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REGION: Spielgruppen verlieren Kinder

Die Einführung des zweiten Kindergartenjahres konkurriert die vorschulischen Betreuungsangebote. Diese setzen nun auf noch jüngere Kundschaft.
Stefan Dähler
In Spielgruppen werden künftig vermehrt jüngere Kinder spielen, da man neu überall ab 4 Jahren den Kindergarten besuchen darf. (Bild Manuela Jans-Koch)

In Spielgruppen werden künftig vermehrt jüngere Kinder spielen, da man neu überall ab 4 Jahren den Kindergarten besuchen darf. (Bild Manuela Jans-Koch)

Stefan Dähler

Ab dem nächsten Schuljahr müssen alle Luzerner Gemeinden das freiwillige zweite Kindergartenjahr anbieten. Das sieht das kantonale Gesetz über die Volksschulbildung vor. Das Angebot bereits länger eingeführt haben die Stadt und Meggen, letzten Sommer folgten Ebikon, Horw sowie teilweise Kriens. Emmen und Adligenswil führen es diesen Sommer ein. «Mit vier Jahren darf man kommen, mit fünf muss man», sagt Charles Vincent, Leiter der kantonalen Dienststelle Volksschulbildung.

Nur halb so viele Anmeldungen

Derzeit besuchen 42 Prozent der Kinder im Kanton Luzern das freiwillige zweite Jahr, inklusive Basisstufe sind es 52 Prozent. «Wir rechnen nächstes Schuljahr mit einem Anstieg auf 75 bis 80 Prozent», sagt Vincent. Zu spüren kriegen dies die Spielgruppen. «Im Vergleich zu heute haben sich nur halb so viele Kinder für das nächste Halbjahr angemeldet», sagt Elsbeth Gutzwiller, Leiterin bei der Waldspielgruppe Fliegenpilz in Adligenswil. Der Vorteil des Kindergartens: dieser kostet die Eltern nichts. Der Besuch einer Spielgruppe dagegen kostet monatlich zwischen 80 und 110 Franken – wobei teils halbjährlich oder jährlich abgerechnet wird. Pro Woche wird das Kind je nach Gruppe jeweils zwischen 3 und 6 Stunden betreut.

Auch Corinne Martin von der Spielgruppe Windrädli in Emmenbrücke verzeichnet nur noch halb so viele Anmeldungen. Dennoch befürwortet sie den zweijährigen Kindergarten. «Vor allem für fremdsprachige Kinder ist das sehr gut.» Sie rechnet jedoch damit, dass die Situation für Spielgruppen in den nächsten Jahren schwierig bleibt.

Pendeln sich Zahlen ein?

Nicht alle Gruppen sind so stark betroffen. Bei den «Schnägge» Adligenswil seien die Zahlen stabil, meint Leiterin Amanda Lehmann-Heer. Das gelte auch für die Spielgruppe im Heinrich-Walther-Haus in Kriens, sagt deren Leiterin Nicole Bühlmann.

Werden Spielgruppen künftig also weniger ausgelastet sein? Charles Vincent schätzt die Lage folgendermassen ein: «In einer Übergangszeit kann es sein, dass die Zahl der Kinder in Spielgruppen abnimmt. In anderen Kantonen sieht man aber, dass diese früher in die Spielgruppe gehen und sich die Zahlen wieder einpendeln. Die Kinder sind dann einfach etwas jünger.»

Amanda Lehmann-Heer war vor ihrer Zeit in Adligenswil bereits in Spielgruppen in Luzern sowie Meggen tätig und hat dort die Einführung des zweijährigen Kindergartens miterlebt. Sie bestätigt Vincents Einschätzung. «Es kam zu einem Rückgang, aber nach ein bis zwei Jahren haben sich die Zahlen wieder erholt. Wir haben aber auch reagiert, indem wir jüngere Kinder aufgenommen haben.» Bei der Spielgruppe St. Karl in Luzern dagegen sei der Rückgang noch heute spürbar, sagt eine Leiterin. Nach der flächendeckenden Einführung 2013 seien die Zahlen um 15 bis 20 Prozent zurückgegangen. Auch hier kämen heute bereits 3-jährige Kinder in die Spielgruppe, zuvor seien sie 4 Jahre alt gewesen.

Sprachförderung in Spielgruppe

Laut Vincent dürften Spielgruppen mittelfristig aber an Bedeutung gewinnen. «Ab 1. August 2018 kann in den Gemeinden die frühe Sprachförderung eingeführt werden», sagt Vincent. Die Referendumsfrist läuft in wenigen Tagen ab, Widerstand hat niemand angekündigt. «Sie richtet sich vor allem an fremdsprachige Kinder oder andere, die Mühe mit der Sprache haben. Die Förderung soll vor allem in Spielgruppen umgesetzt werden.» Die Gemeinden können diese freiwillig anbieten, der Kanton beteiligt sich an den Kosten. Der Regierungsrat wollte gar die Möglichkeit schaffen, Eltern dazu zu verpflichten, ihre Kinder in die Sprachförderung zu schicken. Der Kantonsrat lehnte dies jedoch ab (Ausgabe vom 26. Januar).

Laut Nicole Bühlmann wird sich der Charakter der Spielgruppen aufgrund des zweiten Kindergartenjahres stark verändern. «Es gibt zunehmend Anfragen von Eltern mit jüngeren Kindern unter 3 Jahren», sagt sie. «Wir müssen uns Gedanken machen. Künftig wird es weniger grössere Kinder und mehr kleinere geben.» Dies wirke sich auf das spielerische Angebot, aber auch auf das Betreuungsverhältnis aus. «Heute reicht eine Leiterin für 8 bis 12 Kinder. Bei jüngeren Kindern braucht es künftig wohl zwei Leiterinnen für diese Anzahl.» Die Sprachförderung dürfte diesen Trend noch verstärken – sofern die Gemeinden bereit sind, diese zu finanzieren. «Man muss dann gezielter einzelne Kinder fördern», sagt Bühlmann.

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