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REIDEN: Dieses Museum ist fast unbekannt

Die Kunstsammlung Robert Spreng: Nur wenige kennen sie, noch weniger gehen hin – zu Unrecht.
Cyril Aregger
Restauratorin Isabelle Hadorn-Dettwiler im Raum mit Gemälden des Basler Malers Coghuf. (Bild Pius Amrein)

Restauratorin Isabelle Hadorn-Dettwiler im Raum mit Gemälden des Basler Malers Coghuf. (Bild Pius Amrein)

Cyril Aregger

Ein Wegweiser an der Hauptstrasse ist das Einzige, was in Reiden auf die Kunstsammlung Robert Spreng hinweist. Auf dem Schulhausareal, wo die Sammlung untergebracht ist, muss man den temporär platzierten Aufsteller beim Schulhaus Johanniter 1 entdecken und dann im Gebäude den Wegweisern folgen, die an Garderobehaken hängen. Im zweiten Untergeschoss wartet dann die Sammlung, die Lustat Statistik Luzern als das am wenigsten besuchte Museum 2014 ausweist. Gerade einmal 85 Personen fanden den Weg nach Reiden. Zum Vergleich: Die beiden Museen, die auf der Landschaft am besten besucht wurden, waren das Schloss Heidegg (10 000 Besucher) und das Agrarmuseum Burgrain (9273). Das Verkehrshaus in Luzern ist der grösste Besuchermagnet im Kanton: 524 761 waren es 2014 – 6174-mal mehr als in Reiden.

Restauratorin Isabelle Hadorn-Dettwiler im Luftschutzkeller des Schulhauses Johanniter, dem kleinsten Museum des Kantons Luzern. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)Restauratorin Isabelle Hadorn-Dettwiler im Luftschutzkeller des Schulhauses Johanniter, dem kleinsten Museum des Kantons Luzern. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
Die Kunstsammlung Robert Spreng in Reiden hatte 2014 gemäss Lustat Statistik Luzern 85 Besucher. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)Die Kunstsammlung Robert Spreng in Reiden hatte 2014 gemäss Lustat Statistik Luzern 85 Besucher. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
Zum Vergleich: die beiden Museen, die auf der Landschaft am besten besucht wurden, waren das Schloss Heidegg (10 000 Besucher) und das Agrarmuseum Burgrain (9273). (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)Zum Vergleich: die beiden Museen, die auf der Landschaft am besten besucht wurden, waren das Schloss Heidegg (10 000 Besucher) und das Agrarmuseum Burgrain (9273). (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
Der Basler Fotopionier Robert Spreng hat zu seinen Lebzeiten eine eindrückliche Kunstsammlung zusammengetragen. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)Der Basler Fotopionier Robert Spreng hat zu seinen Lebzeiten eine eindrückliche Kunstsammlung zusammengetragen. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
Robert Spreng wurde 1890 im deutschen Säckingen geboren und verstarb 1969. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)Robert Spreng wurde 1890 im deutschen Säckingen geboren und verstarb 1969. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
Über 160 Ölbilder, Aquarelle, Zeichnungen, Glasmalereien, Collagen und Plastiken, hauptsächlich aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, und fast alle von Schweizer Künstlern, die einen Bezug zur Stadt Basel hatten. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)Über 160 Ölbilder, Aquarelle, Zeichnungen, Glasmalereien, Collagen und Plastiken, hauptsächlich aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, und fast alle von Schweizer Künstlern, die einen Bezug zur Stadt Basel hatten. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
Nun hängen sie in Reiden, dicht gedrängt in den sechs Räumen des Luftschutzkellers. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)Nun hängen sie in Reiden, dicht gedrängt in den sechs Räumen des Luftschutzkellers. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
Dies, weil Spreng laut einer Anekdote mit dem damaligen Direktor des Basler Kunstmuseums in Streit geriet, weil sie sich nicht über die Bedingungen der Schenkung einigen konnten. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)Dies, weil Spreng laut einer Anekdote mit dem damaligen Direktor des Basler Kunstmuseums in Streit geriet, weil sie sich nicht über die Bedingungen der Schenkung einigen konnten. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
47 Künstler sind mit ihren Werken in Reiden vertreten, darunter Paolo Camenisch, Louis Moilliet, Serge Brignoni und Max Haufler. Bekanntester Künstler ist wohl Cuno Amiet, dessen Gemälde «Sommermorgen» in der Sammlung vertreten ist. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)47 Künstler sind mit ihren Werken in Reiden vertreten, darunter Paolo Camenisch, Louis Moilliet, Serge Brignoni und Max Haufler. Bekanntester Künstler ist wohl Cuno Amiet, dessen Gemälde «Sommermorgen» in der Sammlung vertreten ist. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
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Kunstsammlung Robert Spreng in Reiden

Dicht gedrängt im Luftschutzkeller

Doch was gibt es zu sehen im Luftschutzkeller? Angesichts der Besucherzahlen könnte man vielleicht eine Sammlung unterschiedlichster linierter Schreibblöcke erwarten (was sicher auch einen gewissen historischen Wert hätte). Doch weit gefehlt. Der Basler Fotopionier Robert Spreng (siehe Kasten) hat zu seinen Lebzeiten eine eindrückliche Kunstsammlung zusammengetragen: über 160 Ölbilder, Aquarelle, Zeichnungen, Glasmalereien, Collagen und Plastiken, hauptsächlich aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und fast alle von Schweizer Künstlern, die einen Bezug zur Stadt Basel hatten. Nun hängen sie in Reiden, dicht gedrängt in den sechs Räumen des Luftschutzkellers. Dies, weil Spreng laut einer Anekdote mit dem damaligen Direktor des Basler Kunstmuseums in Streit geriet, weil sie sich nicht über die Bedingungen der Schenkung einigen konnten.

«Die Unterbringung ist sicher nicht ideal», sagt Isabelle Hadorn-Dettwiler. Die selbstständige Restauratorin, die seit elf Jahren in Reiden lebt, kümmert sich im Auftrag der Gemeinde um die Sammlung. «Mit mehr Platz kämen die einzelnen Bilder besser zur Geltung.» Zudem sei das Raumklima problematisch, sagt die gebürtige Französin, die das Amt im August von Beat Schwegler übernommen hat: «Im Winter ist es wegen der Heizungsrohre an der Decke sehr warm und trocken, im Sommer dagegen sehr feucht. Bei starken Regenfällen dringt von unten manchmal auch Wasser ein.» Die Lokalität bringe für die Sammlung aber auch Vorteile, betont Hadorn: «In einem grossen Museum wäre nur eine Hand voll Bilder ständig zu sehen. Hier können wir die eindrückliche Sammlung als Ganzes präsentieren. Das ist ein Privileg.»

Abneigung gegen Abstraktes

47 Künstler sind mit ihren Werken in Reiden vertreten, darunter Paolo Camenisch, Louis Moilliet, Serge Brignoni und Max Haufler. Bekanntester Künstler ist wohl Cuno Amiet, dessen Gemälde «Sommermorgen» in der Sammlung vertreten ist. «Das Lieblingsbild von Robert Spreng war die ‹Artistin› von Karl Hindenlang, von dem wir auch einige Glasmalereien zeigen können», sagt Hadorn. Das Bild hängt denn auch im ersten Raum der Ausstellung, zusammen mit einem Porträt des Sammlers.

Trotz der relativ kurzen Zeitspanne, die die Sammlung abdeckt, ist die Stilvielfalt beeindruckend: So finden sich hier unter anderem Werke des Postimpressionismus, des Expressionismus, des Surrealismus und der neuen Sachlichkeit. Was fast gänzlich fehlt, sind jedoch ab­strakte Werke. «Die mochte Robert Spreng offensichtlich nicht», sagt Isa­belle Hadorn. «Das zeigt sich auch an der Auswahl der Werke von Ernst Stocker, bekannt als Coghuf. Von ihm hat Spreng 46 Werke gesammelt. Aber als sich Coghuf abstrakteren Motiven zuwandte, hörte Spreng schlagartig auf zu kaufen.»

Per Zufall entdeckt

Isabelle Hadorn weiss viel über die Werke und kann dazugehörige Anekdoten erzählen. «Aber natürlich bin ich noch am Lernen, ich weiss noch längst nicht alles über die Werke», wirft sie ein. Gerne würde sie ihr Wissen und ihre Begeisterung für die Sammlung mehr Besuchern vermitteln. «Aber das Museum ist kaum bekannt. Auch ich erfuhr erst nach zwei Jahren per Zufall von diesem kleinen Juwel. Eine Nachbarin hat mich darauf hingewiesen.»

Für die Zeit, in der sie Besucher durch die Sammlung führt, erhält Hadorn eine Entschädigung. Ein eigenes Budget, zum Beispiel für Werbung, hat das Museum jedoch nicht. Soll ein Rahmen geflickt oder ein Bild aufgefrischt werden, muss Hadorn beim Gemeinderat um einen Betrag anfragen. Ein kleines fixes Budget ist deshalb einer der beiden grossen Wünsche von Isabelle Hadorn. Und der zweite? «Mehr Besucher!»

Hinweis

Die Kunstsammlung ist jeweils am ersten Sonntag im Monat von 16 bis 18 Uhr oder auf Anfrage geöffnet (Schulhaus Johanniter 1, Reiden). Interessierte melden sich bei Isabelle Hadorn- Dettwiler, Telefon 062 758 21 18. Der Eintritt zur Sammlung ist frei.

Mehr Impressionen aus der Kunstsammlung finden Sie unter www.luzernerzeitung.ch/bilder

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