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REGION LUZERN: Luzerner Politiker drücken die Schulbank

In den Gemeindeparlamenten ist die Fluktuation hoch. Viele Politiker unterschätzen die Arbeit. Nun bietet die Hochschule Luzern neuerdings eine Politikerausbildung an.
Offenbar besteht hier und dort noch etwas Bedarf an 'theoretischer Praxis'. Blick in eine Bibliothek der Hochschule Luzern. (Symbolbild Pius Amrein / Neue LZ)

Offenbar besteht hier und dort noch etwas Bedarf an 'theoretischer Praxis'. Blick in eine Bibliothek der Hochschule Luzern. (Symbolbild Pius Amrein / Neue LZ)

In den Gemeindeparlamenten der Region Luzern herrscht ein Kommen und Gehen – jeder dritte Parlamentarier, der 2012 gewählt wurde, sitzt inzwischen nicht mehr im Parlament (Ausgabe vom 20. Juli). Viele treten vorzeitig ab, weil sie es nicht schaffen, Beruf und politisches Engagement unter einen Hut zu bringen. Sie unterschätzen die Sitzungen und die Dossiers, die sie studieren müssen.

«Amt ist grosse Herausforderung»

Etliche Nationalräte üben mittlerweile ihr Amt praktisch hauptberuflich aus, oder sie beschäftigen Mitarbeiter, um die Arbeitsflut bewältigen zu können. Im Grossen Stadtrat Luzern oder in den Einwohnerräten der Agglomeration ist es zwar noch nicht so weit, aber auch dort steigt die Belastung. «Das freiwillige Engagement in einem politischen Amt ist eine grosse Herausforderung und wird oftmals unterschätzt», sagt Jonas Willisegger. Er ist Studienleiter des Weiterbildungsmasters (MAS) in Public Management an der Hochschule Luzern – Wirtschaft.

Im Rahmen dieser Ausbildung wird neuerdings der Zertifikatslehrgang CAS Public Management und Politik angeboten. Dieser richtet sich unter anderem an politische Mandatsträger auf Gemeinde- und Kantonsebene. Im achtmonatigen Kurs lernt man dort beispielsweise, wie öffentliche Verwaltungen funktionieren oder welche Mechanismen beim neuen Finanzausgleich greifen. Die Themen reichen vom Verstehen politischer Lobbyingprozesse bis zur kompetenten Krisenbewältigung.

Kurs ist ausgebucht

Der erste Durchgang dieses neuen Angebots startete im Juni und ist mit 18 Teilnehmenden ausgebucht. Auch für den zweiten Kurs, der nächstes Jahr startet, sei das Interesse bereits gross, sagt Jonas Willisegger. Mitarbeiter von öffentlichen Verwaltungen sind schon länger im Visier der Weiterbildungsbranche. Dass auch Politiker die Schulbank drücken, ist hingegen neu und durchaus nötig. Nicht selten wird jemand einigermassen überraschend in einen Gemeinderat oder ein Parlament gewählt – ohne vertiefte Kenntnisse der politischen Verhältnisse zu haben. Gemeindepolitiker seien häufig praktisch veranlagte «Machertypen», sagt Willisegger.

Diese sind auf einmal mit Verwaltungsmitarbeitern konfrontiert, welche die Mechanismen von Politik und Verwaltung weit besser kennen. «Politiker müssen oft erst lernen, wie die Verwaltung funktioniert, für die sie verantwortlich sind», sagt Willisegger. Politische Neulinge müssen sich erst einmal durch ein Wirrwarr aus Weisungen, Reglementen, Richtlinien und Kennzahlen kämpfen, die ihnen kaum bekannt sind. Die Teilnehmer des 9600 Franken teuren Lehrgangs sind Gemeindeparlamentarier und Kantonsräte, Kommissionsmitglieder, Verwaltungsmitarbeitende sowie Vertreter von staatsnahen Organisationen.

Es gibt auch solche, die noch gar kein Amt bekleiden, mit dem Kurs aber einen soliden Grundstein für eine spätere politische Karriere legen wollen. Manche Bewerber erfüllen die formalen Zulassungsbedingungen für eine Weiterbildung auf Hochschulniveau zwar nicht, bringen aber einen entsprechenden Leistungsausweis und Praxiserfahrung mit und werden «sur dossier» aufgenommen.

Hochschule geht auf Parteien zu

Für die bisherigen Teilnehmer des Lehrgangs CAS Public Management und Politik, welcher rund 160 Lektionen umfasst, steht das persönliche, berufliche und politische Vorankommen im Vordergrund. Die Hochschule möchte aber noch einen Schritt weiter gehen. «Wir prüfen momentan, wie wir die relevanten Akteure der Zentralschweizer Verwaltungen und Politik noch stärker in die Weiterentwicklung und Positionierung des Lehrgangs einbeziehen können», sagt Jonas Willisegger.

Adressaten sind unter anderem politische Parteien. Das Ziel sei, «einen Beitrag zu einem gut funktionierenden Milizsystem in der Zentralschweiz zu leisten», sagt Jonas Willisegger. Gut möglich also, dass, wer sich künftig als Einwohnerrat aufstellen lassen will, nicht nur über die nötige Motivation verfügen, sondern auch das entsprechende Diplom vorweisen muss.

Die Hochschule Luzern ist übrigens nicht die erste Weiterbildungsinstitution, die Politiker als Zielgruppe entdeckt hat. Das Berner Bildungszentrum für Wirtschaft und Dienstleistung (BWD) bietet schon seit einiger Zeit einen Lehrgang für Gemeindepolitiker an. In 88 Lektionen werden diese in Politologie, Recht und Finanzen unterwiesen. Sie lernen, wie man Projekte und Leitbilder entwickelt, wie das kommunale Bauwesen funktioniert und wie man Sitzungen leitet.

Eine Ausbildung für Politiker – ist das im Schweizer Milizsystem nicht ein Widerspruch? Gerade Kandidaten für Exekutivämter brüsten sich gerne mit der Erfahrung, die sie ausserhalb der Politik gesammelt haben – als Beweis für ihre Kompetenz. Doch der Politologe Andreas Ladner ist diesbezüglich skeptisch: «Es ist illusorisch, zu glauben, die Erfahrung aus einer Bank oder sonst einer Firma lasse sich eins zu eins auf ein Gemeinderatsamt übertragen.» Deshalb seien entsprechende Weiterbildungen durchaus sinnvoll, wenngleich es bisher nur eine kleine Minderheit von Politkern gebe, die solche Angebote nutzten.

Stadtpräsident Roth an der Uni

Weiterbildung gibt es übrigens nicht nur für Milizpolitiker. Auch Berufspolitiker drücken bisweilen die Schulbank. So bietet die Universität St. Gallen etwa ein Zertifikatsprogramm «Weiterbildung für Politik» an. Auf der Liste der Absolventen dieser Weiterbildung ist auch ein prominenter Luzerner Berufspolitiker aufgeführt: Stadtpräsident Stefan Roth.

Robert Knobel

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