REGIONALFERNSEHEN: Tele 1 erhält Konzession für die Zentralschweiz

In der Zentralschweiz verliert der bisherige Fernsehsender TeleTell die Konzession. Neu kommt das Projekt Tele 1 der LZ Medien zum Zug. TeleTell will den Entscheid vor Bundesverwaltungs­gericht anfechten.

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Erwin Bachmann, Verwaltungsratspräsident der Tele 1 AG, an einer Präsentation im Januar 2008. (Bild Chris Iseli/Neue LZ)

Erwin Bachmann, Verwaltungsratspräsident der Tele 1 AG, an einer Präsentation im Januar 2008. (Bild Chris Iseli/Neue LZ)

Freude bei der LZ Medien Holding AG, der Herausgeberin der Neuen Luzerner Zeitung und ihrer Kopfblätter – Konsternation bei TeleTell, das zu der Aargauer AZ Medien gehört. Wird der Entscheid des UVEK vom Freitag nicht noch umgestossen, wird TeleTell den Betrieb wohl einstellen müssen.

Für Bundesrat Moritz Leuenberger erfüllt das Projekt Tele 1 die notwendigen Kriterien überzeugender als TeleTell. Da die LZ Medien zur NZZ-Gruppe gehörten, werde diese in der Zentralschweiz eine starke Stellung einnehmen. Das sei aber in Kauf zu nehmen.

TeleTell sendet vorläufig weiter
Tele Tell sieht das anders. Man habe in den letzten Jahren das Programm deutlich ausgebaut und mehrere Millionen Franken in den Sender investiert, heisst es in einer Stellungnahme. Seit Jahren erbringe man einen regionalen «service public». Bis zu 156'000 Zuschauer aus allen Zentralschweizer Kantonen nutzten täglich das Angebot.

Bis zu einem allfälligen Entscheid über die Beschwerde von TeleTell ändert sich für die Fernsehzuschauer in der Zentralschweiz indessen nichts. TeleTell sendet weiter.

Tele 1: 52 neue Vollzeitstellen
Für den neu aufzubauenden Tele 1-Sender wollen die LZ Medien 75 Teilzeit- respektive 52 Vollstellen schaffen. Schwerpunkte setzt man bei der Information und der Kultur sowie in regionalen Reportagen. Der Sender plane seine Magazine unter anderem in Zusammenarbeit mit der Universität und der Hochschule Luzern, liessen die LZ Medien verlauten.

Man suche auch das Gespräch mit TeleTell, heisst es weiter. Qualifizierten Mitarbeitern des leer ausgegangenen Fernsehsenders werde man Stellen anbieten.

Geteilte Meinungen
In der Zentralschweiz waren die Meinungen über die neue TV- Konzession vorgängig gespalten. Weil TeleTell einen zwölfjährigen Leistungsausweis habe, favorisierte die Luzerner Regierung den bisherigen Sender.

Für die Obwaldner Regierung dagegen stellten die guten Leistungen von TeleTell zwar auch einen Leistungsausweis dar. Aus regionalpolitischer Sicht sah sie aber bei Tele 1, das besser in der Zentralschweiz verankert sei, ein grösseres Potenzial.

Die Schwyzer Regierung hatte dagegen aufgrund ihrer «liberalen medienpolitischen Haltung» keine Präferenzen. Sie ging davon aus, dass das UVEK in dieser Angelenheit eine medienpolitische Gesamtschau vornehme.

Gefahr der Monopolisierung
Geteilt waren die Meinungen auch im Luzerner Kantonsrat. Ein Teil des Parlamentes quer durch die Fraktionen sah eine Monopolisierung der Medienlandschaft und damit eine Gefährdung der Meinungsvielfalt, wenn die LZ Medien mit ihrem Projekt zum Zuge kämen.

Von CVP-Seite dagegen wurde diese Gefahr in Abrede gestellt. Er frage sich, wieso eine TV-Konzession in den Aargau vergeben werde, wenn es auch einen Bewerber aus Luzern gebe, meinte ein CVP-Kantonsrat.

sda