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REGIONALMARKETING: Altbüron bringt Pilotprojekt zu Fall

Sieben Hinterländer Gemeinden haben grosse Pläne verfolgt: Mit einer eigenen Marke wollten sie künftig Präsenz markieren. Doch nun verweigert Altbüron den nötigen Batzen dafür.
Evelyne Fischer

Evelyne Fischer

evelyne.fischer@luzernerzeitung.ch

Sie beschreiben sich als weissen Fleck auf der Landkarte: die sieben Gemeinden Gettnau, Zell, Luthern, Ufhusen, Fischbach, Grossdietwil und Altbüron. Um den Auftritt in der nordwestlichen Ecke des Kantons zu stärken, initiierten sie 2015 das Pilotprojekt Regionale Akteursgruppe Luzerner Hinterland – kurz RAG. Ihr Ziel: eine gemeinsame Marke.

RAG war ein Pilotprojekt im Rahmen der «Politik des Bundes für die ländlichen Räume und Berggebiete». Eine Strategie, die lokale Initiativen unterstützt. Der Verein Gewerbe Hinterland, der sich über die sieben genannten Gemeinden erstreckt, hatte seine Mitglieder animiert, mitzumachen. Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) beteiligte sich mit 75 000 Franken, der Kanton Luzern mit 5000 Franken.

Diese Gelder sind inzwischen aufgebraucht. Um die Ideen in die Realität zu überführen, brauchte es neues Kapital. Im Sommer 2016 wurden die Gemeinden daher um Mitfinanzierung ersucht: Angedacht war ein Pro-Kopf-Beitrag von 4 Franken für 2018 bis 2021. Die 175 Gewerbebetriebe sollten jährlich 100 Franken beisteuern. Die 47 500 Franken pro Jahr hätten unter anderem ein 15-Prozent-Pensum für die Markenentwicklung ermöglicht.

Altbüron will sich anderweitig ausrichten

Nun, ein Jahr später, gab Altbüron bekannt, seine rund 4000 Franken jährlich nicht zu zahlen. «Wir machen hier keine Kehrtwende», sagt Gemeindepräsident Valentin Kreienbühl. «Altbüron hat sich strategisch seit Jahren eher Richtung Pfaffnau/Wiggertal und Oberaargau orientiert.» Seit 2015 sei man etwa beim ÖV dank einer neuen Buslinie an den Bahnhof Reiden angebunden. «Das RAG-Projekt ist nicht der geeignete Weg für unsere Gemeinde. Wir unterstützen die bestehenden und bewährten Gefässe, auf die wir zählen», sagt Kreienbühl. Dazu gehöre etwa der regionale Entwicklungsträger Region Luzern West, der Verein Pro Region Willisau-Wiggertal oder der Verein Rottaler Ernte, der regionale Lebensmittel fördere. «Altbüron sieht sich nun nicht als Spielverderber. Es steht den anderen Gemeinden offen, das RAG-Projekt weiterzuverfolgen.»

Eine abgespeckte Variante kommt allerdings nicht in Frage: «Da das Gewerbe Hinterland die Initiative ergriffen hatte, war es immer klar, dass alle Gemeinden mit im Boot sein müssen», sagt André Aregger, Projektleiter und Gemeindeschreiber von Ufhusen. «Mehrere Gemeinden knüpften ihren Beitrag zudem an die Bedingung, dass alle mitmachen.» Dass Altbüron nun die Reissleine gezogen hat, kommt für ihn nicht ganz überraschend: «Altbüron hat das Projekt als Gemeinde am Rande unseres Einzugsgebiets immer kritisch betrachtet.»

Hinterland droht ins Abseits zu geraten

Projektleiter Aregger bedauert das Nein. «Wenn wir Hinterländer Gemeinden eigenständig bleiben wollen, müssen wir unsere Region stärken. Dafür braucht es eine gemeinsame Identität.» Mit der aktuellen Raumplanung, welche die Gebiete entlang der Autobahn – der sogenannten Y-Achse – stärken will, drohe die Gefahr, dass das Hinterland weiter ins Abseits gerate. Doch wäre es da nicht am RET Region Luzern West, Gegensteuer zu geben? Aregger winkt ab. «Region Luzern West zählt 28 Verbandsgemeinden. Das Gebiet ist für eine gemeinsame Identität viel zu heterogen.» Während Aregger die Hoffnung äussert, «dass das Projekt in einem anderen Rahmen weitergeht», zeigt sich Urs Marti, Präsident des Vereins Gewerbe Hinterland, weniger optimistisch: «Ich sehe derzeit keinen Ansatz, um die Marke anderweitig voranzutreiben.» Gefragt nach den Gründen für das Nein, gibt sich der Zeller Unternehmer, der für die CVP im Kantonsrat politisiert, selbstkritisch: «Vielleicht konnten wir zu wenig aufzeigen, welchen Nutzen die gemeinsame Identität gebracht hätte. Solange eine Idee wenig greifbar ist und in der Projektphase steckt, ist man zurückhaltend, wenn es darum geht, etwas zu investieren.» Auch Marti betont, das Projekt sei stets «kritisch hinterfragt» worden. Wohl auch, weil von früheren Plänen eines «Kooperativen Hinterlandes» und den Fusionsabklärungen von Roggliswil, Pfaffnau, Grossdietwil und Altbüron noch «Narben» gescheiterter Zusammenschlüsse präsent waren.

Aregger kann dem Aus von RAG dennoch Positives abgewinnen: «Wir lernten, dass es nicht nur für die Phase der Ideensuche finanziellen Support bräuchte, sondern auch für die ersten konkreten Umsetzungsschritte.»

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