REIDEN: «Jodeln überlasse ich denen, die es können»

Heute beginnt das Zentralschweizer Jodlerfest. OK-Präsident Hans Luternauer hat zwei Jahre auf diesen Tag hingearbeitet. Nun hofft er nur noch auf Wetterglück.

Interview Guy Studer
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Hans Luternauer, OK-Präsident des Zentralschweizer Jodlerfest. (Bild: PD)

Hans Luternauer, OK-Präsident des Zentralschweizer Jodlerfest. (Bild: PD)

Hans Luternauer, Sie waren bis 2007 Präsident des Schweizer Blasmusikverbandes – wechseln Sie nun von der Blasmusik zu den Jodlern?

Hans Luternauer*: Nein, überhaupt nicht. Ich bin nach wie vor aktiver Musikant und werde das auch bleiben (Luternauer spielt Eufonium, Anm. d. Red.). Doch ich hatte schon immer auch eine Affinität zum Jodeln. Und wäre ich in eine entsprechende Familie hineingeboren worden, hätte auch ein Jodler aus mir werden können.

Seit 2011 sind Sie nicht mehr im Kantonsrat und seither hauptsächlich «nur» noch Gemeindepräsident. War es Ihnen langweilig, dass Sie das OK-Präsidium für das Jodlerfest übernommen haben?

Luternauer: Nein, nein, auf keinen Fall. Als Gemeindepräsident hat man aber der Öffentlichkeit gegenüber gewisse Verpflichtungen, gerade wenn es um so einen Grossanlass geht.

Sie haben das Fest zwei Jahre lang vorbereitet. Wie viele Arbeitsstunden kommen da zusammen?

Luternauer: Momentan sind es sehr viele Stunden, die Woche vor dem Fest ist die intensivste. Am Anfang geht es noch gemächlicher zu und her. Doch die Stunden zähle ich nicht.

Was war die grösste Herausforderung bei der Organisation?

Luternauer: Das Personal. Über 2000 Leute werden im Einsatz stehen, diese zu rekrutieren war für den Personalchef eine Mammutaufgabe. Daneben gab auch die Festinfrastruktur sehr viel zu tun.

Was kann die Gemeinde Reiden zur Schweizer Jodlerlandschaft beitragen?

Luternauer: Mit dem Jodlerclub Heimelig hat Reiden einen sehr aktiven Verein, der dieses Jahr sogar das 50-Jahr-Jubiläum feiern kann. Ausserdem hat die Gemeinde schon früher Jodlerfeste durchgeführt, Jodeln ist in Reiden gut verankert.

Beim Jodeln gibt es ja verschiedene Stilrichtungen. In den letzten Jahren haben vor allem neue Formen, wie etwa Alternativ-Jodel auf sich aufmerksam gemacht. Wo liegen Ihre Präferenzen?

Luternauer: Ich bin immer offen für Neues. Trotzdem darf man das Traditionelle nie verleugnen. Ein Ohrwurm lässt das Herz vielleicht höher schlagen, aber bei etwas Modernem höre ich nicht weniger interessiert hin.

Wird man auch Sie am Fest jodeln hören?

Luternauer: Nein, das überlasse ich denen, die es können.

Was hören Sie sonst für Musik?

Luternauer: Natürlich eine breite Palette Blasmusik, gerne auch Märsche. Aber auch sonst Volksmusik – und gerne auch Country, Old Jazz sowie volkstümlichen Schlager.

Für das Fest sind 20 000 Liter Bier bestellt, bei erwarteten 50 000 Besuchern an drei Tagen. Ist das nicht etwas knapp bemessen? Oder trinken Jodler eher Kafi Schnaps?

Luternauer: Wenns so heiss ist wie in den letzten Tagen, wer weiss, obs reicht? Die Besucher erwartet aber zusätzlich auch ein breites Angebot an Weinen. Auf jeden Fall werden wir sehr viel Mineralwasser benötigen. Kaffee ist wohl eher am Morgen angesagt.

Bleiben wir beim Wetter. Mitte Woche war es noch hochsommerlich. Nun hats umgeschlagen. Ein Wermutstropfen?

Luternauer: Ich denke, 30 Grad oder mehr wären – gerade auch für ältere Besucher – nicht optimal. Wir hoffen vor allem, dass es trocken bleibt. Gerade am Sonntag, wenn der Umzug stattfindet. Dieses Jahr hat es ja eigentlich schon genug geregnet.

Auf welchen musikalischen Beitrag freuen Sie sich besonders?

Luternauer: Bei einem Blasmusikfest könnte ich das genauer sagen. Hier werde ich eher spontan in die Beiträge reinhören. So gesehen freue ich mich auf alle Beiträge, der Zentralschweizer Verband ist stark. Ein besonderes Highlight wird sicher auch das Finale des Schweizer Folklore-Nachwuchswettbewerbs von heute Freitagabend, der im Schweizer Radio übertragen wird.

Wo werden Sie am Fest am meisten anzutreffen sein?

Luternauer: Ich werde herumtingeln und vor allem in den Festwirtschaften anzutreffen sein, um Gäste zu empfangen, Kontakte zu pflegen und Kollegen zu treffen.

Was empfehlen Sie Einwohnern von Reiden, die nichts mit Jodeln und Alphörnern anfangen können, für das kommende Wochenende?

Luternauer: Ich würde ihnen auf jeden Fall empfehlen, trotzdem hier ein bisschen Jodlerluft zu schnuppern. Sie sollen doch einfach mal ein Auge und Ohr voll nehmen und sehen, was unsere Kultur zu bieten hat. Vielleicht lassen sie sich trotzdem mitreissen. Wenn nicht, dann lohnt sich ein Besuch in den Festbeizen mit ihrem breiten Angebot. Hier läuft auch bewusst keine Musik.

Hinweis:

*Hans Luternauer (60) ist Gemeindepräsident von Reiden und Präsident des Verbandes Luzerner Gemeinden (VLG). Von 1999 bis 2011 sass er zudem für die FDP im Kantonsrat, dessen Präsidium er 2010 innehatte. Von 2002 bis 2007 war Luternauer zudem Präsident des Schweizer Blasmusikverbandes.

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Lesen Sie morgen in unserer Zeitung, wo die historischen Wurzeln des Jodelns liegen und wie sich dieses Brauchtum bis heute entwickelt hat.

Auf www.luzernerzeitung.ch finden Sie ab heute Abend laufend Bilder und News zum Jodlerfest.