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Luzerner Regierung sorgt für Misstöne bei Guuggern

Guuggenmusig-Konzerte stellen ein Gefährdungspotenzial für das Publikum dar, findet die Luzerner Regierung. Sie unterstützt deshalb den Bund, der Gratis-Gehörschütze vorschreiben will. Der oberste Luzerner Guuggenmusiger ist entsetzt.
Lukas Nussbaumer
Ein Kind mit Gehörschutz am Wey-Umzug in der Stadt Luzern. (Bild: Pius Amrein, 3. März 2014)

Ein Kind mit Gehörschutz am Wey-Umzug in der Stadt Luzern. (Bild: Pius Amrein, 3. März 2014)

«Das ist ein absoluter Blödsinn.» So bezeichnet Linus Jäck, Präsident der «Vereinigten Guuggenmusigen Luzern», eine vom Bundesrat in die Vernehmlassung geschickte Verordnung und die jüngst erfolgte Stellungnahme der Luzerner Regierung dazu. Der Bund schreibt darin vor, dass dem Publikum bei Veranstaltungen ohne elektroakustisch verstärkten Schall und einem mittleren Schallpegel von über 93 Dezibel – wie etwa Guuggenmusig-Konzerten – gratis Gehörschütze abgegeben werden müssen. Ausserdem sollen die Veranstalter Besucher auf die mögliche Schädigung des Gehörs hinweisen und ihre Anlässe melden müssen.

Die Luzerner Regierung begrüsst in ihrer von Regierungspräsident Guido Graf unterzeichneten Stellungnahme zwei der drei Vorschriften: Die vorgesehene Forderung nach der Gratis-Abgabe von Gehörschützen und das Platzieren von Hinweisen. Eine Meldepflicht lehnt sie ab, weil sie nicht vollzogen werden könne.

Wie laut sind Guuggenmusig-Konzerte?

Für Linus Jäck sind die von Luzern unterstützten Pläne aus Bern deshalb ein «Blödsinn», weil «Guuggen»-Konzerte nicht dauerhaft laut seien. Jäck bezweifelt denn auch Angaben der Suva, wonach «Guuggen» für Lärmwerte von bis zu 105 Dezibel sorgen würden.

Kinder sind besonders stark gefährdet

Für die Suva ist genauso klar wie für die Luzerner Regierung: Bei Guuggenmusik-Konzerten können grosse Lärmbelastungen entstehen. Die Unfallversicherungsanstalt empfiehlt deshalb Jahr für Jahr: «Tragen Sie an der Fasnacht einen Gehörschutz.» Der Rat richtet sich insbesondere an Kinder, da ihnen das Verständnis über die schädigende Wirkung von Lärm fehlt. Eine besonders hohe Gefährdung haben Kinder bis fünf Jahre – aufgrund von anatomischen Besonderheiten im kindlichen Gehörgang.

Laut Suva werden an Guuggenmusik-Konzerten in geschlossenen Lokalen Werte von bis zu 105 Dezibel erreicht, in den Gassen von bis zu 95 Dezibel. Dauerlärm zwischen 80 bis 100 Dezibel – was von Motorsägen oder vorbeifahrenden Lastwagen erreicht wird – führt zu Gehörschäden. Als Schmerz wird Lärm von über 110 Dezibel empfunden. Ein startender Kampfjet übertrifft diesen Wert, ebenso ein Presslufthammer. Bei einer lauten Unterhaltung werden 60 bis 80 Dezibel erreicht. Permanente Belastungen von über 65 Dezibel stellen ein erhöhtes Gesundheitsrisiko dar. Das kann die Psyche beeinträchtigen, aber auch zu körperlichen Reaktionen führen, so etwa zu Bluthochdruck.

Das sieht die Regierung komplett anders, wie sie in ihrem Schreiben nach Bern festhält: Gerade Guuggenmusig-Konzerte könnten «zum Teil sehr hohe Schalldruckpegel erzeugen» und würden ein «Gefährdungspotenzial für das Publikum darstellen». Pikant: Der Bund erwähnt Guuggenmusig-Konzerte in seiner Verordnung mit keinem Wort, ja nennt überhaupt keine Beispiele.

Regierungspräsident Guido Graf ist der Meinung, die geplanten Bundesvorschriften seien pragmatisch umzusetzen. «Mir ist es wichtig, dass jene, die ihr Gehör schützen wollen, über eine entsprechende Möglichkeit verfügen», so der Gesundheitsdirektor. «Nicht sinnvoll» wäre es für den CVP-Politiker, wenn den Fasnächtlern deswegen die Freude am Brauchtum genommen würde. Für den Vollzug der Verordnung, betont Graf, sei allerdings die Dienststelle für Umwelt und Energie zuständig.

LFK reagiert gelassen

Diese Dienststelle gehört nicht zu Grafs Departement, sondern zum Bau-, Umwelt- und Wirtschaftsdepartement von Robert Küng. Departementssekretär Thomas Buchmann teilt auf Anfrage mit, bis zum Vorliegen der definitiven Verordnung könne man sich zum Vollzug noch nicht im Detail äussern. Man stehe aber hinter der vorgesehenen Pflicht, Gehörschütze anbieten und auf die erhöhten Schallpegel hinweisen zu müssen.

Damit hätte das Lozärner Fasnachtskomitee (LFK) laut seinem Medienchef Peti Federer wenig Probleme. Das LFK blicke der geplanten Verordnung gelassen entgegen, man würde Hinweise auf hohe Lärmwerte «sicher sinnvoll platzieren können». Auch das dereinst vielleicht notwendige Bereitstellen von Gehörschützen wäre für das Komitee gemäss Federer «gut zu organisieren».

Locker begegnet der Angelegenheit auch die Guuggenmusig Musegg-Geischter Lozärn. Man reagiere umgehend auf die neuen Richtlinien des Bundesrats bezüglich dem Hinweis auf die Lautstärke an der Fasnacht und passe die Fahne an, teilte die Guuggenmusig am Montagvormittag augenzwinkernd mit.

Die Guuggenmusig Musegg-Geischter Lozärn reagiert prompt auf die Forderungen aus Bern. (Bildmontage: PD)

Die Guuggenmusig Musegg-Geischter Lozärn reagiert prompt auf die Forderungen aus Bern. (Bildmontage: PD)

Stellungnahme Kanton Luzern zur Verordnung des Bundesrats.pdf

Verordnung zum Bundesgesetz über den Schutz vor Gefährdungen durch nichtionisierende Strahlung und Schall.pdf

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