REGION: Zu viele Touristen – Aufstand auf der Rigi

Für bis zu 60 Millionen Franken sollen auf der Rigi neue Angebote entstehen. Einwohner, namhafte Politiker und Unternehmer sprechen von einer Disneyfizierung und versuchen mittels einer Petition den Massentourismus einzudämmen.

Christian Hodel
Drucken
Touristen geniessen die Sonne auf der Rigi: Eine Petition hat nun zum Ziel, dem Massentourismus Schranken zu setzen. (Bild: Pius Amrein (Rigi Kulm, 11. Oktober 2017))

Touristen geniessen die Sonne auf der Rigi: Eine Petition hat nun zum Ziel, dem Massentourismus Schranken zu setzen. (Bild: Pius Amrein (Rigi Kulm, 11. Oktober 2017))

Christian Hodel

christian.hodel@luzernerzeitung.ch

«Nein! zu Rigi-Disney-World»: So lautet der Titel einer Online-Petition, die seit Freitagnacht aufgeschaltet ist. Weit über hundert Personen haben schon ihre Unterschrift zugesichert – darunter namhafte Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Kultur (siehe Kasten). Etwa Jost Grob, ehemaliger Direktor der Zuger Kantonalbank; Kabarettist und Autor Emil Steinberger; Konrad Graber, Luzerner CVP-Ständerat oder der Schwyzer alt CVP-Regierungsrat Franz Marty.

Initiant der Petition ist der auf der Rigi wohnhafte Kulturwissenschafter René Stettler: «Die Rigi ist seit jeher ein Naherholungsberg, primär für Luzerner, Zuger, Schwyzer, Zürcher und Tagestouristen. Für viele ist es ein sanfter Berg. Das soll so bleiben.» Die Petition sei als Kritik am Massentourismus zu verstehen – und bezwecke eine «nachhaltige und naturnahe» Nutzung des Berges, in deren Veränderungsprozess auch die Bevölkerung miteingebunden werden soll.

Stettler und die Unterzeichner kritisieren die Ausbaupläne der Rigi Bahnen AG, wie sie im sogenannten Masterplan skizziert sind. (Artikel vom 22. Juli »). Demnach beabsichtigt das Unternehmen in den nächsten Jahren 50 bis 60 Millionen Franken zu investieren – etwa in ein historisches Bergdörfli, eine Erlebnisalp oder einen begehbaren Turm in Form eines Tannzapfens. Im Petitionstext steht dazu: «Künstliche Erlebnisse, die den Ausverkauf der Rigi bedeuten, wollen wir nicht.»

CEO: «Es bedarf von unserer Seite Aufklärung zum Masterplan»

Was auf der Rigi konkret gebaut werden soll, ist zwar noch unklar. Dennoch warnt Stettler vor den angedachten Ideen. «Die Pläne gehen dahin, dass aus dem Berg schleichend ein Disney-World für über eine Million Touristen wird», sagt er. Aktuell befördern die Bahnen gut 780 000 Passagiere jährlich. «In wenigen Jahren werden es massiv mehr sein, vor allem wegen der für den Massentourismus relevanten wachstumstreibenden Kräfte in Asien. Die für die Rigi klassische Kundschaft wird so endgültig verdrängt», so Stettler. «Wir sind überzeugt, dass die im Masterplan angedachten erlebnisorientierten Projektideen, die zwar kurzfristig Geld versprechen, dem Berg auf lange Frist schaden.» Er sei sich bewusst, dass die Petition nur ein «sanftes und unverbindliches» Mittel sei. Dennoch könne diese eine Wirkung erzielen: «Da wir breit abgestützt sind, erhöht das den moralischen Druck auf die Rigibahnen und die Gemeinden Arth, Vitznau und Weggis.» Ziel sei es, in den nächsten Wochen noch mehr Leute zu mobilisieren und später mit den Verantwortlichen der Rigibahnen Gespräche zu führen und bei anstehenden Entscheidungen in geeigneter Weise mitzuwirken. Eine erste Gesprächsrunde mit den Rigibahnen, der IG Rigi, verschiedenen Akteuren auf dem Berg und Stettler ist auf November terminiert.

Erstaunt vom Vorgehen der Petitionäre ist Stefan Otz, CEO der Rigibahnen: «Wir hätten gerne den direkten Dialog mit den Initianten gehabt. Leider wurde dies abgelehnt.» Man freue sich, dass es nun immerhin im November einen runden Tisch gebe. «Anscheinend bedarf es von unserer Seite Aufklärung zum Masterplan. Denn von einer Disneyfizierung kann keine Rede sein», so Otz. Man nehme die Anliegen der Petitionäre ernst und könne versichern, dass die Rigibahnen «ein nachhaltiges und naturschonendes Wachstum» anstreben. Otz betont weiter, dass die Pläne seines Unternehmens auch viel Zuspruch erhalten würden. «Es ist keineswegs so, dass die ganze Rigi gegen uns wäre.»

Hinweis

Die Petition finden Sie unter: www.petitionen24.com/nein_zu_rigi-disney-world