REGION: Ein Schützenfest mit viel Rauch

Das Eidgenössische Feldschiessen ist das grösste Schützenfest der Welt. Die Teilnahme steht allen Interessierten offen. Für viele spielt das Resultat keine grosse Rolle. Ein Augenschein in Emmen.

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Am Feldschiessen kamen historische Waffen zum Einsatz. (Bilder: Pius Amrein (Emmen, 10. Juni 2017))

Am Feldschiessen kamen historische Waffen zum Einsatz. (Bilder: Pius Amrein (Emmen, 10. Juni 2017))

Samstagmorgen, kurz vor zehn Uhr. Hüslenmoos, Emmen. Eine Gruppe Männer steht am Waldrand, die grauen Häupter von Pfeifenrauch umhüllt. Das perfekte Bild eines gemütlichen, warmen Frühlingmorgens – wären da nicht die Sturmgewehre. Das ist kein Spaziergang, sondern die grösste Sportveranstaltung der Schweiz: das Eidgenössische Feldschiessen.

Was 1874 als ausserdienstliche Schiessübung für Schweizer Bürger begann, entwickelte sich nach der Jahrhundertwende zu einem nationalen Ereignis. Seit 1926 wird das Feldschiessen in allen Kantonen am gleichen Wochenende nach dem gleichen Reglement durchgeführt. Nachdem die Teilnehmerzahl in den 90er-Jahren stark zurückging, hat sie sich inzwischen stabilisiert. 2016 pilgerten rund 130000 Schützen in die Schiessstände der Nation.

Der militärische Hintergrund ist heute noch präsent. Die Teilnahme ist gratis, der Bund stellt die Munition. Das Schiessen wird kommandiert. Erst wenn alle Schützen in Position sind, wird «Feuer frei» gegeben: Sechs Schuss Einzelfeuer, zweimal drei Schuss Kurzfeuer und sechs Schuss Schnellfeuer sind in vorgegebenen Zeitfenstern abzugeben. So können maximal 72 Punkte erzielt werden, zu frühe oder zu späte Schüsse werden nicht gewertet.

Es ist ein Anlass für alle

Das Feldschiessen steht allen Interessierten ab zehn Jahren offen. Für Mitglieder von Schützengesellschaften ist die Teilnahme Ehrensache. Konzentriert liegen sie da, ruhig atmend, den Blick auf die Scheibe gerichtet – und treffen mit beeindruckender Konstanz wieder und wieder ins Schwarze. Weniger Routine hat Iva Lujanovic. Die 26-Jährige hält zum ersten Mal ein Gewehr in ihren Händen. «Ich mag Bogenschiessen», sagt sie, «und wollte einfach mal wissen, wie es mit einem Gewehr ist.» Ihr Freund Lukas Juchli hatte sich beim Wehrschiessverein Luzern erkundigt und wurde auf das Feldschiessen in Emmen aufmerksam gemacht. Er ist von der Gastfreundschaft beeindruckt: «Es war super. Sie liehen uns ein Gewehr, erklärten alles und betreuten uns beim Schiessen.» Beide können sich gut vorstellen, dass sie auch nächstes Jahr wieder teilnehmen.

Für Spektakel mit viel Rauch sorgten die Vorder- und Hinterladerschützen mit ihren historischen Waffen. So schiessen sie zwar das gleiche Programm, aber ohne Zeitlimit. Ihre Gewehre müssen nämlich nach jedem Schuss neu geladen werden. Bei älteren Modellen werden Schwarzpulver und Kugel sogar noch separat in den Lauf gestopft. «Es ist aufwendig», gibt Werner Stähli zu, «aber es ist auch faszinierend.» Mit seinem 80-jährigen schwedischen Scharfschützengewehr hat er einen Kranz (je nach Kategorie sind dafür 54 bis 57 Punkte notwendig) gewonnen – wie an jedem Feldschiessen seit 35 Jahren.

Mehr als ein Wettkampf

Das heimliche Herz des Anlasses ist die Schützenstube. Hier erhalten die 600 Schützen, die im Verlauf des Wochenendes in Emmen erwartet werden, Speis und Trank, hier werden Resultate verglichen und Ausreden gesucht. Dieses Miteinander ist für manche der eigentliche Grund, schiessen zu gehen. Norbert Kaufmann, Pius Gomer und Roger Hermann sitzen bereits kurz nach zehn Uhr bei Bier und Most. Das Sturmgewehrprogramm haben sie absolviert, nach einem Schluck Zielwasser geht es mit der Pistole weiter. Sie sind keine aktiven Schützen, aber sie sind sich einig: «Das Feldschiessen ist einfach eine schöne Tradition, etwas nicht Alltägliches. Wir kamen früher mit unseren Vätern hierher. Wir spielten im Wald, sie sassen beim Bier. Jetzt sitzen wir beim Bier.» Und einen ganz konkreten Vorteil bringe der Anlass auch noch mit sich: «Wir können überprüfen, ob wir die Scheibe noch sehen. Unser jährlicher Sehtest.» Was ursprünglich die Wehrhaftigkeit der Schweizer Bürger stärken sollte, fördert also heute noch ihr Wohlergehen.

Manuel Burkhard

redaktion@zentralschweizamsonntag.ch

Schiessstand Hüslenmoos in Emmen (Bild: Pius Amrein (Emmen, 10. Juni 2017))

Schiessstand Hüslenmoos in Emmen (Bild: Pius Amrein (Emmen, 10. Juni 2017))

Sitzt der Schuss? (Bild: Pius Amrein (Emmen, 10. Juni 2017))

Sitzt der Schuss? (Bild: Pius Amrein (Emmen, 10. Juni 2017))

Der Automat zeigt die Treffer an. (Bild: Pius Amrein (Emmen, 10. Juni 2017))

Der Automat zeigt die Treffer an. (Bild: Pius Amrein (Emmen, 10. Juni 2017))

Munition liegt bereit. (Bild: Pius Amrein (Emmen, 10. Juni 2017))

Munition liegt bereit. (Bild: Pius Amrein (Emmen, 10. Juni 2017))

Bild: Pius Amrein (Emmen, 10. Juni 2017)

Bild: Pius Amrein (Emmen, 10. Juni 2017)