REGION: Mit der Ambulanz ins Spital: Preise gehen weit auseinander

Während in Luzern der Einsatz mit der Ambulanz pauschal 900 Franken kostet, beträgt die Grundtaxe in Zug 500 Franken. Geht es nach dem Verband für Rettungswesen, soll mit den unterschiedlichen Gebühren bald Schluss sein.

Yasmin Kunz
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14 982 Mal rückte der Rettungsdienst des Luzerner Kantonsspitals im vergangenen Jahr aus. So oft wie noch nie. (Bild: Corinne Glanzmann (Luzern, 14. Dezember 2015))

14 982 Mal rückte der Rettungsdienst des Luzerner Kantonsspitals im vergangenen Jahr aus. So oft wie noch nie. (Bild: Corinne Glanzmann (Luzern, 14. Dezember 2015))

Yasmin Kunz

yasmin.kunz@luzernerzeitung.ch

Autounfälle, Herzinfarkte, allergische Reaktionen: Ist ein Mensch in Lebensgefahr, rückt in der Regel die Ambulanz aus. 14 982 Einsätze des Rettungsdienstes zählte das Luzerner Kantonsspital (Luks) im vergangenen Jahr. Das sind pro Tag im Schnitt 40 Einsätze. So viel wie noch nie. In diese Statistik fallen allerdings auch Transporte von einem in ein anderes Spital – sogenannte Sekundäreinsätze. Im Vorjahr waren es genau 300 Einsätze weniger, und 2012 registrierte das Luks noch 12870 Rettungseinsätze.

Für diesen stetigen Anstieg gibt es Gründe, wie Luks-Sprecherin Ramona Helfenberger, sagt: «Einerseits liegt es an der demografischen Entwicklung. Die Bevölkerung im Kanton Luzern wächst, und die Menschen werden älter. Und je älter sie werden, desto wahrscheinlicher sind gesundheitliche Probleme.» Andererseits nehme das Bewusstsein der Bevölkerung im medizinischen Bereich zu. «Heute ist man beispielsweise sensibilisierter auf Anzeichen, die auf einen Herzinfarkt hindeuten könnten und alarmiert den Rettungsdienst frühzeitig.»

Eine ähnliche Entwicklung der Einsatzzahlen weist auch der Rettungsdienst im Kanton Zug auf. Rückte er vor fünf Jahren 4292 Mal aus, waren es im vergangenen Jahr mit 4912 deutlich mehr. Ein Blick nach Obwalden zeigt ein vergleichbares Bild: Waren die zwei Rettungswagen vor fünf Jahren 1178 Mal im Einsatz, zählte das Obwaldner Kantonsspital im vergangenen Jahr 1477 Einsätze.

Luzern: Zusatzkosten fallen ab 100 Kilometer an

So analog diese Entwicklung der Einsätze bei den kantonalen Rettungsdiensten ist, so unterschiedlich ist die Struktur der Tarife. Ein Beispiel: Beim Luzerner Kantonsspital und beim Kantonsspital Obwalden kostet die Fahrt bei einem Primäreinsatz – vom Unfallort bis ins Spital – bis zu 100 Kilometer mit der Ambulanz 900 Franken. Wird also ein Patient in Luthern-Bad abgeholt und einer im Schlossberg in der Stadt Luzern, so zahlen beide Patienten pauschal 900 Franken. «In dieser Grundpauschale sind unter anderem die 100 Kilometer und alle Zeitkomponenten, die den Einsatz betreffen, enthalten. Das heisst: Ist der Rettungswagen in Luzern besetzt, fallen für den Patienten keine zusätzlichen Kosten an, wenn die Ambulanz in einem solchen Fall dann aus Wolhusen oder Sursee kommt», sagt Helfenberger.

Ab 100 Kilometer zahlt man beim Rettungsdienst in Luzern und im Kanton Obwalden für jeden zusätzlichen Kilometer sechs Franken. Nicht eingeschlossen in der Grundpauschale seien Kosten für teure Medikamente oder den Einsatz des Notarztes, fügt Helfenberger an. Nicht bei jeder Fahrt ist per se ein Notarzt dabei. Der Einsatz des Notarztes hängt vom gesundheitlichen Zustand des Patienten ab. Klar ist: Per April 2016 hat das Luks die Tarifstruktur neu angepasst. Seither sind Primäreinsätze teurer und Sekundäreinsätze billiger geworden, wie Helfenberger bestätigt. Bei den angepassten Tarifen stünden neu medizinische Leistungen und effektive Einsatzkosten im Zentrum, nicht mehr Kriterien wie gefahrene Kilometer und benötigte Zeit zum Einsatzort.

Zug: Rettungsdienst kostet am Sonntag mehr

Anders werden die Preise für die Ambulanz im Kanton Zug berechnet. Für einen Primäreinsatz gilt eine Grundtaxe von 500 Franken. Diese Taxe beinhaltet unter anderem die medizinische Versorgung, die erste Arbeitsstunde der Besatzung, die Einsatzdisposition und die Infrastrukturkosten. Die Kosten würden allerdings von der Komplexität des Einsatzes abhängen, wie Andreas Meyerhans, stellvertretender Generalsekretär der Gesundheitsdirektion des Kantons Zug, sagt. Wenn der Einsatz länger als eine Stunde dauert, wird ein Zuschlag von 35 Franken pro angebrochene Viertelstunde und pro Besatzungsmitglied berechnet. Die Besatzung im Rettungswagen besteht aus zwei Rettungssanitätern. Bei Bedarf rückt ein Anästhesist in einem separaten Fahrzeug aus. Meyerhans macht ein Beispiel: «Bei einem Notfall tagsüber in der Stadt Zug, wobei der Einsatz etwas über eine Stunde dauert, die Verletzungen eher einfach sind und der Patient ins Zuger Kantonsspital transportiert wird, belaufen sich die Rettungskosten auf knapp 800 Franken.» 150 Franken teurer wird der Transport mit der Ambulanz nachts sowie an Sonn- und Feiertagen. Bei einem Sekundäreinsatz gilt im Kanton Zug eine Grundtaxe von 250 Franken. Beim Zuger Rettungsdienst gibt es keine Pauschale betreffend Kilometer wie in Luzern. In Zug zahlen Patienten zusätzlich zur Grundtaxe pro Kilometer drei Franken.

Stellt sich die Frage, was an der Ambulanz so teuer ist? Luks-Sprecherin Ramona Helfenberger: «Die medizinischen Behandlungen der Patienten vor Ort ist auf einem sehr hohen Niveau.» Dafür benötigt die Ambulanz eine spezielle Ausstattung. Und der Rettungsdienst steht 24 Stunden und sieben Tage die Woche zur Verfügung. Das sei eine sogenannte Vorhalteleistung, die entsprechend vergütet werden müsse. Die Kosten der Rettungsdienste werden je nach Kanton von unterschiedlichen Stellen festgehalten. Im Kanton Luzern sind es die Leistungserbringer, also das Spital selbst, welches die Tarife bestimmt. In den Kantonen Obwalden und Zug liegt die Hoheit der Tarifbestimmung bei der Regierung. Dies ist der Grund, dass es keine einheitliche Regelung der Rettungsdienstgebühren gibt.

Verband ist mit der Situation unzufrieden

Marcel Schättin, stellvertretender Direktor vom Interverband für Rettungswesen, kann nachvollziehen, dass die uneinheitliche Tarifstruktur Betroffene verärgern kann. «Es ist sehr verwirrend.» Auch für den Verband sei diese Situation unbefriedigend, wie Schättin sagt. Darum versucht er seit Jahren, auf Bundesebene die Gesetzgebung zu korrigieren. So will der Verband erreichen, dass die Krankenkassen statt 50 Prozent der Transportkosten 90 Prozent übernehmen. Die Rettungskosten wiederum sollen vollumfänglich übernommen werden (siehe Kasten). «Diese Lösung wäre fairer, und ich bin zuversichtlich, dass eine Veränderung kommen wird.»