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REGION LUZERN: Rücktrittswelle in Gemeinderäten

Gleich vier Ersatzwahlen für Gemeinderäte stehen im ersten Halbjahr 2018 an. Fast alle Zurücktretenden geben als Grund die Arbeitsbelastung an. Wird die Doppelbelastung von Gemeinderatsamt und Beruf zunehmend zu gross?
Beatrice Vogel
Der Kanton Luzern (rot umrissen). (Bild: googlemaps.ch)

Der Kanton Luzern (rot umrissen). (Bild: googlemaps.ch)

Beatrice Vogel

beatrice.vogel@luzernerzeitung.ch

In der Region Luzern kam es im Dezember zu einer regelrechten Rücktrittswelle von Gemeinderäten. Darunter Arthur Sigg, CVP-Gemeinderat in Rothenburg (Ressort öffentliche Infrastruktur), der aus beruflichen Gründen per Ende September aus der Exekutive ausscheidet. In Honau tritt Gemeindepräsident Amadé Koller (FDP) per 30. Juni zurück, weil er wegzieht. Auch der Gisikoner Gemeinderat Bruno Vogel (FDP) hat seinen Rücktritt angekündigt. Der Vorsteher des Ressorts Umwelt macht zunehmende berufliche Belastung als Grund geltend.

Sein Amt bereits niedergelegt hat der Ebikoner Gemeinderat Ruedi Kaufmann (FDP, Ressort Bildung). Für ihn wurde die Arbeitsbelastung zu gross, er erlitt ein Burn-out. In Ebikon wird am 4. März gewählt. Zur Wahl stehen Ruedi Mazenauer (FDP)und Guido Müller (SVP) (Ausgabe von gestern).

Mit Ausnahme von Amadé Koller treten alle aus Gründen zurück, die mit der Arbeitsbelastung zu tun haben. Zudem arbeiten die Exekutivmitglieder dieser Gemeinden in Kleinpensen von maximal 30 Prozent. Sie alle gehen daneben einem Beruf nach. Wird diese Doppelbelastung vermehrt zu gross?

Reisezeit ist «extrem gewachsen»

Bruno Vogel (51) gibt laut Mitteilung «zunehmende berufliche Belastung, insbesondere in zeitlicher Hinsicht», als Rücktrittsgrund an. Auf Anfrage sagt er, vor allem die Reisezeit sei in den letzten Jahren «extrem gewachsen». «Als Gemeinderat nimmt man Einsitz in diverse Gremien, deren Sitzungsorte im ganzen Kanton Luzern verstreut sind», erklärt Vogel, der seit 2008 der Gisikoner Exekutive angehört. In den ersten vier Jahren seiner Amtszeit sei das Zurücklegen dieser Strecken noch locker machbar gewesen. Der zweite Rücktrittsgrund ist für Bruno Vogel eine neue Verantwortung bei seinem Arbeitgeber: Seit kurzem ist er Partner im Ingenieurbüro ISP & Partner AG. Vogels Nachfolger in Gisikon wird am 29. April gewählt.

In Gisikon haben Gemeinderäte kein festes Pensum. Die 20 bis 30 Prozent seien eher zu viel, da er daneben 80 Prozent arbeite, sagt Vogel auf die Frage, ob Kleinpensen problematisch sind. Trotzdem: «Grundsätzlich verlangt das Amt zeitliche Flexibilität, die ich von meinem Arbeitgeber erhalten habe.» Für andere sei das ein problematischer Punkt, wie er im Gespräch mit potenziellen Nachfolgern feststelle. Trotzdem lohne es sich, da das Amt viele positive und interessante Seiten habe.

Ähnlich sieht es bei Arthur Sigg (51) aus. Wäre das Pensum grösser als die aktuellen 25 Prozent, hätte er sich schon 2010 nicht zur Wahl gestellt. «Man muss schon flexibel sein», sagt auch er, «das Gemeinderatsamt ist kein Abendjob.» Sein Beruf habe ihm diese Flexibilität ermöglicht. Arthur Sigg ist Architekt und Mitinhaber des Architekturbüros Archetage in Baar. Dass er dort durch einen Generationenwechsel in der Geschäftsleitung mehr Verantwortung übernimmt, ist der Grund für seinen Rücktritt. «Ich möchte mich wieder voll auf den Beruf konzentrieren.» Er habe seinen Rücktritt projektbezogen terminiert. Mehrere Projekte, die Sigg betreut, stehen kurz vor dem Abschluss. «Das finde ich sinnvoller, als die Legislatur auslaufen zu lassen.» Die Ersatzwahl in Rothenburg findet am 10. Juni statt. Laut Sigg bedeuten kleine Pensen eine gewisse Unabhängigkeit: «Ein Gemeinderat, der das Amt hauptberuflich ausübt, ist finanziell darauf angewiesen, hat den Job aber nur vier Jahre auf sicher.»

Zuversichtlich, einen Nachfolger zu finden

Auch wenn bei Amadé Koller (61) nicht die Arbeitsbelastung ausschlaggebend war für den Rücktritt, so war sie doch mit ein Grund, sagt er auf Anfrage. «Mit einem definierten Pensum von 17 Prozent – aber weit höherer Präsenzzeit – muss fast jeder nebenbei arbeiten. Das kann schon zur Belastung werden.» Dass die Pensen des dreiköpfigen Gemeinderats aufgestockt werden, damit das Amt hauptberuflich ausgeübt werden kann, liege finanziell nicht drin, so Koller. Die Rontaler Gemeinden arbeiten seit einiger Zeit verstärkt zusammen, was laut Koller gut funktioniert: «Wir können einander unterstützen.» Gleichzeitig bedeute die Kooperation, dass die Gemeinderäte an mehr Sitzungen teilnehmen, was wieder den Einzelnen zeitlich belastet.

In Honau ist es oft schwierig, Gemeinderäte zu finden. Als Bildungsvorsteherin Sandra Linguanti (parteilos) 2016 ihren Rücktritt ankündigte – ebenfalls wegen der hohen Belastung –, fand sich kein gewillter Nachfolger. So organisierte Linguanti ihre Verpflichtungen neu und ist heute noch Gemeinderätin. Da Amadé Koller, der seit 2012 Gemeindepräsident ist, in absehbarer Zeit wegziehen wird, ist es nicht möglich, seine Amtsdauer noch zu verlängern. Sollte sich kein Kandidat finden, wäre dann eine Gemeindefusion eine Lösung? «In diesem Fall würde die Frage nach einer Fusion vermutlich im Raum stehen», so Koller. Man habe das im Rat schon andiskutiert. Seine zwei Kollegen wollen zum jetzigen Zeitpunkt aber weitermachen wie bisher. Koller: «Wir sind zuversichtlich, dass wir einen Nachfolger finden.» Die Ersatzwahl in Honau ist am 10. Juni.

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