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Serie

Guido Graf: Der etwas ungeduldige Macher

Wenn der Luzerner Gesundheits- und Sozialdirektor Guido Graf (CVP) anpacken kann, ist er zufrieden. Ärgern tut sich der 60-Jährige, wenn die Umsetzung seiner Ideen missglückt und er in der Kritik steht. Schafft er die Wiederwahl, will er trotzdem Neues probieren.
Yasmin Kunz
(Bild: Boris Bürgisser, Luzern, 12. Februar 2019)

(Bild: Boris Bürgisser, Luzern, 12. Februar 2019)

«Je länger ich dabei bin, desto emotionaler werde ich». Diese Bilanz zieht der Luzerner Regierungsrat Guido Graf nach neunjähriger Amtszeit. Der CVP-Politiker trat 2010 die Nachfolge seines Parteikollegen Markus Dürr an. Graf lässt sich beim Gespräch in seinem Sitzungszimmer im Regierungsgebäude Zeit beim Beantworten der Fragen. Die vergangenen Jahre waren intensiv, wie er sagt. Vieles sei gelungen, einiges sei nicht seinen Wünschen entsprechend gelaufen.

Gescheitert ist die Luzerner Regierung mit der Senkung der Einkommensgrenze für individuelle Prämienverbilligungen, welche allerdings von der Mehrheit des Kantonsparlaments gestützt wurde. Das Bundesgericht pfiff den Kanton zurück, nachdem das Kantonsgericht grünes Licht für die Reduktion gegeben hatte (wir berichteten). «Trotz Druck aufgrund des budgetlosen Zustandes hätten wir diese Sparmassnahme nicht ergreifen dürfen.» Nun sei es wichtig, nach vorne zu schauen und die Sache in Ordnung zu bringen. Für Graf ist indes klar:

«Wer nichts macht, erreicht nichts.»

Er scheint das Macher-Gen in sich zu tragen – und das will er auch seinen Mitarbeitern «vererben». «Ich fordere sie auf, Neues zu wagen und Dinge auszuprobieren.» Stillstand ist für ihn ein Fremdwort. Graf will Veränderungen, «die notwendig sind für die kommenden Generationen».

Wie sich Guido Graf bei unseren «Entweder oder»-Fragen entschieden hat, sehen Sie hier:

4 Bilder

Entweder oder

Eine hat er mit der Strategie «ambulant vor stationär» eingeleitet, die nun landesweit umgesetzt wird. Seit Juni 2017 gibt es eine Liste mit zwölf Eingriffen, die in den Spitälern grundsätzlich ambulant statt stationär durchgeführt werden müssen. Der Gesundheitsdirektor ist aktuell selber Patient: Vergangenen Samstag hat er sich bei einem Sturz nämlich das Handgelenk gebrochen und muss demnächst operiert werden.

Die Ambulatisierung senkt die Kosten im Gesundheitswesen – ohne medizinische Qualitätseinbusse, hält der 60-Jährige fest. Laut Kanton sparte man in den ersten sechs Monaten nach der Einführung 1,5 Millionen Franken. Guido Graf hatte die Idee – und er setzte sie trotz teils grosser Kritik um.

Doch ihm liegt nicht nur die Spitalversorgung am Herzen. Er will auch die Grundversorger, insbesondere die Hausärzte, unterstützen. Gemeinsam mit dem Bildungs- und Kulturdepartement hat er den Masterstudiengang Medizin an der Uni Luzern lanciert, um angehende Mediziner an die Region zu binden und ihnen mit Praktikumsmöglichkeiten den Beruf des Hausarztes schmackhaft zu machen. Um die Grundversorgung auch künftig zu sichern, subventioniert der Kanton Luzern das im Jahr 2014 gegründete Institut für Hausarztmedizin mit rund einer Millionen Franken pro Jahr.

Aldo Kramis schätzt dieses Engagement für die Hausärzte. Der Präsident der Luzerner Ärztegesellschaft sagt:

«Wir werden aktiv eingebunden, was unsere Zukunft betrifft. Wir können Anliegen deponieren, und wir finden Gehör.»

Der Gesundheitsdirektor erntet nicht nur Lob

Auch bei den neusten Plänen von Guido Graf, der integrierten medizinischen Versorgung in den Landregionen, ziehe man am gleichen Strang. Kramis fand in der Vergangenheit aber nicht nur lobende Worte für den Gesundheitsdirektor. Die erste Liste «ambulant vor stationär» konnte er aus Medizinersicht vorerst nicht unterschreiben. Graf hat sie daraufhin angepasst. «Das zeigt, dass er uns ernst nimmt. Eine Charaktereigenschaft, die ich ihm zu Gute halte.» Die anfängliche 13-er-Liste sei ein gutes Beispiel dafür, dass der Gesundheitsdirektor ab und zu «etwas zu ungeduldig ist und Entscheide voreilig in die Tat umsetzt.»

Guido Graf würde es anders formulieren: «Ich bin eher der Macher, ich will lieber alles gestern als heute realisieren.» Er weist zudem darauf hin, dass Sparmassnahmen infolge des budgetlosen Zustandes im Jahr 2017 zügig hätten umgesetzt werden müssen. Das gelte auch für die «wohl etwas vorschnelle Entscheidung, die Einkommensgrenze für den Erhalt der Prämien zu reduzieren».

Graf kann anpacken, und er hat Ideen. Das bestätigt Christina Reusser. Die Grüne Kantonsrätin sagt: «Guido Graf zeigt Mut zu Innovationen, wenn es um neue Modelle im Bereich des Gesundheitswesens geht.» Er sei kooperativ, binde die betroffenen Personen ein. Dieses Engagement würde sich die Ebikonerin vermehrt im sozialpolitischen Bereich wünschen. Es fallen Begriffe wie Grundeinkommen und Ergänzungsleistungen für Familien. Das will sich Graf denn auch vornehmen. Er möchte etwa älteren Personen, die auf Jobsuche sind, das Bewerbungsverfahren erleichtern. «Wir müssen erfahrene Berufsleute nicht mit dem ganzen Bewerbungszirkus beüben.» Was genau ändern soll, gibt der Sozialdirektor noch nicht Preis. Auch punkto Alimentenbevorschussung habe er «einen Plan im Köcher». Im Asylwesen werde sich ebenfalls noch einiges tun, betont Graf.

Den Wahlsonntag verbringt er beim Fischen

Um seine Ideen umsetzen zu können, wünsche er eine weitere Amtszeit. Er sagt:

«Ich bin sehr gerne Regierungsrat und möchte mich weiterhin für die Luzerner Bevölkerung einsetzen.»

Obwohl er bis dato immer mit einem guten Ergebnis gewählt worden sei, nehme er die Wahl keinesfalls auf die leichte Schulter. Er betont aber auch: «Ich wurde zum Arbeiten gewählt und nicht dafür, um Wahlkampf zu betreiben.» Er blicke dem Wahlsonntag gespannt entgegen. Etwas leiser fügt er an: «Ich hoffe, dass ich es im ersten Wahlgang schaffe.» Sei das nicht der Fall, werde er zu einem zweiten antreten. Den Wahlmorgen verbringt der verheiratete Familienvater dreier erwachsener Töchter mit einem Freund in Luthern – beim Angeln.

Der Gesundheits- und Sozialdirektor Guido Graf ist verheiratet und Vater von drei erwachsenen Töchtern. In seiner Freizeit jasst und fischt der CVP-Politiker gerne. Der 60-jährige gelernte Bautechniker war früher als Unternehmer tätig.

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