REGION: In den Wäldern wird wieder fleissiger geholzt

Bäume aus dem Biregg- und dem Gütschwald werden für den Häuserbau, für Möbel und Papier gebraucht. Zurzeit wird besonders viel Holz geschlagen.

Christian Glaus
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Rony Betschart vom Stadtforstamt gestern bei der Arbeit im Gütschwald. Im Bireggwald wurden die Holzerarbeiten vor kurzem beendet. (Bild Nadia Schärli)

Rony Betschart vom Stadtforstamt gestern bei der Arbeit im Gütschwald. Im Bireggwald wurden die Holzerarbeiten vor kurzem beendet. (Bild Nadia Schärli)

Spaziergänger, Jogger, Biker und andere Erholungsuchende ärgerten sich in den letzten Wochen mächtig. Denn von Erholung konnte im Bireggwald aus ihrer Sicht keine Rede sein. Das laute Knattern der Motorsägen und der Einsatz von grossen Maschinen störte die Idylle. Im Bireggwald wurde wieder deutlich mehr Holz geschlagen als im Schnitt der vergangenen Jahre. Dies bestätigt Alex Arnet, Leiter des Fachbereichs Waldnutzung beim kantonalen Amt für Landwirtschaft und Wald. Knapp 1600 Kubikmeter Holz wurden in diesem Jahr gefällt – 2012 etwa waren es nur rund 300.

Förster wollen Defizit aufholen

Die grössten Nutzer im Bireggwald sind das Stadtforstamt, welches rund zwei Drittel des 137 Hektaren umfassenden Waldes bewirtschaftet, und der Verein Waldregion Pilatus Nord. Dieser holzt im Auftrag der Korporation Horw. Das Stadtforstamt, ein Zusammenschluss von Korporation Luzern, Stadt sowie Energie Wasser Luzern (EWL) schlägt laut Stadtoberförster Raphael Müller jedes Jahr rund 400 bis 500 Kubikmeter. Dass nun wieder mehr Bäume gefällt werden, hat gemäss Patrick Hofer, Betriebsförster von Waldregion Pilatus Nord, damit zu tun, dass man in den letzten Jahren etwas weniger aktiv war. Nun gelte es beim Holzschlag ein Defizit aufzuholen.

«Unmittelbar nach einem Holzschlag kann es schon brutal aussehen», räumt Patrick Hofer ein. Im Vordergrund stehen für die Förster nicht nur wirtschaftliche Aspekte, sondern auch die Waldpflege. Mit jedem gefällten Baum dringt etwas mehr Licht auf den Waldboden. Dies erlaubt es Jungbäumen, nachzuwachsen, und fördert zudem die Artenvielfalt.

Die Holzschläge müssen jeweils vom Kanton Luzern bewilligt werden. Die Gesuche könnten meist problemlos bewilligt werden, sagt der zuständige Revierförster Wendelin Zemp. «Häufig aber mit Auflagen.» So müssen oft ältere Bäume stehen gelassen werden, weil sie als sogenannte Biotop-Bäume aus ökologischer Sicht besonders wertvoll sind. Zemp sagt aber: «Im Biregg- und im Gütschwald handelt es sich primär um Wirtschaftswälder. Die Holznutzung steht hier im Vordergrund.» Das mache auch Sinn: «Holz ist einer der wenigen Rohstoffe der Schweiz – und wächst direkt vor unserer Haustür.»

60 Prozent Bauholz

Vom geschlagenen Holz werden laut Patrick Hofer etwa 60 Prozent zu Bauholz verarbeitet, 20 Prozent ist Industrieholz und wird beispielsweise zu Papier weiterverarbeitet. Aus den restlichen 20 Prozent werden Möbel und Parkett­böden gemacht oder Holzschnitzel für Heizungen. So wird etwa das Hubelmattschulhaus mit Holz aus dem Bireggwald geheizt.

Die Preise auf dem Holzmarkt sind im letzten Jahr konstant geblieben. Pro Kubikmeter Bauholz erhält man im Schnitt 100 Franken, wie Patrick Hofer sagt. Im Fall des Vereins Waldregion Pilatus Nord liegt die Gewinnmarge beim Holz aus dem Bireggwald bei zirka 30 bis 40 Prozent. Für das Stadtforstamt bleibe vom Erlös hingegen deutlich weniger, sagt Raphael Müller. Denn die Waldpflege und der Unterhalt von Wegen kosteten viel Geld.

12 Prozent der Fläche ist Reservat

Die Naturschutzorganisationen lehnen die Bewirtschaftung der Wälder nicht grundsätzlich ab. Es sei besser, Wälder in Siedlungsnähe zu nutzen, die ohnehin einem grossen Druck durch Erholungsuchende ausgesetzt seien, als Hochwälder. Die Organisationen sehen aber grosse Holzschläge nicht gerne. Kleinere Eingriffe in den Wald seien nachhaltiger, heisst es. Auf Nachhaltigkeit lege man grossen Wert, sagt Stadtoberförster Müller während eines Rundgangs im Bireggwald. «Wir haben in den letzten vier Wochen ganz gezielt einzelne Bäume gefällt, um wieder Platz für Jungbäume zu schaffen. Dabei fördern wir heimische Arten.» Müller betont: «Die Anforderungen der Naturschutzorganisationen erfüllen wir voll und ganz. Die Organisationen verlangen, dass 10 Prozent der Waldfläche als Reservat geschützt sind. Bei uns sind es zurzeit etwa 12 Prozent, und wir planen, am Pilatus ein weiteres Reservat auszuscheiden. Dann kämen wir auf 20 Prozent.»

Potenzial wird nicht ausgeschöpft

Im Bireggwald wird das sogenannte nachhaltige Nutzungspotenzial noch nicht ausgeschöpft. Laut Kanton könnten zusätzlich bis zu 200 Kubikmeter Holz gefällt werden. Muss man damit rechnen, dass der Wald intensiver bewirtschaftet wird, wenn der Holzpreis steigt? Das sei möglich, sagt Raphael Müller: «Wenn der Holzpreis eher tief ist, bringen wir auch nicht so viel Holz auf den Markt.» Er hält aber fest: «Wir achten darauf, dass die Holzschläge bevölkerungsverträglich sind.»

Christian Glaus