Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Regionale Kulturförderfonds: Das Luzerner Seetal schert aus

Ab 2019 sollen die Luzerner Entwicklungsträger für die Kulturförderung in ihrer Region verantwortlich sein. Jetzt steht: Das Seetal will den nötigen Batzen dafür vorerst nicht springen lassen.
Evelyne Fischer
Die Produktion «All Inclusive» des Jugendtheaters Willisau wurde vom regionalen Kulturförderfonds mit 5000 Franken unterstützt. (Bild: Pius Amrein, 16. Mai 2018)

Die Produktion «All Inclusive» des Jugendtheaters Willisau wurde vom regionalen Kulturförderfonds mit 5000 Franken unterstützt. (Bild: Pius Amrein, 16. Mai 2018)

In der Zehntenscheune, einem Knutwiler Kulturlokal, ist ein wegweisender Entscheid gefällt worden: Die Gemeinden des Verbands Region Sursee-Mittelland haben am Dienstag mit 11 zu 6 Stimmen die Einführung eines regionalen Kulturförderfonds per 1. Januar 2019 beschlossen.

Kulturschaffende können künftig bei einer noch einzusetzenden Kommission ein Gesuch um Unterstützung einreichen. Pro Einwohner der 17 Trägergemeinden fliessen 87 Rappen in den Fonds – den gleichen Betrag stellt der Kanton zur Verfügung. 2019 stehen somit 109 000 Franken zur Verfügung. «Mit diesem Topf können Projekte aus Musik, Theater, Literatur oder Kunst unterstützt werden, für die auf dem Land sonst Förderinstitutionen fehlen», sagt Präsident Charly Freitag. Um den Nutzen – und die finanzielle Verlässlichkeit des Kantons – auswerten zu können, ist der Fonds auf eine Laufzeit von vier Jahren begrenzt.

Die Idee der Förderfonds wurde lanciert, um die Kultur jenseits von Luzerner Theater und KKL zu etablieren. Noch bis Ende Jahr läuft die dreijährige Pilotphase mit den regionalen Entwicklungsträgern (RET) Region Luzern West (Entlebuch, Willisau-Wiggertal, Teile des Rottals) und Luzern Plus (Region und Agglomeration)

Seetal: Für neuen Fonds ist Zeitpunkt ungünstig

Während Projektmacher rund um Sursee jubeln können, dürfte sich im Seetal Ernüchterung breit machen: Die Leitung des zehn Gemeinden zählenden RET Idee Seetal hat den Delegierten am Donnerstag mitgeteilt, den Fonds frühestens auf 2020 einzurichten. «Das ist kein Nein zur Kultur generell. Aber wir stecken mitten in einer Strategie-Umstrukturierung. Die Einführung eines Fonds für die Kultur wäre derzeit politisch nicht durchsetzbar», sagt Geschäftsleiter Cornelius Müller.

Der Verband will sich in seinen Kernthemen Raumplanung, Mobilität, Wirtschaft und Tourismus besser aufstellen. Für diese Neujustierung habe man den Pro-Kopf-Beitrag von 7 auf 9 Franken pro Einwohner erhöht. «Aufgrund dieser finanziellen Mehrbelastung würde ein neuer Fonds das Fuder überladen.» Die Leitung frage sich, ob Kulturförderung tatsächlich die Aufgabe eines regionalen Entwicklungsträgers sei, der damit – via neuer Kommission – Entscheidungskompetenz erhalte.

Umsetzung soll 2019 erfolgen – aber nicht überall

Das Nein aus Seetal überrascht in Luzern wenig: «Die Umsetzung auf das Jahr 2019 kann dennoch erfolgen, einfach nicht flächendeckend», sagt Stefan Sägesser, Kulturbeauftragter des Kantons. «Wir bedauern die Verschiebung, streben im Seetal aber die Einführung auf 2020 an.» Geplant ist, auf dann auch das entsprechende Gesetz anzupassen.

«Der Kanton stellt mit den regionalen Förderfonds für die Kultur auf dem Land mehr Geld zur Verfügung, als bisher in den Regionen ausgegeben wurde.»

Stefan Sägesser, Kulturbeauftragter des Kantons

Den Vorwurf, der Kanton schiebe seine Aufgabe ab, weist Sägesser zurück. «Im Gegenteil. Der Kanton stellt neu für die Kultur auf dem Land mehr Geld zur Verfügung, als bisher in den Regionen ausgegeben wurde.» 250'000 Franken sollen 2019 fliessen. «Von kantonaler Seite gehen damit 60'000 Franken an die Region Luzern West, 55'000 Franken zu Sursee-Mittelland, 93'000 zu Luzern Plus und mindestens 30'000 Franken ins Seetal.» Dortige Kulturschaffenden können 2019 noch Gesuche an den Kanton stellen.

In zwei Regionen steht Entscheid noch aus

In der Pilotregion Luzern Plus stehen die Zeichen auf Grün, definitiv entschieden wird im Spätherbst. Hier behandelt die Regionalkonferenz Kultur die Gesuche aus 13 Mitgliedergemeinden. Die Gemeinden bezahlen rund 5 Franken pro Einwohner in den Förderfonds und in die Finanzierung der regionalen Kulturhäuser. «Die Kulturschaffenden sind sehr froh um diesen Topf», sagt Präsident Daniel Gasser. «Der regionale Kulturförderfonds sorgt dafür, dass Kultur nicht nur in den grossen Zentren stattfindet.»

Der RET Region Luzern West mit 28 Gemeinden entscheidet im November. Geschäftsführer Guido Roos gibt noch keine Prognose ab. Nur soviel: «Der Tenor ist mehrheitlich positiv. Und der Beschluss aus Sursee könnte eine gewisse Signalwirkung haben.» Im Verband fördere man die Kultur bereits seit über 40 Jahren. «Denn wir sind der Überzeugung, dass Kultur ein Standortfaktor und identitätsstiftend ist.» Es gebe aber auch Stimmen, welche die Vergabekriterien des Kantons kritisieren. «Das Verständnis, welche Art von Kultur gefördert werden soll, ist verschieden.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.