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REGION: WWF-Geschäftsführer: «Ich verstehe den Unmut der Bauern»

Der WWF feiert Geburtstag. Der Geschäftsführer der Sektionen Luzern und Uri spricht über Erfolge und Niederlagen – und sagt, warum der Umweltverband oft falsch verstanden wird.
Christian Hodel
Kurt Eichenberger vom WWF am Ufer des revitalisierten Aabachs. (Bild: Corinne Glanzmann (Mosen, 8. April 2017))

Kurt Eichenberger vom WWF am Ufer des revitalisierten Aabachs. (Bild: Corinne Glanzmann (Mosen, 8. April 2017))

Interview: Christian Hodel

christian.hodel@luzernerzeitung.ch

Zusammen sind sie 100 Jahre alt. Die Stiftung World Wide Fund for Nature (WWF) feiert in der Zentralschweiz runde Geburtstage: Die Sektion Zug wird 40 Jahre alt, jene in Luzern und in Unterwalden werden je 30. Doch was hat die Umweltorganisation in den vergangenen Jahren in der Region bewirkt? Kurt Eichenberger, Geschäftsleiter der Regionalstellen Uri und Luzern, antwortet.

Kurt Eichenberger, weil der WWF Einsprachen einreicht, sind Dutzende Projekte in der Region auf Eis gelegt. Warum blockieren Sie ständig?

Die meisten Projekte wollen wir weder verhindern noch blockieren, sondern optimieren. Schauen Sie, der WWF hat zum Ziel, dass die geltenden Naturschutz- und Umweltgesetze umgesetzt werden.Oftmals werden Projekte geplant, die technisch schon weit fortgeschritten sind, aber bei der Planung gingen die Bestimmungen betreffend den Umweltschutz vergessen oder wurden missachtet. Dann ist es unsere Aufgabe zu intervenieren.

Ein Projekt ist das geplante Wasserkraftwerk an der Waldemme zwischen Flühli und Schüpfheim. Dieses sollte eigentlich in Ihrem Interesse sein – oder nicht?

Nein. Kleinwasserkraftwerke sind oft nicht verhältnismässig. Für den wenigen Strom, den sie liefern, schaden sie der Natur zu fest. Kein einziges Land in Europa nutzt seine Gewässer so stark wie die Schweiz – die Zitrone ist ausgepresst. Zudem produzieren solche Kraftwerke vorwiegend im Sommer Strom, also dann, wenn wir keinen zusätzlichen Strom benötigen. Was wir brauchen, ist mehr Winterstrom. Dafür gibt es einige Staudämme, die erhöht werden könnten, ohne dass die Natur zu stark darunter leidet.

Auch das Ausbauprojekt der Bergbahnen Sörenberg AG, bei dem die Skigebiete Rothorn und Sörenberg Dorf verbunden werden sollen, ist Ihnen ein Dorn im Auge.

Auch hier geht es um eine konsequente Umsetzung der Naturschutzgesetze, welche in unseren Augen noch ungenügend sind.

Beschwerden sind schnell gemacht – inwiefern sucht der WWF aber auch im Dialog nach alternativen Lösungen, die finanzierbar sind?

Wir suchen immer den Dialog mit den Involvierten. Unsere Aufgabe ist es aber nicht, eine Diskussion zur Wirtschaftlichkeit zu führen, wenn die Umweltbelange nicht von Anfang an ernst genommen wurden. Nimmt ein Unternehmer die Umweltgesetze ernst, gibt es auch keine Einsprachen von uns. Leider steht der Umgang mit der Umwelt oft nicht zuoberst auf der Prioritätenliste von Unternehmern, sondern die Finanzen.

Das klingt so, dass sich nicht viel verändert hat.

Der Umweltschutz eckt oft an wirtschaftlichen Interessen an. Das war vor 30 Jahren so – und ist es auch heute. Leider wird die Natur von der Gesellschaft nach wie vor als Selbstbedienungs­laden angeschaut. In vielen Bereichen haben wir es noch nicht geschafft, dass der Umweltschutz als selbstverständlich betrachtet wird. Der WWF alleine kann solche Einstellungen leider nicht ändern. Wir sind weiterhin eine Minorität. Es gibt zwar Verbesserungen in einigen Bereichen wie zum Beispiel bei der Sauberkeit der Gewässer, gleichzeitig aber auch dramatische Verschlechterungen wie in der zunehmenden Zersiedlung und im ungebremsten Ressourcenverbrauch.

Inwiefern zeigt sich dies?

Heutzutage ist es etwa noch immer möglich, dass Discounter oder Einrichtungshäuser Filialen errichten, die nicht höher als zwei Stockwerke sind, aber Hunderte Quadratmeter in der Fläche beanspruchen. In Zeiten, in denen der Platz eng ist und enger wird, ist das ein unglaublicher Zustand.

Der WWF wehrt sich nicht nur gegen die Platzverschwendung von grossen Firmen, sondern tritt auch einzelnen Bauern auf den Schlips. In Luzern will Ihre Organisation Stallbauprojekte verhindern. Warum?

Der Kanton will die Ammoniak-Emissionen bis 2030 um 30 Prozent reduzieren. Die derzeit vielen neuen Stallbauprojekte und Viehaufstockungen von Bauern tragen zu diesem Ziel aber nicht bei. Unser Problem ist, dass wir rechtlich nur gegen einzelne Projekte beziehungsweise einzelne Landwirte vorgehen können. Ich verstehe den Unmut der betroffenen Bauern. Man muss das Problem aber aus der Vogelperspektive betrachten und darf nicht nur den Einzelfall ansehen, sonst geht es bald der ganzen Natur und der Gesellschaft schlechter.

Dank einer Privatinitiative konnte gestern der revitalisierte Aabach in Mosen eingeweiht werden. Was ist speziell an diesem Projekt?

Es zeigt, was ein Einzelner bewirken kann. Ein Privater hat es geschafft, innerhalb von sieben Jahren – auch dank einem WWF-Programm – vom Grundeigentümer bis hin zum Kanton alle notwendigen Partner hinter sich zu bringen, um die 1,5 Millionen Franken teure Renaturierung des Bachabschnitts zu realisieren. Solche Projekte wollen wir künftig mehr fördern.

Was sind weitere Punkte, die beim WWF anstehen?

Wie gesagt, wir wollen vermehrt selbstständige Projekte lancieren. Zudem setzen wir vermehrt auf Bildung und besuchen Schulklassen in der Zentralschweiz. Auch die Freiwilligenarbeit wollen wir weiter ausbauen.

Von der Zukunft zurück in die Vergangenheit: Was ist der grösste Erfolg des WWF in der Zentralschweiz?

Das ist der Schutz des Hochmoors Rothenthurm 1987. Zusammen mit örtlichen Bauern, die sich gegen den dort geplanten Waffenplatz wehrten, verhalfen wir mittels einer Volksinitiative dem Moorschutz zum Durchbruch.

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