mit der Mehrheit in der Regierung. Man sei «in der Lage, über Nacht einen geeigneten Kandidaten aus dem Hut zu zaubern», sagte Parteipräsident Pirmin Jung Anfang Oktober gegenüber unserer Zeitung. Welchen Plan die CVP bei welchem Szenario zückt, ist unklar. Klar ist, dass sich die Wahlstrategen alle Optionen offenhalten wollen.

Felicitas Zopfi muss kämpfen, Marcel Schwerzmann ebenfalls – darauf wird sich der Regierungsratswahlkampf hauptsächlich konzentrieren.

Drei im ersten Wahlgang durch?

Wenig Sorgen um ihre Bestätigung machen müssen sich die neben Schwerzmann anderen drei Bisherigen: die CVP-Magistraten Guido Graf und Reto Wyss sowie FDP-Vertreter Robert Küng. Allen drei ist zuzutrauen, dass sie die Wiederwahl schon im ersten Wahlgang schaffen. Bei den letzten Wahlen gelang dies lediglich Guido Graf.

Aus heutiger Sicht minimale Chancen haben die Kandidaten der Polparteien SVP und Grüne – obwohl sich die beiden Krienser Kantonsräte Paul Winiker und Michael Töngi als profilierte und aktive Parlamentarier bezeichnen dürfen. Winiker schon jetzt ganz abzuschreiben, wäre jedoch verfrüht: Erzielt der aktuell von allen Seiten hart kritisierte Marcel Schwerzmann im ersten Wahlgang tatsächlich ein schlechtes Ergebnis und unterstützt die CVP dann wie angetönt Paul Winiker, könnte die SVP doch noch in die Regierung einziehen.

2015 gehts Schlag auf Schlag

Am 29. März 2015 werden die fünfköpfige Regierung und das 120 Mitglieder umfassende Parlament gewählt. Der zweite Wahlgang für die Regierungsratswahlen findet am 10. Mai statt. Eingabeschluss für die Kantons- und Regierungsratswahlen ist am 2. Februar. Während die parteipolitische Zusammensetzung der Regierung wohl gleich bleiben wird (siehe Haupttext), wird es im Parlament mit Sicherheit Änderungen geben. Derzeit hält die CVP 39 Mandate, die SVP 27, die FDP 23, die SP 16, die Grünen 9 und die GLP 6.

Wer wird zweiter Ständerat?

Viel Spannung versprechen die National- und Ständeratswahlen vom 18. Oktober 2015. Sicher ist, dass CVP-Ständerat Konrad Graber erneut kandidiert. FDP-Vertreter Georges Theiler dagegen verzichtet. Seine Partei hat den erst 29-jährigen Kantonsrat Damian Müller portiert, was die Chancen von SP-Nationalrätin Prisca Birrer-Heimo, ins Stöckli wechseln zu können, erhöht. Neben Theiler dürfte auch CVP-Nationalrat Ruedi Lustenberger seine politische Karriere beenden. Wen die CVP für ihn ins Rennen schickt, ist offen. Derzeit sind die 10 Luzerner Nationalratssitze so verteilt: 3 CVP, 2 FDP, 2 SVP, 1 SP, 1 Grüne, 1 GLP.

Die Kandidaten

Marcel Schwerzmann

bisher; im Amt seit 2007, parteilos, 49 Jahre alt, wohnhaft in Kriens

Chancen
Intakt. Obwohl der Parteilose immer härter kritisiert wird – nicht mehr «nur» von SP und SVP, sondern auch von CVP und FDP. Seine Pluspunkte: die guten Auftritte in der Öffentlichkeit und der Sympathiebonus als Parteiloser.

Risiken
Relativ grosse. Macht der Finanzdirektor im ersten Wahlgang ein schlechtes Resultat, könnte er ein Opfer der CVP werden, die entweder Paul Winiker von der SVP unterstützen oder mit einem eigenen Kandidaten antreten könnte.

Guido Graf

bisher; im Amt seit 2010, CVP, 56 Jahre alt, wohnhaft in Pfaffnau

Chancen
Sehr gute. Guido Graf war 2011 der einzige Kandidat, der die Hürde bereits im ersten Wahlgang schaffte. Schnitzer hat sich Graf seither keine erlaubt. Mit dem Neubau des Spitals Wolhusen holt er sich zudem viele Stimmen aus dieser Region.

Risiken
Keine. Der Gesundheits- und Sozialdirektor und frühere Fraktionschef der CVP wird Regierungsrat bleiben.

Robert Küng

bisher; im Amt seit 2011, FDP, 58 Jahre alt, wohnhaft in Willisau

Chancen
Der frühere Stadtpräsident von Willisau erzielte 2011 im zweiten Wahlgang das beste Resultat aller Kandidaten, liess mit Marcel Schwerzmann und Yvonne Schärli also zwei Bisherige zurück. Gleiches ist dem FDP-Mann erneut zuzutrauen.

Risiken
Keine. Küng, der mit dem Bau-, Umwelt- und Wirtschaftsdepartement seine Wunschdirektion erhielt, wird sein Amt behalten.

Reto Wyss

bisher; im Amt seit 2011, CVP, 49 Jahre alt, wohnhaft in Rothenburg

Chancen
Der ehemalige Gemeindepräsident von Rothenburg und heutige Bildungsdirektor stach 2011 im ersten Wahlgang parteiintern Esther Schönberger aus. Dieses Mal hat er keine Konkurrenz aus der eigenen Partei. Seine Chancen sind sehr gut.

Risiken
Fast keine. Auch wenn der frühere Unternehmer oft widersprüchlich kommuniziert, etwa beim Stipendiengesetz, bei der aktuellen Abstimmung über das Uni-Gesetz oder bei der geplanten Abschaffung des Fachs Religionskunde und Ethik.

Michael Töngi

neu; Grüne, Kantonsrat, 47 Jahre alt, wohnhaft in Kriens

Chancen
Äusserst geringe. Ein gutes Resultat liegt aber durchaus drin. 2011 beispielsweise holte Parteikollege Adrian Borgula nur unwesentlich weniger Stimmen als SVP-Kandidat Urs Dickerhof. Töngis Potenzial ist mit jenem von Borgula vergleichbar.

Risiken
Keine. Michael Töngi kann seinen Bekanntheitsgrad steigern, was ihm in Zukunft Türen öffnen kann. So ist es ein offenes Geheimnis, dass Nationalrat Louis Schelbert im Laufe der nächsten Legislatur zurücktritt. Töngi stünde bereit.

Paul Winiker

neu; SVP, Gemeindepräsident und Kantonsrat, 58 Jahre alt, wohnhaft in Kriens
Chancen
Geringe. Der konziliant auftretende Krienser Gemeindepräsident wird nur dann reüssieren, wenn er im zweiten Wahlgang Support von der CVP erhält. Im Alleingang holt die SVP im Kanton Luzern keinen Sitz in der Regierung.

Risiken
Keine. Paul Winiker kann nur gewinnen. Eine Wahl wäre eine riesige Überraschung, die Nichtwahl kein Unglück.

Felicitas Zopfi

neu; SP, Parteipräsidentin und Kantonsrätin, 55 Jahre alt, wohnhaft in Luzern

Chancen
Solide. Der Sitz der SP ist im Grundsatz unbestritten. Ausserdem ist Felicitas Zopfi weit über die eigenen Reihen hinaus bekannt und auch für Nichtsozialdemokraten wählbar.

Risiken
Nicht unerhebliche, denn trotz breiter Akzeptanz eines linken Sitzes: Die SP-Kandidatin wird in den
zweiten Wahlgang müssen. Und zwischen einer ersten und einer zweiten Ausmarchung kann viel passieren.