REGION: Junge übernehmen das Ruder

Nach mehreren städtischen Parteien setzt nun auch die CVP Kriens auf junge Präsidenten. Die altgedienten Politiker erhoffen sich dadurch frischen Wind für ihre Partei.

Stefan Dähler
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Claudio Dahinden (33) und Noemi Bowald (29) führen neu die Krienser CVP. (Bild: pd)

Claudio Dahinden (33) und Noemi Bowald (29) führen neu die Krienser CVP. (Bild: pd)

Generationenwechsel bei der Krienser CVP: Auf den 57-jährigen Franco Faé, der nach seiner Wahl in den Gemeinderat das Präsidium abgibt, folgen Claudio Dahinden (33) und Noemi Bowald (29). Sie wurden gestern Abend an der Parteiversammlung im Mehrzwecksaal Zunacher gewählt und bilden neu das Co-Präsidium der CVP. «Das ist ein Vertrauensbeweis an die junge Generation», sagt Bowald. Die beiden Juristen haben noch keine Erfahrungen im Einwohnerrat sammeln können. Was qualifiziert sie für die neue Aufgabe? «Wir sind seit einiger Zeit Mitglieder der Parteileitung und haben Einblick in die Geschäfte und Abläufe», sagt Dahinden. Zuletzt war er Wahlkampfleiter bei den Gemeinderatsersatzwahlen. Bowald leitet gemeinsam mit Rolf Schmid den Wahlkampf für die kommunalen Wahlen im nächsten Mai.

Es fehlt eine S-Bahn-Haltestelle

Beide seien parteiintern angefragt worden, ob sie das Präsidium übernehmen wollen. «Wir hoffen natürlich, dass wir vermehrt junge Leute für die Politik motivieren können», sagt Noemi Bowald. Sie positioniert sich innerhalb der CVP leicht links der Mitte, Claudio Dahinden eher rechts der Mitte, aber «mit einem offfenen Ohr für Umweltfragen.» Was ihm in Kriens fehlt, sei insbesondere eine S-Bahn-Haltestelle im Zentrum. Hier habe es die Gemeinde in der Vergangenheit verpasst, die Verkehrsprobleme anzugehen. Bowald bemängelt, dass «in letzter Zeit Politik nicht immer auf sachlicher Ebene betrieben worden ist». Als Beispiel nennt sie die vergangenen Gemeinderatsersatzwahlen. «Hier wurde zu stark gegen einzelne Personen geschossen. Ein gewisser Anstand ist Voraussetzung für eine konstruktive Zusammenarbeit.»

In der Stadt Luzern werden gar mehrere grosse Parteien von jungen Präsidenten geleitet. Bei der SP ist Claudio Soldati (31) bereits seit 2012 Präsident, im gleichen Jahr übernahm auch Marco Müller (35) bei den Grünen. Mit der Wahl von Fabian Reinhard (34) hat auch die städtische FDP letzten September einen Generationenwechsel vollzogen. Obwohl «ein 90jähriger Liberaler mit mir mehr Gemeinsamkeiten hat als ein 20-jähriger Jungsozialist» freue er sich, wenn Junge in der Politik Verantwortung übernehmen. «Nach aussen hat es eine andere Wirkung, wenn der Präsident 30 ist statt 60», sagt Reinhard. Dies spüre er bei der Kandidatensuche für die Wahlen im Mai. «Es kommen vermehrt Junge auf uns zu.» Generell sei es ein Vorurteil, dass sich diese nicht für Poltik interessieren. «Es ist aber schwieriger geworden, Leute zu finden, die sich längerfristig binden wollen.» Kritisch sei der Übergang zwischen Jung- und Mutterpartei. «In diesem Alter ist man oft beruflich stark eingebunden.» Präsident werde man nicht einfach so. «Es braucht einen parteiinternen Leistungsausweis und das dauert ein paar Jahre.»

Politologe lobt Luzerner Parteien

Was bedeutet es für eine Partei, wenn Junge das Präsidium übernehmen? «Die Chance ist, dass sie frischen Wind bringen und ein Ruck durch die Partei geht», sagt Politologe Olivier Dolder von Interface Politikstudien in Luzern. «Auf der anderen Seite haben sie weniger Führungserfahrung und kennen die Abläufe nicht so gut.» Generell beurteilt Dolder die Jugendarbeit der Luzerner Parteien als vorbildlich. «Es ist daher kein Zufall, dass mehrere Luzerner in den letzten Jahren das Präsidium nationaler Jungparteien übernommen haben.» Beispiele dafür sind Maurus Zeier (Jungfreisinnige), David Roth (Juso), Anian Liebrand (JSVP) oder Jean-Pascal Ammann (JCVP). Auch Dolder sieht gewisse Herausforderungen, wenn es zum Wechsel in die Mutterpartei kommt. «Junge treten oft pointierter auf. Sie müssen sich im Umgangston etwas mässigen.»

«Müssen gewisse Dinge noch lernen»

Der abtretende Krienser CVP-Präsident Franco Faé hat diesbezüglich keine Bedenken. «Sie müssen natürlich gewisse Dinge noch lernen, dafür haben sie auch ein Team im Rücken.» Man habe nicht aus Mangel an Kandidaten, sondern ganz bewusst auf die Jungen gesetzt. «Wir sind stolz auf unsere Aufbauarbeit und erhoffen uns frischen Wind und neue Ideen.» Auch der Krienser CVP-Ständerat Konrad Graber freut sich über den Generationenwechsel in seiner Ortspartei. «Das gibt Schwung und ist ein gutes Zeichen für die Befindlichkeit der Partei.» Wäre es nicht besser, wenn die Parteiführung bereits Erfahrungen im Einwohnerrat gesammelt hätte? «Nein, es stehen beide im engen Austausch mit der Fraktion. Franco Faé war ja auch nicht im Einwohnerrat.» Ausserdem plant Noemi Bowald, fürs Parlament zu kandidieren.

SVP setzt auf 65-Jährigen

Einen anderen Weg geht die Krienser SVP. Dort übernimmt der 65-jährige Hans Fluder das Präsidium. Welches sind die Vorteile eines älteren Präsidenten? «Ich bin seit acht Jahren Einwohnerrat und dadurch bekannter.» Es sei nicht einfach, Leute zu finden, die sich zur Verfügung stellen. «Das Präsidium bedeutet viel Arbeit.» Jüngere seien heute ausserdem weniger sesshaft. «Sie wechseln öfters den Job und auch den Wohnort, was es schwierig macht, sich langfristig in einer Partei zu engagieren.»

Stefan Dähler