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REGION LUZERN: 4500 Fahrzeuge mehr — pro Tag

Die neuesten Zahlen zeigen: Im Jahr 2014 nahm der Verkehr in und um Luzern weiter zu — auch auf Velowegen. Führt das bald zu einem Kollaps?
Niels Jost
Auf der Autobahn A 2 (Bild: Richtung Süden) nahm der Verkehr 2014 um über 10 Prozent zu. (Bild: Nadia Schärli (Neue LZ))

Auf der Autobahn A 2 (Bild: Richtung Süden) nahm der Verkehr 2014 um über 10 Prozent zu. (Bild: Nadia Schärli (Neue LZ))

Niels Jost

Man stelle sich eine Kolonne mit 4500 Autos vor – sie wäre geschätzte 18 000 Meter lang und reichte von der Stadt Luzern bis nach Hochdorf. Dieses Bild würde sich ergeben, wenn man alle Fahrzeuge aneinanderreihen würde, die letztes Jahr zusätzlich über die Strassen der Region fuhren. Will heissen: Im Jahr 2014 brummten insgesamt 276 624 Autos, Busse, Lastwagen und Motorräder durch die Region, im Vorjahr waren es 272 112 – ein Plus von rund 4500 Fahrzeugen oder 2 Prozent. Hinter dieser relativ kleinen Zahl versteckt sich also ein eindrückliches Bild.

Diese Zahlen der Region erhebt die Dienststelle Verkehr und Infrastruktur (Vif) jedes Jahr mittels 12 automatischen Messgeräten in der Agglomeration Luzern (siehe Grafik). Im ganzen Kanton registrieren 60 solcher Zählstellen alle motorisierten Fahrzeuge.

Auch auf der A 2 beim Tunnel Reuss–port: 2014 fuhren dort jeden Tag durchschnittlich über 1000 Fahrzeug mehr durch den Tunnel als 2013 (insgesamt 93 300). Andreas Heller, Abteilungsleiter Verkehrstechnik bei der Dienststelle Vif: «Der Wirtschaftsraum Luzern blüht seit Jahren und generiert somit mehr Verkehr.»

Plus 10 Prozent

Was sich in den aktuellen Statistiken am stärksten niederschlägt, ist die Grossbaustelle Seetalplatz. Diese setzte dem Verkehrsaufkommen auch in den umliegenden Strassen zu. So zählte die Vif bei den Messstellen Emmen Loren und Sprengi, beim Autobahnanschluss Rothenburg sowie in Littau Ränggüber 10 Prozent mehr Fahrzeuge als im Vorjahr. «Sobald das Projekt 2018 abgeschlossen ist, sollen diese Strassenabschnitte wieder entlastet werden», sagt Heller. Bis dahin wird es in und um den Seetalplatz wohl weiterhin zu stark befahrenen Strassen kommen. Beim Seetalplatz selber wurden wegen der Baustellen 2014 keine Messungen durchgeführt.

Da die Grossbaustelle beim wichtigsten Knotenpunkt in Luzern oft umfahren wurde, gab es auch in den etwas entfernteren Strassen mehr Verkehr. Markante Auswirkungen hatte das etwa bei der Messstelle Malters Blatten, auf dem Stegmättli. 2013 waren es täglich 6620 Fahrzeuge, im letzten Jahr 7880 – gut ein Viertel mehr. Ein ähnliches Bild zeigte sich auch bei der Umfahrungsstrasse K 10 beim Littauer Thorenberg, die 13 Prozent mehr befahren wurde.

Mehr Leute nutzen ihr Auto

Auch bei den anderen 48 Messpunkten war 2014 ein höheres Verkehrs­aufkommen von rund 2 Prozent zu verzeichnen als noch im Vorjahr. Die Gründe sind laut Alex Mathis, Geschäftsführer des TCS Sektion Waldstätte, vielseitig: «Die Einwohnerzahl nimmt permanent zu, immer mehr Personen besitzen ein Fahrzeug. Zudem pendeln viele zur Arbeit. Und auch in der Freizeit sind wir ständig unterwegs, etwa zur Sportanlage oder zu Bekannten.»

Mathis geht davon aus, dass es auch in Zukunft deutlich mehr Verkehr geben wird. Damit es nicht zu einem Kollaps kommt, sei es wichtig, dass grosse Projekte, etwa der Bypass Luzern, die Spange Nord oder der Durchgangsbahnhof, «konsequent vorangetrieben werden». Damit solle der Verkehr um die Stadt geführt und Nadelöhre wie die Seebrücke oder Pilatusstrasse entlastet werden.

Monique Frey, Geschäftsleiterin der Sektion Luzern des Verkehrsclubs der Schweiz (VCS), sagt: «Werden immer mehr Strassen und Parkplätze gebaut, schafft das für Autofahrer Anreize.» Deshalb nehme der Verkehr auf Luzerns Strassen, besonders in der Agglomeration und den ländlichen Gebieten, stetig zu. Um dem entgegenzuwirken, müsste der Verkehr gelenkt und ÖV-Angebote ausgebaut werden, etwa durch einen 15-Minuten-Takt auf allen S-Bahn-Strecken.

Abnahme auf dem Kreisel Schlund

Was in den Statistiken der Verkehrszählung weitgehend fehlt, sind Strassenabschnitte, an denen weniger Fahrzeuge gezählt wurden. Einzig der Kreisel Schlund beim Pilatusmarkt in Kriens sticht positiv hervor. Im Vergleich zum Vorjahr fuhren 2014 pro Tag über 8 Prozent (2300 Fahrzeuge) weniger durch den Kreisverkehr. Insgesamt waren es «nur» noch 25 500. «Die Gründe dafür sind vielseitig und nur schwer zu evaluieren. Bestimmt steht die Abnahme des Verkehrsaufkommens beim Kreisel Schlund aber in Zusammenhang mit den abgeschlossenen Bauarbeiten auf dem City-Ring», sagt Andreas Heller.

An den anderen Messpunkten veränderte sich die Anzahl gezählter Fahrzeuge nur geringfügig. Da hatten auch drei grössere Baustellen in Wolhusen, beim Kreisel Chotten in Sursee und auf der Kantonsstrasse Ruswil nur marginale Auswirkungen auf das Verkehrsvorkommen. «An einigen Stellen kam es höchstens zu längeren Wartezeiten, nicht aber zu mehr Verkehr», so Heller. Anders als beim Seetalplatz wurden diese Baustellen kaum umfahren.

Weniger Autos auf der Seebrücke

Ein weiterer Grund, wieso der Verkehr mancherorts nur wenig zunahm, sind die bereits ausgeschöpften Kapazitäten auf den Strassen. «Bei manchen Stellen, etwa auf der Luzerner Seebrücke, kann es gar nicht noch mehr Verkehr geben, da auf den Strassen in den Spitzenstunden kein Platz vorhanden ist.» Das belegen auch die Zahlen. Seit 50 Jahren nimmt der Verkehr auf der Seebrücke sogar deutlich ab. 1965 fuhren gut 44 000 Personen über die Brücke, 2012 waren es erstmals unter 40 000 und letztes Jahr sogar nur noch 37 000. Wieso die Zahlen seit Jahren abnehmen, weiss die Vif nicht.

3500 Velos überqueren pro Tag die Reuss

Im städtischen Verkehr nicht zu vergessen sind die zweirädrigen Verkehrsteilnehmer: die Velofahrer. Auch sie rollen immer mehr über die Strassen, beziehungsweise über die Velowege. Allerdings liefert die Verkehrszählung der Vif hierzu keine Erhebungen. Wie aber dem Kennblatt «Monitoring Gesamtverkehr Luzern» zu entnehmen ist, überquerten im Jahr 2014 jeden Tag gut 3500 Fahrräder die Reuss über die verschiedenen Brücken in der Stadt Luzern.

Beim Schweizerhofquai fuhren im letzten Jahr täglich rund 3600 Velos vorbei, das sind 200 mehr als noch im Vorjahr. Ausserhalb der Stadt werden keine Zählungen der Zweiräder durchgeführt.

Der Verkehr in der Region Luzern nimmt stark zu (Bild: Grafik: Janina Noser)

Der Verkehr in der Region Luzern nimmt stark zu (Bild: Grafik: Janina Noser)

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