Roland Fischer, GLP (neu): Der nette Überzeugungstäter

Als Mitglied der Kleinpartei GLP hat Roland Fischer nur Aussenseiterchancen bei der Wahl zum Regierungsrat – die Partei wechseln, um seine Wahlchancen zu erhöhen, würde er trotzdem nie. Doch: Ist er zu nett für das Amt?

Urs-Ueli Schorno
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(Bild: Boris Bürgisser, Luzern, 13. Februar 2019)

(Bild: Boris Bürgisser, Luzern, 13. Februar 2019)

Der 18. Oktober 2015 war nicht der Tag des Roland Fischer. Der Grünliberale musste nach vier Jahren seinen Nationalratssitz wieder abgeben. Dies, obwohl ihm Kollegen und Medien gute bis sehr gute Noten auswiesen. Vor allem als Finanzpolitiker: Fischer hatte beim Kompromiss für den nationalen Finanzausgleich, der 2015 bewilligt wurde, entscheidend mitgewirkt. «Schwer enttäuscht» sei er, sagte er nach der Abwahl in die Mikrofone – auch wenn er im Vorfeld schon gewusst habe, dass es knapp werden würde.

Heute, vier Jahre später, analysiert der in Udligenswil wohnhafte Fischer nüchtern:

«Die Abwahl war keine Niederlage, wenn man bedenkt, wie überraschend die Wahl doch war.»

Im Jahr 2011 gelang es der noch jungen GLP nämlich, der SVP einen Nationalratssitz abzuluchsen. In der Folge entwickelte sich Fischer rasch zu einem der auffälligsten Politiker der Grünliberalen, vielleicht der einzige, der neben Präsident Martin Bäumle auch auf nationaler Ebene Aufmerksamkeit generieren konnte. Seine Abwahl, da waren sich die Kommentatoren und Analysten einig, hatte mehr mit der Abwärtstendenz der GLP als mit der Fachkompetenz des Politikers Fischer zu tun.

Die Kleinpartei ist auf Verbündete angewiesen

Als Nationalrat habe er sich als Mitglied der eidgenössischen Finanzkommission einbringen und dabei wertvolle Erfahrungen sammeln können, sagt Fischer heute. «Auch bei der Gripen-Abstimmung haben wir Akzente setzen können, genauso wie bei der Energiestrategie des Bundes.» Die Abwahl sei dann eine Zäsur gewesen, vor allem in beruflicher Hinsicht. Waren zuvor 80 Prozent der Zeit der Politik gewidmet, hat sich das Verhältnis gekehrt.

Fischer stockte sein Pensum an der Hochschule Luzern auf. Dort arbeitet er seit März 2015 als Dozent und Projektleiter in den Bereichen Public Financial Management und International Economics. In der Zwischenzeit wurde er Präsident der GLP des Kantons Luzern und Mitglied des Vorstands der GLP Schweiz. Im Oktober vergangenen Jahres hat er sich für eine Kandidatur als Regierungsrat entschieden. Als Finanzspezialist weist Fischer ein klares Profil in Richtung eines Departements auf – auch wenn er sich «jedes andere Departement» vorstellen könnte. Auch hier gilt: Am Leistungsausweis dürfte es nicht scheitern.

Die Hürden seiner Wahl liegen anderswo. Erstens bei den Wähleranteilen: Die GLP stellt mit fünf Sitzen oder 4,3 Prozent im Kantonsparlament die kleinste Partei dar. Plus drei Sitze bei den Wahlen sind ein sportliches Ziel. Natürlich sei man angewiesen auf Listenverbindungen und Koalitionen, wenn man reüssieren wolle. Bei den Kantonsratswahlen gibt es Listenverbindungen zwischen GLP, Grünen, SP und der BDP. Die SP wie auch die Grünen treten aber bei den Regierungsratswahlen mit je eigenen Kandidaten an. Dennoch ringt man Roland Fischer nur ein amüsiertes Schmunzeln ab bei der Frage, ob er nicht in der falschen Partei sei, um Regierungsrat zu werden: «Das kommt für mich nicht infrage», sagt er.

«Es geht mir nicht um das Amt, sondern um eine Haltung, die ich vertreten will.»

Zweiter Punkt: Fischer trägt seinen Leistungsausweis nicht auf der Zunge. Seine Art ist zuvorkommend, freundlich, ruhig. Ein «stiller Schaffer», wie CVP-Nationalrat Leo Müller schon attestierte, als er mit ihm in der eidgenössischen Finanzkommission arbeitete. Natürlich sind diese Attribute nicht per se ein Nachteil: Fischer wird auch über die Parteigrenzen hinaus geschätzt. Doch im Wahlkampf wurde schon mancher Aussenseiter überhört, der etwas zu sagen hätte. Er selbst beschreibt sein Wesen im mitunter rauen politischen Alltag so: «Ich bin nicht so anspruchsvoll im Umgang. Ich habe keine Mühe, Kompromisse zu akzeptieren.» Den Regierungsrat verstehe er als kollegiales Gremium, das nach Lösungen suche. Trotzdem will er nicht als nachgiebig oder gar zu nett gelten. «Der Kompromiss ist nicht das Ziel. Es geht zuerst darum, die Anliegen meiner Wähler zu vertreten.»

Wie sich Roland Fischer bei unseren «Entweder oder»-Fragen entschieden hat, sehen Sie hier:

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Verkehr, Natur, Wirtschaft und natürlich Finanzen

Zu diesen Anliegen, die er nach dem 31. März im Regierungsrat vertreten will, zählt etwa die Förderung des Veloverkehrs – auch privat ist Fischer begeisterter Tourenfahrer und Biker. Zum Verkehrskonzept der Grünliberalen gehört zudem die Unterstützung der Metro-Initiative und des Durchgangsbahnhofes. Seitdem die Grünliberalen vor anderthalb Jahren ihre Ideen für den Verkehr im Kanton Luzern vorgestellt haben, sei viel passiert. «Potenzial sehe ich noch in der Schaffung von Car-Sharing Angeboten, und Mobility Hubs.»

Während er sich viele Ansichten in der Verkehrspolitik mit den Grünen teilt, unterscheidet sich die Wirtschaftspolitik der beiden Parteien. Fischer sagt, er höre im Vorfeld der Wahlen vor allem eines immer wieder: «Es braucht einen Wechsel in der Wirtschaftspolitik des Kantons Luzern.» So unterstützt er etwa die Anpassung der Ladenöffnungszeiten in der Stadt Luzern. Fischer befürwortet auch die Tiefsteuerstrategie, die eine Vorwegnahme der geplanten Steuerreform des Bundes sei. Er fügt aber an:

«Luzern hat es jedoch verpasst, die Einnahmenausfälle abzufedern und hat mit einer viel zu restriktiven Schuldenbremse noch zusätzlich Öl ins Feuer gegossen».

Roland Fischer wirkt nicht sonderlich aufgeregt im Vorfeld der Wahl. Die notwendige Entspannung findet er, wie er sagt, in den Bergen und im Wald, beim Sport, alleine oder mit seiner Parteikollegin und Lebenspartnerin Michèle Graber.

Der Werbespot von Roland Fischer in 60 Sekunden: