REGION: Digitales Angebot wird ausgebaut

Den Heimatschein oder die Wohnsitzbestätigung online bestellen und bezahlen – in vielen Gemeinden ist das heute möglich. Ob die Verwaltungen dadurch auch effizienter werden, ist umstritten.

Oliver Schneider
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Oliver Schneider

region@luzernerzeitung.ch

Die Luzerner Gemeinden sind schon seit einiger Zeit daran, ihre Verwaltungen zu digitalisieren. Kürzlich hat sich auch die Gemeinde Emmen in diesem Bereich weiterentwickelt. «Nun können beispielsweise Familienausweis, Heimatschein oder Wohnsitzbestätigung online bestellt und mit Kreditkarte bezahlt werden», sagt André Gassmann, Leiter Kommunikation Emmen. Eigentlich habe Emmen das System schon letztes Jahr einführen wollen, für die Umsetzung dann aber doch mehr Zeit gebraucht.

Die Gemeinde Horw hat diese Zahlungsmöglichkeit schon länger umgesetzt. «Unser Ziel ist es, eine möglichst kundenorientierte und effiziente Verwaltung zu haben», sagt Gemeindeschreiber Beat Gähwiler. In der Folge sei für gewisse Dienstleistungen der Gang ins Gemeindehaus nicht mehr nötig. Dies sei für beide Seiten positiv: «Der Kunde verliert keine Zeit mehr, und die Verwaltung kann ihre Ressourcen anderweitig einsetzen, um den Prozess zu beschleunigen», so Gähwiler. Da die Kunden nicht mehr an Schalteröffnungszeiten gebunden sind, sei der Service der Verwaltung flexibler sowie zeit- und ortsunabhängiger.

Mit der Aussage, Online-Dienstleistungen seien effizienter, ist Cyrill Wiget, Gemeindepräsident Kriens, im Moment noch vorsichtig. Zurzeit gehe es in erster Linie darum, dem Kunden das Leben zu erleichtern. In gewissen Bereichen bringe die Digitalisierung klar Erleichterungen mit sich. «Im Hintergrund hat die Verwaltung aber weiterhin zahlreiche Arbeiten zu verrichten, die zeitintensiv sind und das auch bleiben», sagt Wiget.

Schalter werden nie verschwinden

«Heute erwarten die Kunden einfach, dass sie direkt online bezahlen können», sagt Niklaus Zeier, Chef Kommunikation der Stadt Luzern. Der Kunde habe das gewünschte Dokument dann innerhalb weniger Tage in der Post.

Vollkommen verschwinden werden die Schalter aber wohl nicht. «Transaktionen, die eine Unterschrift benötigen, müssen weiterhin via Schalter oder Postversand abgewickelt werden», sagt Zeier. Auch bei Rückfragen soll der Kunde einen persönlichen Kontakt haben. Darauf legt Kriens besonders Wert: «Wir sind überzeugt, dass es keine Trennung von herkömmlichen und Online-Schalter geben darf», sagt Wiget. Dennoch wird Kriens im Herbst 2018 die herkömmlichen Schalter von zwölf auf eine einzige Anlaufstelle reduzieren.

Mit der digitalen Weiterentwicklung nimmt die Angst vor ­Cyberangriffen zu. So könnten Hacker ganze Spitäler lahmlegen oder einen Börsencrash verursachen. Mietet jemand online den Gemeindesaal in Kriens, so ist die Gefahr wohl nicht gerade lebensbedrohlich. Trotzdem sind die Gemeinden vorbereitet. «Die Mieter werden regelmässig kontrolliert, damit keine Aufforderungen zu Gewalt oder Ähnliches in unseren Räumen geschehen», sagt Wiget. Auch Ludwig Peyer, Geschäftsführer Verband Luzerner Gemeinden (VLG), ist dieser Meinung: «Der Sicherheit im Online-Bereich muss eine hohe Beachtung geschenkt werden.» Die Gefahr sei jedoch nicht neu, sie stelle sich heute einfach in veränderter Form. «Heute sind es persönliche Daten, die von einem Computer gesogen werden, früher sind einfach Akten in Papierform verschwunden.»

Zusammenarbeiten, um Kosten zu sparen

Die laufenden Entwicklungen fordern vermehrt die Zusammenarbeit der Gemeinden. Zurzeit besteht eine Kooperation zwischen der Stadt Luzern und Emmen, um Baugesuche künftig online einreichen zu können. «Für kleinere Gemeinden sind die Projekte schlichtweg zu komplex», sagt Peyer. Eine Vorgehensweise im Verbund sei unumgänglich. Auch der Kostenpunkt spielt eine Rolle: «Gehen wir nicht gemeinsam vor, sind die Kosten exorbitant», sagt Cyrill Wiget.