REIDEN: Nein-Sager oder bloss besorgte Bürger?

Die IG Reiden wirbelt in der 6800-Seelen-Gemeinde kräftig Staub auf. Die vier etablierten Parteien greifen die IG an diese versteht die Kritik nicht.

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Bruno Aecherli, Gemeinderat und Präsident der IG Reiden, vor der Johanniterkommende, einem Wahrzeichen Reidens. (Bild Dominik Wunderli)

Bruno Aecherli, Gemeinderat und Präsident der IG Reiden, vor der Johanniterkommende, einem Wahrzeichen Reidens. (Bild Dominik Wunderli)

Evelyne Fischer

Das Nein zum Schulhausneubau vom 8. März ist der bislang grösste Triumph in der kurzen Geschichte der Interessengemeinschaft (IG) Reiden. Die überparteiliche Gruppierung (siehe Kasten) mit lediglich 48 Mitgliedern bekämpfte das 9,25-Millionen-Projekt gegen alle Parteien. «Offenbar existieren viele stille Sympathisanten», sagt IG-Präsident Bruno Aecherli. Das Resultat zeige: Auf kommunaler Ebene brauche es Sachpolitik. Die IG sehe sich nicht in der Rolle der Opposition. «Aber sie schaut dem Gemeinderat auf die Finger, wo es nötig ist.»

Plakative Worte und Zahlen

Das Wirken der IG wird oft von plakativen Aussagen begleitet. «Wissen Sie, dass das Projekt des Reider Schulhausneubaus nicht abstimmungsreif ist?» «Kennen Sie die Reider Schulhausstrategie? Wir auch nicht.» Sätze eines IG-Bulletins. Auf Folien einer Veranstaltung vergleicht IG-Vorstandsmitglied Pascal Caputo – seit Januar in der Controlling-Kommission – die Gemeinde mit einem Hochseefrachter. Um die Richtung zu wechseln, brauche das langsam reagierende Gefährt einen Kapitän mit Weitblick.

Was die IG weiter mag: mit Zahlen argumentieren. «Denn wir sind überzeugt, dass der Bürger Zahlen interpretieren und einordnen kann», sagt Aecherli. Hierbei schnitt sich die IG aber schon ins eigene Fleisch. Ihr kellerloser Modulbau-Vorschlag für das Schulhausprojekt zeigte gegenüber dem Projekt des Gemeinderates Sparpotenzial auf, deckte den nötigen Netto-Schulraumbedarf aber nicht ab. Weiter las man im IG-Bulletin, «dass der Gemeinderat von einer falschen Schülerzahlprognose ausgeht». Auf Nachfrage hin bestätigte Lustat Statistik Luzern aber die vom Gemeinderat aufgezeigte Entwicklung. «Es liegt in der Natur der Sache, dass man nur das rauspickt, was man für richtig hält», sagt Aecherli dazu. «Statistiken lassen immer Interpretationsspielraum offen.» Dass er als Gemeinderat mit solchen Aussagen nicht dem «Gehorsam» der Kollegialbehörde folge, sei er sich bewusst. «Ich will weiterhin jeden Morgen in den Spiegel schauen können. Und ich bin nicht gewählt worden, um stets zu nicken.»

Sprachrohr für Frustrierte?

Die neue Stimme im Dorf sorgt bei den Parteien für Sorgenfalten. «Die generelle Skepsis der IG gegenüber der öffentlichen Arbeit erschwert die Zusammenarbeit», sagt CVP-Ortsparteipräsidentin Marianne Schärli. «Warum greift die IG Geschäfte wie die Schulraumfrage an, die von Leuten mitgestaltet wurden, die heute in der IG sitzen?» Und Othmar Rölli, Präsident der Reider SP, meint: «Konkrete Resultate kann die IG nicht ausweisen.» Von einem angeschlagenen politischen Klima mag Rölli dennoch nicht sprechen. «So schlimm ist es nicht.»

Dem widerspricht SVP-Präsident Robert Arnold: «Das aktuelle Klima wirkt sich negativ auf das Image der Gemeinde aus.» Er setze ein Fragezeichen dahinter, ob die IG bereit sei, weitere Leute aufzustellen «im Wissen, dann eventuell ebenfalls an der Gemeindeversammlung ans Messer geliefert zu werden». Ähnlich sieht es FDP-Co-Präsident Willi Zürcher: Die IG trete wie eine Partei auf, stehle sich als überparteiliche Gruppierung aber aus der Pflicht. «Das geht so nicht. Man kann nur Schiedsrichter spielen, wenn man auch mithilft, die Regeln aufzustellen.» Die IG scheine ein Sprachrohr für Frustrierte zu sein. «Sie kann Schlagworte in den Raum stellen, und niemand hinterfragt sie.»

«Die Parteien machen es sich zu einfach, uns bloss als Nein-Sager darzustellen», sagt IG-Präsident Aecherli. Vom Ruf der «Trotzcheibe» will er nichts wissen. Die IG biete Hand für Lösungen. «Bei den Wahlen werden wir ein wachsames Auge auf die Personen haben, die die Parteien portieren. Wenn wir es für nötig halten, treten wir selber an.»

Auch Parteien in der Pflicht

«Die IG muss sich dabei ihrer Verantwortung bewusst sein, gerade was ihre Informationspolitik anbelangt», sagt CVP-Präsidentin Schärli. In der Vergangenheit seien Zahlen und Fakten verwendet worden, die so nicht korrekt waren. Künftig brauche es transparente, faire Kommunikation auch bei Parteien und Gemeinderat. «Nur so lässt sich das politische Klima wieder ins Lot bringen.»