REGION LUZERN: Wettrüsten bei Handyantennen

In der Region werden zurzeit viele alte Mobilfunkantennen ausgebaut. Das Aufrüsten wird in absehbarer Zeit nicht abnehmen.

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Immer öfter Grund für Einsprachen: Handyantennen. (Bild: Keystone)

Immer öfter Grund für Einsprachen: Handyantennen. (Bild: Keystone)

Beatrice Vogel

Mobiles Surfen via Smartphone und Tablet überall und zu jeder Zeit gehört heute zu jedermanns Alltag. Der Kunde erwartet von Mobilfunkanbietern ein flächendeckendes und schnelles Netz. Um dies zu gewährleisten, müssen nicht nur neue Mobilfunkantennen gebaut, sondern auch alte aufgerüstet werden.

In fast allen grossen Gemeinden der Region Luzern lagen vor kurzem oder liegen derzeit Baugesuche für den Ausbau von bestehenden Antennen auf: an der Obergrundstrasse 109 in der Stadt Luzern (Sunrise), an der Kaspar-Kopp-Strasse 113 in Ebikon (Swisscom), auf der Pilatus-Bahn-Talstation am Schlossweg 1 in Kriens (Salt, ehemals Orange) und an der Rothenburgstrasse 51 in Emmen (Swisscom).

Dies wirft die Frage auf, ob Mobilfunkanbieter vermehrt darauf setzen, alte Anlagen zu erneuern, da es aufgrund des Widerstandes durch Anwohner schwieriger wird, neue Antennen aufzustellen. Nein, sagt Elvira Bruggmann, Mediensprecherin von Salt, das könne man nicht so allgemein sagen. «Je nach Region und Bedarf an Kapazität handelt es sich um einen Mix zwischen Ausbau bestehender und dem Bau neuer Anlagen.» Für Mobilfunkanbieter ist Technologie wettbewerbsentscheidend, sagt Christian Neuhaus, Mediensprecher der Swisscom AG. Das bedeutet: Wer mithalten will, muss nachrüsten.

Neue Technologien

Bei den Baugesuchen handelt es sich um eine Aufrüstung auf neue Technologien, etwa auf LTE (Long Term Evolution) bei Sunrise. LTE ist die Mobilfunktechnologie der vierten Generation (4G). Sie ermöglicht hohe Datenübertragungsgeschwindigkeiten für den mobilen Internetzugang. Markus Werner, Mediensprecher von Sunrise: «Das Datenvolumen auf dem Mobilfunknetz verdoppelt sich jedes Jahr. Die Netze müssen daher laufend optimiert und ausgebaut werden, um mit dem rasanten Wachstum Schritt zu halten.» Dabei müssen sie dort ausgebaut werden, wo die Kunden den Dienst nutzen, also entlang von Verkehrsachsen, in Wohngebieten und in Gewerbezonen, so Werner. Sunrise will bis Ende Jahr 95 Prozent ihres Netzes auf 4G-Dienste aufrüsten. In Kriens ist ein Ausbau mit UMTS-Antennen (Universal Mobile Telecommunications System, 3G) geplant.

Widerstand in der Bevölkerung

Obwohl das schnelle Netz von den Nutzern gewünscht wird, stossen Baugesuche für Antennen des Öftern auf Widerstand. Sowohl in Emmen als auch in Kriens und Luzern gibt es eine politische Debatte darüber. Kriens hat mit dem Kaskadenmodell bereits ein Instrument eingeführt, mit dem die Standorte für Antennen priorisiert werden. Auch in Emmen will man das Kaskadenmodell einführen (Ausgabe vom 18. Mai). In Kriens sind dennoch Einsprachen gegen den Ausbau der bestehenden Mobilfunkantenne der Firma Salt auf der Pilatus-Bahn-Talstation eingegangen, wie Gemeindeammann Matthias Senn (FDP) sagt. «Bei Mobilfunkantennen ist es die Regel, dass Einsprachen eingehen.»

Geschichtsträchtige Antenne

Bei der Antenne auf der Talstation der Pilatus-Bahn handelt es sich um ein geschichtsträchtiges Exemplar: Bereits 2005 wollte der Mobilfunkanbieter Orange die Antenne aufrüsten und löste damit eine Kettenreaktion aus. Das Komitee gegen Hochleistungsantennen (KGHA) wurde gegründet und zwei Initiativen gegen Handyantennen in Wohnquartieren lanciert. Die erste wurde vom Volk angenommen, vom Luzerner Regierungsrat aber wieder aufgehoben. Die zweite wurde schliesslich vom Bundesgericht für ungültig erklärt. Der Streit dauerte Jahre und führte dazu, dass die Gemeinde Kriens das Kaskadenmodell einführte. Wie Gemeindeammann Senn erklärt, wollte Salt nun eigentlich eine Antenne an der Gehri­strasse, 150 Meter oberhalb der Talstation, in einem Wohnquartier bauen. «Weil dies dem Kaskadenmodell und dem Verfahren der Standortkoordination widerspricht, haben wir da interveniert», so Senn. Deshalb möchte Salt nun die bestehende Antenne auf der Pilatus-Bahn-Talstation ausbauen.

Keine Einsprachen in Emmen

Gegen den Ausbau der Antenne an der Rothenburgstrasse 51 in Emmen sind keine Einsprachen eingegangen, wie bei der Gemeindeverwaltung zu erfahren ist. Bei den Gesuchen in Luzern und Ebikon sind die Auflagefristen noch nicht abgelaufen.

In absehbarer Zeit wird der Ausbau des Mobilfunknetzes in der Schweiz weitergehen. Christian Neuhaus von Swisscom: «Zur Erschliessung unzureichend versorgter Gebiete, aber auch zur Schaffung zusätzlicher Kapazität, werden weiterhin auch neue Mobilfunkstandorte geplant.»