Reiden: Samariter ziehen Schlussstrich

Nach 80 Jahren löst sich der Samariterverein auf. Der Präsident ist frustriert: Weder eine Fusion mit anderen Vereinen noch der Versuch, neue Mitglieder zu gewinnen, sind geglückt.

Roseline Troxler
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Der Samariterverein Reiden löst sich auf. (Bild: Keystone)

Der Samariterverein Reiden löst sich auf. (Bild: Keystone)

Die Samariter sind seit acht Jahrzehnten fester Bestandteil von Reidens Vereinsleben. Sie sind da, wenn Sportanlässe stattfinden, Feste gefeiert werden oder wenn das Dorf in Fasnachtsstimmung ist. Dann stehen sie an ihren Posten und sind da, wenn jemand medizinische Betreuung braucht. Der Samariterverein führt Nothilfekurse für die Bevölkerung durch oder organisiert Blutspenden. Doch nun ist Schluss. Heute löst sich der Samariterverein Reiden an der Generalversammlung auf, wie der «Willisauer Bote» bekannt gegeben hat.

Präsident glaubte noch an Rettung

Für den letzten Präsidenten, den Wauwiler Urs Heimgartner, kein einfacher Moment. Seit 13 Jahren ist er Mitglied im Samariterverein Reiden. Vor zwei Jahren übernahm er das Präsidium. «Obwohl viele Mitglieder damals schon der Meinung waren, dass es keine Rettung mehr gibt, wollte ich dem Verein nochmals eine Chance geben», erzählt Heimgartner. «Doch es war zwecklos. Und zudem bin ich nun noch der Böse, der den Verein aufgegeben hat», erzählt Heimgartner. Seine Frustration ist gross.

Zählte der Verein vor zehn Jahren noch knapp 50 Mitglieder, sind es heute noch 27. Doch das eigentliche Problem sei nicht die Zahl der Mitglieder, sondern der Vorstand. «Kaum jemand ist bereit, an der Front zu arbeiten», so Heimgartner. Deswegen hat er praktisch sämtliche Ämter im Vorstand besetzt. Selbst die Kurse hat er geleitet und so wöchentlich viele Stunden in den Verein investiert. Als nun auch noch die Kassiererin bekannt gab, dass sie aufhört, zog auch Heimgartner einen Schlussstrich.

Konkurrenz von anderen Vereinen

Doch weshalb gelingt es nicht, neue Leute zu gewinnen? «Die Jungen arbeiten heute oft auswärts. Die älteren Semester haben sich schon mal im Vorstand engagiert und wollen nicht mehr», sucht Heimgartner nach Erklärungen. Einen weiteren Grund vermutet er im grösseren Angebot. «In Reiden gibt es heute viel mehr verschiedene Vereine als zur Gründungszeit.»

Fusionen mit Nachbarn geprüft

Seit sechs Jahren sucht der Verein laut Heimgartner nach einer Lösung. Dabei hat er auch die Fühler zu anderen Vereinen ausgestreckt. «Wir haben eine Fusion mit Langnau oder mit Wikon ins Auge gefasst», sagt Heimgartner. Schliesslich hätten die anderen Vereine aber eine Absage erteilt. Auch mit dem Kantonalverband sei er im Gespräch gewesen, geholfen habe dies schlussendlich nichts. Die «fehlende Bereitschaft» der Langnauer sei auch ein Grund, weshalb keines der Mitglieder in den zweiten Samariterverein im Dorf wechselt, sagt Heimgartner.

Annerös Hodel ist Vizepräsidentin des Samaritervereins Langnau. Zur Fusionsanfrage der Reider sagt sie: «Stärker zusammenarbeiten war für uns eine Option, nicht aber eine Fusion der beiden Vereine.» Zu den genauen Gründen will sich Annerös Hodel nicht äussern. Sie glaubt, dass die Auflösung des Reider Samaritervereins auch eine Chance für Langnau sein könnte. «Wir sind froh, wenn wir neue Mitglieder aufnehmen können. Es gibt immer wieder Jahre, in denen dies nicht gelingt.»

Langnauer übernehmen Aufgaben

Wer übernimmt nun die Aufgaben der Samariter in Reiden? Laut Urs Heimgartner ändert sich für Reiden mit der Aufgabe des Vereins wenig, weil der Langnauer Samariterverein in die Bresche springt. So übernimmt dieser die Blutspenden oder den Postendienst an Veranstaltungen. Annerös Hodel vom Langnauer Samariterverein bestätigt dies. «Wir werden diese Aufgaben in Reiden künftig abdecken.»

Den endgültigen Schlusspunkt für den Samariterverein Reiden wird laut Heimgartner ein Abschlussanlass im Mai bilden.