REGIERUNG: So närrisch sind die Luzerner Stadträte

Politiker müssen an der Fasnacht oft einstecken. Dennoch werden sich alle Stadträte ins bunte Treiben stürzen. Ein Mitglied wäre gar enttäuscht, wenn es keinen Spruch über sich hören würde.

Martina Odermatt
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Martina Odermatt

martina.odermatt@luzernerzeitung.ch

Wo trifft man die Stadtregierung während der Fasnacht an? Als Mitglied der Zunft zu Safran ist für Martin Merki (54) der SchmuDo mit dem Urknall ein grosser Höhepunkt. Wobei der Sozialdirektor auch abwiegelt: «Die Fasnacht hat viele Höhepunkte.» So war Merki in den letzten Jahren immer auch am Umzug in Littau und auch am Monsterkonzert anzutreffen.

Das Fasnächtlern hat Merki bereits früh gelernt. Spontan aus dem Fundus im Estrich eingekleidet, ging er mit seinem älteren Bruder jeweils alleine an die Tagwache. «Die Abmachung mit meinen Eltern war, dass wir dafür neben den Orangen auch frische Gipfeli vom Beck nach Hause bringen mussten», so Merki. «Das war für mich immer ein besonderes Erlebnis.»

Die Bernerin Manuela Jost dagegen kam erst vor ungefähr 20 Jahren in Kontakt mit der Fasnacht – dann nämlich, als sie nach Luzern zog. «Anfangs war ich eher Statistin und Beobachterin, heute fühle ich mich als ein Teil der Fasnacht.» Und als solcher geht die 53-Jährige natürlich verkleidet hin. Hinweise zu ihrem Kostüm gibt sie jedoch nicht preis. «Erkennen wird man mich aber nicht», sagt sie schmunzelnd. Auch über Anlässe, die Jost besuchen wird, herrscht Stillschweigen. «Das wird spontan entschieden.» Die Fasnacht bedeutet für die Baudirektorin Auszeit und Ausgelassenheit. «Für einmal gibt es keine Agenda!» Jost freut sich auch auf die Schnitzelbänke. «Ich wäre enttäuscht, würde ich nichts Schnitzelbank-mässiges über mich hören oder lesen. Als Baudirektorin biete ich ja viele Themen und Sujets.»

Adrian Borgula (57) ist als Hornist die ganze Fasnacht über mit der Kleinformation «MarieCholler» unterwegs. Die Fasnacht muss für den Umwelt-, Verkehrs- und Sicherheitsdirektor auch kreativ, wild und musikalisch sein – unverzichtbar ist für ihn deshalb die Strassen- und Beizenfasnacht vom SchmuDo bis in die späte Güdisdienstag-Nacht in der Stadt. Wer den Stadtrat an seiner Verkleidung erkennen möchte, braucht viel Fantasie. Denn der einzige Hinweis zu seinem Kostüm ist «luftig-füllig.»

Wie hält man sich bei so einem Fasnachts-Marathon wach? «Fasnacht und Musikmachen ist grundsätzlich erholsam, und zwischendurch gehe ich in die Natur», sagt Borgula.

«Über sich selbst zu lachen, hat etwas Befreiendes»

Früher schwang die künftige Finanzdirektorin Franziska Bitzi Staub (43) noch hie und da das Tanzbein, feierte bis zum Urknall am Morgen. «Aber die Fasnacht hat für mich nicht mehr die gleiche Bedeutung wie früher, als ich vom Biberegagser-Ball direkt an den Urknall kam», sagt Bitzi, die im Entlebuch aufgewachsen ist. Und das, obwohl sie die Guuggenmusig-Rhythmen und Umzugsnummern zu Weltgeschehen oder Lokalpolitik liebe. So hat Bitzi auch kein Problem mit kreativen Verslischmieden, welche die Politik auf die Schippe nehmen, solange es um politische Entscheide oder Charaktereigenschaften geht. «Es ist in Ordnung, wenn einem die Narren hin und wieder einen Spiegel vorhalten. Über sich selbst lachen zu können, die Peinlichkeit zu überwinden, hat etwas Befreiendes.»

Stadtpräsident und Bildungsdirektor Beat Züsli zieht die Skipiste oft dem närrischen Treiben vor. Ausser dem Monsterkonzert, an welchem er ab und zu teilnimmt, gibt es für ihn keinen ultimativen Fasnachtsanlass. Heuer jedoch rufen ihn die Pflichten, denn eine Delegation der Partnerstadt Olomouc aus Tschechien ist extra für die Fasnacht nach Luzern gereist. An ihrem letzten Abend wird Züsli sie begleiten. Den Stadtpräsidenten wird man dann wohl gut erkennen. «Ich werde mich sehr wahrscheinlich nicht verkleiden.» Dabei wurde er doch als Kind für seine Verkleidung sogar ausgezeichnet! «Ja, einmal wurde ich an einem Kindermaskenball zusammen mit meinen zwei Schwestern für das von unserer Mutter selbst geschneiderte Kostüm prämiert.»

An die Fasnacht? Das ist für Sozialdirektor MArin Merki keine Frage. Schliesslich ist er Safran-Zünftler. (Bild: PD)

An die Fasnacht? Das ist für Sozialdirektor MArin Merki keine Frage. Schliesslich ist er Safran-Zünftler. (Bild: PD)

Am 1. März ist ihr Amtsantritt als Stadträtin: Franziska Bitzi. Vermutlich wird Sie nicht übernächtigt antreten, denn durchgefestete  Fasnachtsnächte, das war einmal. (Bild: PD)

Am 1. März ist ihr Amtsantritt als Stadträtin: Franziska Bitzi. Vermutlich wird Sie nicht übernächtigt antreten, denn durchgefestete Fasnachtsnächte, das war einmal. (Bild: PD)

Die Bernerin und Baudirektorin Manuela Jost hat die Integration geschafft: Sie fühlt sich heute als Teil der Fasnacht – an der sie wacker mitmacht. (Bild: PD)

Die Bernerin und Baudirektorin Manuela Jost hat die Integration geschafft: Sie fühlt sich heute als Teil der Fasnacht – an der sie wacker mitmacht. (Bild: PD)

Vor der Fasnacht flüchtet Stadtpräsident und Bildungsdirektor Beat Züsli auf die alpinen Latten. (Bild: PD)

Vor der Fasnacht flüchtet Stadtpräsident und Bildungsdirektor Beat Züsli auf die alpinen Latten. (Bild: PD)

Umwelt- Verkehrs- und Sicherheitsdirektor Adrian Borgula, hier mit vorstehenden Kulleraugen, macht die Luzerner Fasnacht als Hornist einer Kleinformation mit. (Bild: PD)

Umwelt- Verkehrs- und Sicherheitsdirektor Adrian Borgula, hier mit vorstehenden Kulleraugen, macht die Luzerner Fasnacht als Hornist einer Kleinformation mit. (Bild: PD)