REGION: Neue Güsel-Ära ist eingeläutet

Seit dem neuen Jahr zeichnet Real für die Abfallentsorgung verantwortlich. Die erste Bilanz ist positiv – noch halten sich aber nicht alle Kunden an die neuen Regeln.

Dave Schläpfer
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Seit Neujahr im Einsatz: einer der neuen Real-Güselwagen gestern auf Tour in der Region Luzern. (Bild Nadia Schärli)

Seit Neujahr im Einsatz: einer der neuen Real-Güselwagen gestern auf Tour in der Region Luzern. (Bild Nadia Schärli)

«Wir können zufrieden sein», sagt Martin Zumstein, Vorsitzender der Geschäftsleitung von Real (Recycling Energie Abwasser Luzern). Vor zehn Tagen hat der Gemeindeverband die gesamte Entsorgung von Abfall, Papier, Karton und Grünabfällen in den Luzerner Agglomerations- und Seegemeinden übernommen. Total handelt es sich um 21 Gemeinden – in Luzern sammelt nach wie vor das Strasseninspektorat.

Technik versagte in Udligenswil

Der Systemwechsel sei insgesamt gut über die Bühne gegangen, so Zumstein: «Gerade zumal die Umstellung auf das neue Jahr hin uns natürlich vor besondere Herausforderungen gestellt hat.» Denn an den ersten Abfuhrtagen nach den Feiertagen falle mehr als doppelt so viel Abfall an wie üblich. «Das war ein guter Leistungstest.» Die Sache nicht einfacher gemacht habe der Umstand, dass es bei der Abfallsammlung in Udligenswil zu technischen Problemen gekommen sei: «Das führte dazu, dass der Abfall nicht überall am gleichen Tag eingesammelt wurde.» Zunächst seien Real zudem auch gewisse Spezialabkommen mit Kunden nicht bekannt gewesen. «Letztlich konnten wir das meiste mit etwas Improvisation, etwa Spezialtouren am Abend, managen.»

Abfalltelefon läuft heiss

Allgemein habe die Umstellung, mit der eine teilweise Änderung der Abfuhrtage und -zeiten einhergeht, bei Teilen der Bevölkerung zu Unsicherheiten geführt. So seien bis jetzt über 900 Anrufe bei Real eingegangen. «Für Fragen und Rückmeldungen haben wir ein kostenloses Abfalltelefon eingerichtet.» Die Einführung einer professionellen Hotline habe sich bewährt; das Angebot werde auch künftig beibehalten. «Positiv daran ist auch, dass wir durch die Auswertung der Rückmeldungen wissen, wo die Brennpunkte liegen, und entsprechend reagieren können.»

Analysieren und optimieren: So lautet generell die Stossrichtung, die sich Martin Zumstein mit dem neuen Regime zum Ziel gesetzt hat. Sein Büro hat der ehemalige Leiter der Amts für Umweltschutz des Kantons Schwyz an der Reussegg­strasse in Emmenbrücke. Hier steht auch die ebenfalls von Real betriebene Kehrichtverbrennungsanlage (KVA) Ibach. Zumstein spricht von einer «Tower-Funktion», die er und sein achtköpfiges Team in der Abfallwirtschaft ausüben. Davon zeugt auch ein Blick in die Leitstelle, wo an drei Arbeitsplätzen mit jeweils zwei Computermonitoren gearbeitet wird: «Von hier aus können wir die exakte Position unserer 14 Sammelfahrzeuge in Echtzeit nachverfolgen.» Auch weitere relevante Daten wie etwa die Füllmenge und die geleerten Container würden laufend übermittelt – «ein Novum in der Schweiz».

Effizienter, komfortabler, sicherer

Zumstein ist stolz auf die neue Flotte, die 5,5 Millionen Franken gekostet hat und im gleichen Hellblau wie die Real-Güselsäcke daherkommt: «Früher wendeten die Fahrzeuge an den Gemeindegrenzen und kamen oftmals mit nur halb voller Ladung bei der KVA an – jetzt können wir das ganze Ladevermögen von über 10 Tonnen ausnutzen.» Die Niederflurkabine sorge zudem nicht nur für mehr Komfort, sondern auch für mehr Sicherheit: «Der Chauffeur hat so eine viel bessere Sicht auf Fussgänger und Velofahrer.» Durch die neuen Güselwagen und weitere Verbesserungen will Real gegenüber dem früheren Modell über 4 Millionen Franken einsparen.

Damit alles rund läuft, soll auch die Bevölkerung ihren Anteil leisten. Zum­stein erklärt: «Wenn es ums Konsumieren geht, betreiben viele Leute einen grossen Aufwand, setzen sich ins Auto und schleppen Einkäufe – die gleiche Selbstverständlichkeit sollte auch gelten, wenn es später um die Entsorgung geht.»

Durch die korrekte Bereitstellung des Abfalls könnten die Kunden den Real-Angestellten sehr viel unnötige Arbeit ersparen. «Bisher herrschte in den Gemeinden eine unterschiedliche Praxis, das wollen wir vereinheitlichen.» Auch seien teilweise beide Augen zugedrückt worden: «Wir haben nicht vor, das zu tolerieren.» Will heissen: «Wird nicht ordnungsgemäss bereitgestellt, lassen wir fortan die Ware mit einem Hinweis, wie es richtig gemacht werden müsste, stehen. Das werden wir konsequent so handhaben.» Folgendes sei zu beachten:

  • Güsel wird nur in den blauen Gebührensäcken oder in Gewichtscontainern mit Datenchip mitgenommen. Schwarze Säcke mit Sperrgutmarken sind nicht zulässig.
  • Karton: nicht mehr lose, sondern zusammengefaltet und gebündelt respektive im Kartoncontainer. Styropor und andere Fremdstoffe entfernen.
  • Papier: nicht lose in Schachteln oder Tragtaschen, sondern gebündelt oder im braunen Container.
  • Grüngut gehört in den grünen Container respektive in verrottbare Säcke. Äste sind zu bündeln. Die kleinen grünen Plastikkübeli werden ausserhalb der Stadt Luzern nicht mehr geleert. Laubsäcke dürfen nicht mehr benutzt werden, weil sie vielfach das von der Suva erlaubte Gewicht überschreiten und es beim Entleeren zu gesundheitsschädigenden Staubaufwirbelungen kommt.

 

HINWEIS
Infos: www.real-luzern.ch, Gratis-Abfalltelefon 0800 22 32 55, verschickte Abfallkalender