REGION LUZERN: Druckbranche im Verdrängungskampf

Digitalisierung und Preisdruck aus dem Ausland: Zwei traditionsreiche Druckereien müssen fusionieren. Und sie sind nicht die einzigen, die mit der Marktsituation zu kämpfen haben.

Gabriela Jordan
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Drucktechnologe Sacha Schnyder bei der Arbeit in der neuen Druckerei Ebikon AG. (Bild: Pius Amrein (Ebikon, 18. Januar 2017))

Drucktechnologe Sacha Schnyder bei der Arbeit in der neuen Druckerei Ebikon AG. (Bild: Pius Amrein (Ebikon, 18. Januar 2017))

Gabriela Jordan

 

gabriela.jordan@luzernerzeitung.ch

Zwei bekannte Druckereien aus der Region gehen in Zukunft gemeinsame Wege: Die Druckerei Ebikon AG und die B. Blöchlinger AG Offsetdruck in Luzern haben jüngst mitgeteilt, dass sie sich per 1. Januar 2017 zusammengeschlossen haben. Die Druckerei B. Blöchlinger AG wird neu unter dem Namen und Dach der Druckerei Ebikon AG geführt. «Um noch möglichst lange auf dem Markt bleiben zu können, haben wir vorwärtsgeschaut», sagt Manuel Blöchlinger, neuer Partner der Druckerei-Inhaber. «Dass dabei unser Name verschwindet, ist zweitrangig.» Die fusionierte Druckerei wird auf den Standort Ebikon (Luzernerstrasse) konzentriert, wo demnächst die Umbauarbeiten starten.

Das fusionierte Unternehmen wird sicher 30 Angestellte, darunter vier Lehrlinge, beschäftigen. Ob Mitarbeiter der B. Blöchlinger Druckerei AG wegen der Fusion ihren Job verlieren werden, sei noch nicht klar, sagt Beat Knapp, Mitinhaber der Druckerei Ebikon AG. «Wir tun unser Bestes, um möglichst viele Leute integrieren zu können.» Dies hänge aber auch davon ab, ob «Kunden mit uns den neuen Weg gehen».

Ausländische Anbieter mischen Markt «brutal» auf

Die zwei Druckereien wurden beide im Jahr 1954 in Ebikon gegründet, in den letzten Jahren arbeiteten sie teilweise bereits im technischen Bereich zusammen. «Die Fusion ist keine Hauruck­übung, um eine marode Firma zu retten», betont Knapp. «Wir schlagen zum richtigen Zeitpunkt den richtigen Weg ein, um im hart umkämpften Markt noch besser gewappnet zu sein.» Dieser Weg werde freilich nicht einfacher, räumt er ein. Erstens würden «Druckfabriken aus dem Ausland den Markt brutal aufmischen». Sehr viele lokale Firmen stellen ihre Werbemittel und Druckprodukte demnach günstiger im Ausland her. Weil Druckmaschinen immer besser werden, ist zweitens der Investitionsdruck in der Branche hoch. Und schliesslich ist der Drucksachenmarkt im Zuge der Digitalisierung allgemein rückläufig, laut Knapp um ungefähr 5 bis 7 Prozent pro Jahr. Gleichzeitig sei die Digitalisierung auch eine Chance: So würden viele Druckereien heute nicht mehr nur Druckerzeugnisse herstellen, sondern hätten sich zu Dienstleistern in diesem Bereich entwickelt – von digitalen Formularen bis zu Aufbau und Pflege von Homepages. «Natürlich», ergänzt Knapp, «deckt es den Verlust nicht ganz ab. Weiter entscheidend ist zudem, in welche Druckart eine Druckerei investiert: Offset- oder Digitaldruck (siehe Kasten). Letzterer könne im Markt laut Knapp noch eher zulegen. Die B. Blöchlinger AG war auf Offsetdruck spezialisiert, bot ihren Kunden aber auch Digitaldruck an.

Zu kämpfen haben auch andere Druckereien in der Region Luzern. «Man lebt quasi von der Hand in den Mund», sagt etwa Ralph Bucher von Gammaprint in Luzern. Die Aufträge kommen zudem immer kurzfristiger, was die Planung erheblich erschwert. Kommt hinzu, dass die Druckereiendichte in der Zentralschweiz noch immer hoch ist. «Der Konkurrenzkampf ist grundsätzlich nichts Negatives und spornt uns an, besser als die anderen zu sein», sagt Ralph Bucher. Doch gegen die ausländischen Online-Druckfirmen mit ihren Tiefstpreisen habe man ganz einfach schlechte Karten.

Gleich sieht es bei der Stadtdruckerei ABC-Print aus. Auch sie führt als Hauptgrund die Konkurrenz durch ausländische Firmen an. Es werde deshalb immer wichtiger, dass man sich spezialisiere und Nischen finde, so Bucher. Dies tut zum Beispiel die Firma Multireflex, indem sie für Architekten und Ingenieure eine Internetplattform für das Verwalten von Bauplänen anbietet. So könnten zwischen Druckprodukten und digitalen Kommunikationskanälen, die sonst zunehmend im Wettbewerb zueinander stehen würden, auch Synergien genutzt werden, erklärt Inhaber Ralf Dubach. Bei Multireflex setzt man zudem auf Digitaldruck, wo im Gegensatz zum Offsetdruck extrem schnelle Lieferzeiten möglich sind. So können kleinere Aufträge innert weniger Stunden abgewickelt werden. Da kann selbst der beste Online-Anbieter nicht mithalten – die «Druckerei um die Ecke» kann so ihren preislichen Nachteil durch Schnelligkeit wettmachen. Doch das ist nur möglich, wenn man stets die modernsten Maschinen besitzt. Was wiederum hohe Investitionen bedingt. Für Ralf Dubach ist deshalb klar, dass es zu einer weiteren Konzentration kommen wird, weil kleinere Betriebe die Investitionen kaum tragen könnten.