REGION LUZERN: Weniger Parkplätze geplant

Gute ÖV- Erschliessung gleich weniger Pflichtparkplätze: Dieses Prinzip wollen die Gemeinden künftig anwenden. Für Grossüberbauungen hat das teils massive Auswirkungen.

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Dank den guten öV-Bedingungen müssen weniger Parkplätze zur Verfügung gestellt werden. (Symbolbild Neue LZ)

Dank den guten öV-Bedingungen müssen weniger Parkplätze zur Verfügung gestellt werden. (Symbolbild Neue LZ)

Der Seetalplatz in Emmenbrücke soll ab 2018 ein neues Gesicht erhalten: Ein neues Stadtzentrum mit 600 Wohnungen und 1000 Arbeitsplätzen ist geplant. Geht es nach dem aktuellen Parkplatzreglement der Gemeinde Emmen, braucht es für diese Überbauung insgesamt 6000 bis 8000 Parkplätze. Das Prinzip des Parkplatzreglements ist einfach: Je mehr Wohnungen, Arbeitsplätze und Verkaufsfläche, desto mehr Parkplätze sind nötig. Dafür gibt es einen festen Berechnungsschlüssel.

Emmen revidiert Reglement

Dass am Seetalplatz tatsächlich 8000 Parkplätze gebaut werden, ist jedoch unwahrscheinlich. Bevor die ersten Baubewilligungen eintreffen, soll nämlich in Emmen ein neues Parkplatzreglement vorliegen. Und dieses sieht vor, dass in Gebieten mit sehr guter Anbindung an den öffentlichen Verkehr die Zahl der Pflichtparkplätze reduziert wird – nach dem Prinzip: Je besser per ÖV erschlossen, desto weniger Parkplätze. Der Seetalplatz, der von mehreren Buslinien angefahren wird und sich in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof Emmenbrücke befindet, würde damit in der tiefsten Parkplatzkategorie angesiedelt. Gemäss ersten Planungen rechnet die Gemeinde deshalb mit lediglich 3000 bis 4000 Parkplätzen (siehe Tabelle).

Eine ähnliche Regelung gilt auch in der Überbauung Mattenhof in Kriens, wo rund 1000 Parkplätze weniger geplant sind, als es das aktuelle Krienser Reglement vorschreibt (Ausgabe vom 17. Oktober). Kriens beruft sich beim Mattenhof auf eine Ausnahmeklausel im aktuellen Reglement, plant aber wie Emmen, dieses grundsätzlich zu überarbeiten. Auch Horw und Ebikon wollen ihre Parkplatzreglemente revidieren. Das Ziel ist überall dasselbe: Die Parkplatzberechnung soll nicht mehr nach starren Vorgaben geschehen, sondern je nach ÖV-Erschliessung unterschiedlich sein. Die Gemeinden erstellten unter der Federführung des Gemeindeverbands LuzernPlus ein Musterreglement. Daran bringen die Gemeinden jeweils noch individuelle Änderungen an.

«Unser Ziel ist es, das neue Parkplatzreglement in Kraft zu setzen, bevor Baubewilligungen für die Überbauung beim Seetalplatz gesprochen werden», sagt der Emmer Bauvorsteher Josef Schmidli (CVP). Zuerst muss das Reglement vom Gemeinderat fertig ausgearbeitet werden, danach befindet der Einwohnerrat darüber. Für Schmidli ist es zentral, dass beim Seetalplatz das neue Reglement angewendet werden kann. «So viele Parkplätze, wie es das aktuelle Reglement ermöglicht, könnten am Seetalplatz gar nicht realisiert werden», sagt Schmidli. Grund: Die hohe Anzahl Parkplätze würde dem Masterplan Luzern Nord des Kantons widersprechen, in dem die Anzahl Fahrten auf dem Gebiet beschränkt ist.

Müssen Bauherren Strafe zahlen?

Was passiert, wenn Baugesuche von der Seetalplatz-Überbauung vor der Änderung des Reglements eingereicht werden? «Dann wird nach dem alten Reglement gerechnet», sagt Schmidli. Das hätte absurde Folgen: Da die verlangten Parkplätze nicht geschaffen werden dürfen, müsste der Bauherr eine Ersatzabgabe zahlen, weil er das Reglement nicht befolgt. Dieses Geld würde zweckgebunden unter anderem für den öffentlichen Verkehr eingesetzt werden. «Wenn ein Projekt im Zentrum realisiert wird, profitiert dieses von guten ÖV-Verbindungen», so der Emmer Bauvorsteher. «Deshalb können die Bauherren vom Gemeinderat jeweils zu einer Ersatzabgabe verpflichtet werden.»

Bei den Emmer Parteien gibt es Unterstützung für die Pläne des Gemeinderats. So sagt Einwohnerrat Christian Blunschi (CVP): «Es macht Sinn, in Zentrumsnähe eine Reduktion der Parkplätze vorzunehmen. Entscheidend ist aber, wie stark die Zahl der Parkplätze dann konkret reduziert werden soll.» Barbara Fas, Fraktionschefin von SP, Grünen und GLP, sagt: «Die Leute sollen in diesen urbanen Zentren vor allem den ÖV benützen.» Für sie ist klar: Eine Anpassung des Reglements ist dringend nötig. Mehr noch: «Vielleicht fordern wir bei genauerer Prüfung gar noch rigorosere Anpassungen. Ich finde auf den ersten Blick 3000 bis 4000 Parkplätze beim Seetalplatz zu viel», so Fas. Die Fraktion der FDP möchte sich noch nicht zu den geplanten Anpassungen äussern, die SVP war gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Die Mall ist nicht betroffen

Auch in den anderen Gemeinden gibt es grosse Bauprojekte. So ist in Ebikon das Einkaufszentrum Mall of Switzerland im Bau. Dort sind rund 1600 Parkplätze geplant – und zwar gemäss dem bisherigen Parkplatzreglement. Wäre das neue Reglement in Ebikon bereits in Kraft, müsste das Einkaufszentrum ebenfalls mit deutlich weniger Parkplätzen auskommen. Die Mall of Switzerland wird also vergleichsweise viele Parkplätze anbieten.

Dennoch ist auch dort das Ziel, nicht zu viel Autoverkehr zu generieren. So ist ein Fahrtenmodell geplant, das die Zahl der zulässigen Fahrten auf maximal 8280 pro Tag beschränkt. «In diesem System ist die Zahl der Parkplätze zweitrangig, entscheidend sind die Fahrten», erklärt der Ebikoner Bauvorsteher Peter Schärli.

Raphael Gutzwiller