REGION: Wohin mit den vielen Asylbewerbern?

Wegen massiv überbelegter Asylzentren zwingt der Kanton 67 Gemeinden dazu, mehr Asylbewerber aufzunehmen. Während einige bereits Lösungen im Auge haben, sind andere ratlos.

Benno Mattli und Luca Merlo
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Das Asylzentrum Hirschpark in Luzern ist massiv überbelegt. (Bild Pius Amrein)

Das Asylzentrum Hirschpark in Luzern ist massiv überbelegt. (Bild Pius Amrein)

Der Kanton Luzern hat ein Problem: Die Zahl der Asylgesuche steigt unaufhörlich, und die beiden vom Kanton geführten Asylzentren Sonnenhof in Emmenbrücke und Hirschpark in Luzern sind massiv überbelegt. Nun verpflichtet die Regierung 67 Gemeinden mittels eines Zuweisungsentscheids, zusätzliche Unterkunftsplätze zu schaffen (siehe Tabelle und Ausgabe vom 2. September). Die Gemeinden haben zehn Wochen Zeit, um genügend Wohnraum für die Asylbewerber anzubieten. Wir haben die betroffenen Gemeinden in der Region Luzern gefragt, wie sie dieses Problem lösen wollen.

Adligenswil

Die Gemeinde hat laut Sozialvorsteher Pascal Ludin zwei, drei Mietobjekte im Auge. «Momentan stehen wir mit den Eigentümern in Verhandlung. Bis Ende Woche sollten wir eine Rückmeldung bekommen.» Um welche Mietobjekte es sich handelt, will Ludin nicht verraten. «Zuerst müssen die Verträge unterzeichnet und die Nachbarn informiert sein.»

Buchrain

Die Gemeinde weiss derzeit nicht, wo sie die zusätzlichen Asylbewerber unterbringen soll. Laut Gemeindepräsidentin Käthy Ruckli stellt dies eine «grosse Herausforderung» dar, da Buchrain momentan keine freien gemeindeeigenen Wohnungen habe. «Wir werden im Gemeinderat aber bemüht sein, Lösungen zu finden.»

Dierikon

Für die Gemeinde gibt es laut Gemeindepräsident Hans Burri verschiedenen Optionen: die Unterbringung der Asylbewerber in Privatwohnungen, die Zusammenarbeit mit umliegenden Gemeinden oder das Aufstellen von Containern. «All diese Optionen werden wir nun genauer abklären.»

Ebikon

Die Gemeinde klärt laut Gemeindepräsident Daniel Gasser mehrere Möglichkeiten ab: die Unterbringung der Asylbewerber in Privatliegenschaften, in einer Zivilschutzanlage oder in Containern. Im Zusammenhang mit der ersten Möglichkeit bittet die Gemeinde die Bevölkerung, ihr geeignete Liegenschaften zu melden.

Gisikon

Gemäss Gemeindepräsident Alois Muri wird es «relativ schwierig», die fehlenden Plätze innerhalb der vorgegebenen Frist zu schaffen. «Wir haben momentan keinen Raum, den wir so kurzfristig zur Verfügung stellen können.» Aber der Gemeinderat werde im Verlauf dieser Woche diesbezüglich erste konkrete Gespräche führen.

Honau

Die kleine Gemeinde Honau besitzt keine eigenen Liegenschaften, die als Asylunterkünfte genutzt werden könnten. Zurzeit stehen laut Gemeindepräsident Amadé Koller lediglich «Denkansätze» im Raum. «Eine Variante wäre eine Zusammenarbeit mit Nachbargemeinden.» Weiter werde geprüft, ob eventuell in gewissen Einfamilienhäusern mit Einliegerwohnungen Abhilfe geschaffen werden könne. Das weitere Vorgehen sei noch völlig offen, so Koller.

Horw

Laut Sozialvorsteher Oskar Mathis haben «alle Departementsleitungen den Auftrag erhalten, Platzierungsmöglichkeiten in der Gemeinde abzuklären». Die Ergebnisse und das weitere Vorgehen werden am Donnerstag in der Gemeinderatssitzung besprochen.

Luzern

Die Stadt will sich noch nicht in die Karten blicken lassen. Sozialdirektor Martin Merki teilt lediglich mit: «Die Stadt Luzern prüft verschiedene Objekte auf ihre kurz- und mittelfristige Realisierbarkeit und steht im Austausch mit dem kantonalen Asylkoordinator.» Damit bleibt auch die Frage offen, ob die Zivilschutzanlage Eichhof wieder als Unterbringungsort für Asylbewerber genutzt werden könnte.

Malters

Gemeindeschreiber Reto Wermelinger informiert, dass Malters bis jetzt keinen Zuweisungsentscheid des Kantons erhalten habe. «Sobald wir einen konkreten Bericht des Kantons haben, werden wir über das weitere Vorgehen entscheiden», so Wermelinger. Vorerst seien deshalb keine Massnahmen geplant.

Meggen

Da die Gemeinde über keinen Wohnraum verfügt, stehen gemäss Gemeindepräsident Urs Brücker zwei Möglichkeiten zur Debatte. «Einerseits prüfen wir die Variante Containerlösung», andererseits kläre man mit dem Kanton die Unterbringung in Zivilschutzanlagen ab. Die gegebene Frist ist gemäss Brücker aber «sehr knapp», da im Zuge der Umsetzung mit «baurechtlichen Problematiken» zu rechnen sei.

Root

Die Gemeinde sieht vor, «mit den Vermietern im Dorf Kontakt aufzunehmen» und zu prüfen, ob und wie viel Wohnraum zur Verfügung gestellt werden könnte, so Gemeindepräsident Heinz Schumacher. Jedoch sei die Wohnungssituation derzeit «angespannt».

Rothenburg

Die Gemeinde hat auf ihrer Webseite einen Aufruf platziert: Bürger, die über freien Wohnraum verfügen, sollen diesen nach Möglichkeit Asylbewerbern zur Verfügung stellen. Laut Christina Widmer-Meier, Leiterin der Abteilung Soziales, seien bis anhin jedoch noch keine Hinweise eingegangen. Rothenburg halte zudem «Augen und Ohren bezüglich Zwischennutzungen offen».

Udligenswil

Sozialvorsteherin Rita Rigert-Meyer stellt fest, «dass unsere Listen der Einwohnerkontrolle nicht mit denjenigen der Caritas übereinstimmen». Gemäss Zahlen der Gemeinde hat Udligenswil heute bereits fünf und nicht zwei Asylbewerber aufgenommen. Bevor ein weiteres Vorgehen geplant werde, müsse man die Listen abgleichen. Auf jeden Fall könnte die Gemeinde im bereits bestehenden Pavillon noch drei zusätzliche Plätze zur Verfügung stellen.

Nicht betroffen vom Zuweisungsentscheid des Kantons sind Emmen, Kriens und Meierskappel. Denn Emmen und Meierskappel hatten per 31. Juli 2014 (Stichtag) mehr Asylbewerber untergebracht als verlangt, und Kriens ist ein Sonderfall, da dort im Sommer 2015 im Gebiet Grosshof ein Asylzentrum mit 120 Plätzen eröffnet werden soll. Dass gerade in der Stadt und Agglomeration derart viele Asylplätze fehlen, liegt laut dem kantonalen Gesundheits- und Sozialdepartement unter anderem daran, dass der Leerwohnungsbestand im günstigen Segment hier «besonders tief» sei.