REGION: Wie viel Schnee darfs denn sein?

Die Krienser SP fordert, dass der Winterdienst Velo- und Fusswege räumen soll, statt sie mit Splitt zu bestreuen. Bei den Werkdiensten der Gemeinden gehen die Meinungen zum Thema auseinander.

Oliver Schneider
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In Kriens sollen Velo- und Fusswege im Winter geräumt, statt mit Splitt bestreut werden. Das fordert die Krienser SP. (Bild: Eveline Bachmann)

In Kriens sollen Velo- und Fusswege im Winter geräumt, statt mit Splitt bestreut werden. Das fordert die Krienser SP. (Bild: Eveline Bachmann)

Oliver Schneider

region@luzernerzeitung.ch

Um die Sicherheit der Motorfahrzeuge zu gewährleisten, wird das Strassennetz in Kriens praktisch täglich mittels Auftausalz schwarzgeräumt. Diese Schwarzräumung erfolge jedoch nicht auf den Trottoirs und den Velowegen, kritisiert Nicole Nyfeler (SP). Die Einwohnerrätin hat darum ein Postulat eingereicht: Der Gemeinderat soll prüfen, wie der Winterdienst auf den Velo- und Fusswegen im Siedlungsgebiet optimiert werden kann.

Durch die Schneeräumung der Strassen werde derzeit oftmals sogar Schnee auf die Trottoirs geschoben. Dadurch seien Fussgängerwege teils nur erschwert passierbar. Die Trottoirs und Velowege in Kriens dagegen würden nur einmal vom Schnee geräumt und anschliessend mit Splitt bestreut, so Nyfeler. Dieser Umstand beeinträchtige vor allem Menschen mit Behinderungen und Betagte, die auf einen Rollstuhl oder einen Rollator angewiesen sind. Der gestreute Splitt, der eigentlich die Rutschglätte nehmen sollte, sei für Rollstuhlfahrende eine zusätzliche Erschwernis, da dadurch der Rollwiderstand erhöht werde.

«Splitt ist schädlicher als Salz»

Die Gemeinde Kriens nimmt aufgrund des hängigen Postulats noch keine Stellung. Doch auch in den anderen Agglomerationsgemeinden ist das Problem bekannt. Eine klare Haltung hat Alois Camenzind, Leiter des Werkdiensts Ebikon. «Splitt ist schädlicher als Salz», sagt er. Dieser verstopfe die Einlaufschächte, die mit einem hohen finanziellen Aufwand wieder durchgespült werden müssten. Klar sei auf der anderen Seite, dass Salz für die Pflanzen nicht optimal ist. «Beim Salzen gilt aber die Devise: so viel wie nötig, so wenig wie möglich», sagt Camenzind. Über die Schwierigkeiten, welche der Splitt beispielsweise für betagte Menschen mit einem Rollator mit sich bringt, ist sich Camenzind durchaus im Klaren. «Aus diesem Grund werden Bereiche um Altersheime mit Hilfe von Streusalz immer komplett schwarzgeräumt.»

Die Gemeinde Emmen geht ähnlich vor: «Unser Winterdienst benutzt tendenziell mehr Salz als Splitt», sagt Armin Renggli, Teamleiter des Werkdiensts. In der Nähe von Altersheimen werde aber einfach ein etwas feinerer Splitt gestreut. Dieser ermögliche es, sich auch mit einem Rollator oder einem Rollstuhl ungehindert fortzubewegen.

Früher war Salz verpönt

«Auch in Horw werden die Strassen und Trottoirs wenn möglich immer gleichzeitig schwarzgeräumt», sagt Peter Gauch, Leiter der Werkdienste Horw. Den Einsatz von Splitt auf Trottoirs betrachtet er jedoch als unproblematisch. Auf den Strassen dagegen sei der Einsatz von Splitt aber unmöglich. «Die Autos verdrängen den Kies sofort an die Strassenränder, wo er nutzlos liegen bleibt», sagt Gauch. «Im Frühling wird der Splitt dann zu Sondermüll und ist nicht mehr zu gebrauchen.» Durch die Abnutzung im Winter werden die ursprünglich kantigen Steine rund, weshalb sie nicht ein zweites Mal eingesetzt werden können und in einer Sonderdeponie landen.

Übrigens: Vor 20 Jahren sei Salzen für eine Zeit lang aufgrund der Umweltschädlichkeit verpönt gewesen, so Gauch. Heute verfügten die Werkdienste aber über Streumaschinen mit einer hochkomplexen Technik, die es erlaube, die Menge und den Streuwinkel exakt einzugeben. Dadurch könne der Einfluss auf die Pflanzen auf ein Minimum reduziert werden.