Regierungsratswahlen: Luzerner SP hat aus ihren Fehlern gelernt

Die Geschäftsleitung der Luzerner SP will bei den Regierungsratswahlen 2023 mit einer Frau antreten. Das ist taktisch clever – und zeugt von Lernfähigkeit.

Lukas Nussbaumer
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Lukas Nussbaumer.

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In der Regierung des grössten Zentralschweizer Kantons sitzt seit 2015 keine Frau mehr. Und dennoch hat sich bis am Montag keine Luzerner Partei zur Aussage durchringen können, bei den nächsten Wahlen im Frühjahr 2023 sicher mit einer Kandidatin anzutreten. Nun sagt SP-Präsident David Roth: Wir wollen nur mit einer Frau zurück in die Regierung.

Ist diese Ankündigung erstaunlich? Ja und Nein. Ja, weil es bei der SP eine ganze Reihe von ambitionierten Männern gibt, die nun zurückstecken müssen und die sich höchstens Hoffnungen machen dürfen, dereinst Nationalrätin Prisca Birrer-Heimo beerben zu können. Nein, weil die Konstellation für die Sozialdemokraten günstig ist, die Rückkehr in die Regierung mit einer Frau zu schaffen: Weder bei CVP noch FDP noch SVP zeichnen sich Frauenkandidaturen ab. Mit dem gerade noch rechtzeitig begonnenen Aufbau einer Kandidatin kann die SP auch die populäre Grüne Korintha Bärtsch hinter sich lassen, sollte diese 2023 erneut ins Rennen steigen. Und setzt die CVP wider Erwarten doch auf eine Frau, hat die SP zumindest den Vorteil, als Agitatorin wahrgenommen zu werden und nicht als Partei, die bloss reagiert.

Der Entscheid der SP-Geschäftsleitung ist jedoch nicht nur wahltaktisch geschickt, er zeugt auch von Lernfähigkeit. Denn es war unklug, 2019 bei den Regierungs- und bei den Ständeratswahlen auf Männer zu setzen – und gleichzeitig mantramässig eine Frau in der Regierung zu fordern.