Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

REGION LUZERN: Modulare Schulhäuser – ein Modell mit Zukunft?

In vielen Gemeinden wird der Schulraum knapp. Neue Schulhäuser sind aber teuer. Insbesondere Kriens und Emmen setzen daher auf kostengünstige Modulbauten. Diese Strategie sorgt für Diskussionen – auch auf unserer Redaktion.
Beatrice Vogel
Blick von Süden auf die Schulanlage Erlen in Emmen. Der neue Trakt soll links auf der Wiese zu stehen kommen. (Bild: PD)

Blick von Süden auf die Schulanlage Erlen in Emmen. Der neue Trakt soll links auf der Wiese zu stehen kommen. (Bild: PD)

PRO

Das Schulhaus Erlen in Emmen wird mit Modulbauten erweitert (Ausgabe vom 6. Juli). Diese Variante wurde schon bei vielen anderen Schulhäusern gewählt – in Emmen wie in Kriens. Die Ausbauten stossen häufig auf Widerstand von Eltern und Politikern. Warum eigentlich? Die Hauptsache ist doch, die Schüler haben alle Platz und die richtigen Arbeitsinstrumente, um zu lernen. Ob sie in einem Schulhaus aus Stein und Beton unterrichtet werden oder in einer Holzkonstruktion, ist da zweitrangig. Die Inhalte zählen, nicht die Hülle.

Viele Skeptiker haben eine falsche Vorstellung von den Modulbauten. Sie sehen nur Container, die schnell auf- und abgebaut sind. Dass sich das «Modul» lediglich auf die Bauweise mit vorgefertigten Elementen bezieht und nicht auf Schachtelhäuser, die beim leichtesten Wind auseinanderbrechen, lassen sie ausser Acht.

Dabei pflegen sie ein antiquiertes Bild von Schulraumprovisorien, wie sie früher Usus waren. In solchen Provisorien bin ich noch zur Schule gegangen. An der Kanti Willisau gab es damals die sogenannten Pavillons – bessere Holzbaracken, in denen es im Winter eiskalt und im Sommer schmachtend heiss war. Klar war es schön,als wir einen Betonneubau mit richtiger Mensa und Aula erhielten. Gegen massiv gebaute, repräsentative Schulhäuser ist auch gar nichts einzuwenden. Doch die meisten Schulanlagen haben bereits derartige Hauptgebäude. Da ist es verkraftbar, wenn die anderen Gebäude nicht so repräsentativ sind.

Funktionalität sollte beim Schulhaus und vor allem bei Schulzimmern im Vordergrund stehen.Und das ist bei den Modulbauten der Fall. Sie sind nach aktuellen Standards eingerichtet, komfortabel und entsprechen auch energetisch den Anforderungen. Von Schwitzen und Frieren kann keine Rede sein. Ihr günstiger Preis spricht ausserdem für und nicht gegen sie. So sei allen Skeptikern geraten: Besuchen Sie ein Modulschulzimmer! Wahrscheinlich werden Sie sich darin sogar wohlfühlen.

Beatrice Vogel

beatrice.vogel@luzernerzeitung.ch

Contra

Ein neuer, zweifelhafter Baustil erobert Luzern. Er nennt sich «modular» und kommt vorzugsweise in Schulhäusern zum Einsatz. Jedes Mal, wenn die Schülerzahlen gerade ansteigen, setzt man wieder ein, zwei Container als zusätzliche Klassenzimmer mitten auf Spielwiesen und Pausenplätze. Wobei man das Wort «Container» eigentlich gar nicht verwenden sollte – zumindest wenn es nach dem Krienser Gemeinderat geht. Er schärft den Medien jeweils ein, politisch korrekt von «Elementen» oder «Modulen» zu schreiben. Schliesslich handle es sich um vollwertige Schulbauten, die gut und gerne 30 Jahre halten.

Was wohl unsere Vorfahren zur modularen Schule sagen würden? Vor über 100 Jahren bauten sie Schulhäuser, welche die Zierde von Dorf und Quartier waren und bis heute zuverlässig ihren Zweck erfüllen. Das Stadtluzerner Säli-Schulhaus wurde 1898 extra am Rande einer – damals noch – grünen Wiese gebaut, damit die Kinder unbeschwert herumtollen konnten. Die Fassade wurde mit den Namen wichtiger Schweizer Persönlichkeiten verziert sowie mit dem Spruch «Lebe, um zu lernen – lerne, um zu leben».

Es war eine Zeit, in der die Schweiz stolz darauf war, allen Kindern eine Schulbildung zu ermöglichen. Kein Wunder wurden die Schulhäuser in Massivbauweise und als architektonische Leuchttürme konzipiert. Die «höchst einfachen Schulstuben der alten Luzerner», wie das «Tagblatt» 1898 spottete, sollten definitiv der Vergangenheit angehören.

Heute holt uns die Vergangenheit wieder ein. Die kommunalen Schulvorsteher präsentieren stolz ihre «Module», mit denen man auf das «Problem» der steigenden Schülerzahlen reagieren kann, ohne die Gemeindeschatulle zu schröpfen. Dass die Bauten keine Augenweide sind, versteht sich von selbst. Sie sind derart schlicht, dass eine sinnige Inschrift als Appell an die junge Generation problemlos Platz hätte. Wie wär’s mit «Lebe, um zu sparen – spare, um zu leben»?

Robert Knobel

robert.knobel@luzernerzeitung.ch

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.