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REIDEN: So schnell stapelt kaum jemand

Hinter den kryptischen Zahlenfolgen 3-3-3 oder 3-6-3 versteckt sich eine faszinierende Sportart. Das Aufeinanderstapeln von Bechern lockte am Sonntag sogar Engländer in unsere Region.
Manuel Burkhard
Patricia Schöpfer (links) und Lorena Schmid aus Reiden stapeln Becher um die Wette. (Bild: Nadia Schärli (Reiden, 26. März 2017))

Patricia Schöpfer (links) und Lorena Schmid aus Reiden stapeln Becher um die Wette. (Bild: Nadia Schärli (Reiden, 26. März 2017))

Manuel Burkhard

kanton@luzernerzeitung.ch

Stetes Klackern erfüllt den Saal des Hotels Sonne in Reiden. Triumphschreie, Applaus und gelegentlich ein entnervtes Stöhnen oder ein unterdrückter Fluch sind zu vernehmen. Gut 100 Zuschauer sehen hier, wie 68 Sportler gemeinsam und gegeneinander Becher stapeln. Wobei: «Becher stapeln» ist eine sehr triviale Bezeichnung für diese Sportart. Denn die Hände der überwiegend jugendlichen Teilnehmer bewegen sich schneller, als selbst das ungeübte Auge zu folgen vermag. Sie türmen in stupendem Tempo von wenigen Sekunden normierte Plastikbecher zu Pyramiden und bauen sie blitzartig wieder ab. Stacking (englisch für stapeln) nennt sich die Sportart.

In Reiden fand am Sonntag zum zweiten Mal das Turnier Cup Mania statt, das vom gleichnamigen Verein organisiert wurde. Es ist neben der Schweizer Meisterschaft in Baar das einzige vom Weltverband WSSA anerkannte Turnier in der Schweiz. Die Aufgabe der Stacker ist es, mit maximal zwölf Plastikbechern eine vorgegebene Abfolge verschiedener Pyramiden zu errichten und wieder abzubauen: zum Beispiel eine 3er-Pyramide, dann eine 6er und wieder eine 3er – und das allein, im Doppel (wobei jede Person nur einen Arm brauchen darf) oder als Stafette.

Ursprung: Übung für Schulkinder

Stacking wurde in den 80er-Jahren an Schulen in den USA als Konzentrations- und Koordinationsübung entwickelt. Um die Jahrtausendwende wurde Stacking international bekannt, 2001 wurde der Weltverband WSSA gegründet. Inzwischen ist auch die Schweiz regelmässig an den jährlichen Weltmeisterschaften vertreten.

Ein Schweizer Hotspot für Stacking ist Reiden. Im Verein Free Stacks trainieren 35 Mitglieder. Manchmal werden sogar in der Schule Becher gestapelt. So sind Lorena Schmid (9), Patricia Schöpfer (9), Lenya Heinzer (10) und Sara Zimmerli (10) auf die Sportart aufmerksam geworden. Sie nehmen regelmässig an Wettkämpfen teil. «Es ist ein aussergewöhnliches Hobby», erklären sie. «Und es ist spannend, herauszufinden, wer am schnellsten stapelt.» Stacker sind ein kompetitives Volk. Überall werden die eigenen Bestleistungen diskutiert, im Eingangsbereich laufen Filme von Weltrekord-Stacks, und an den Wettkampftischen sind der Schweizer und der Weltrekord gut sichtbar angeschlagen.

Diese Zahlen stehen für einige Teilnehmer im Fokus. Zum Beispiel für Melanie Fehrenbach (16) aus dem bernischen Auswil. Sie hat ein Niveau erreicht, auf dem der letzte verbleibende Gegner die Zeit ist. Fehrenbach ist mehrfache Schweizer Meisterin und Rekordhalterin. An der WM 2016 in Bayern gewann sie mit der Staffel die Silbermedaille. Schon als kleines Mädchen stapelte sie Becher. Nach einigen Jahren packte sie der Ehrgeiz: «Mit elf Jahren erfuhr ich, dass es Stacking-Turniere gibt. Ich nahm an einem Teil und merkte, dass ich schnell bin. Da hat es mich gepackt.» Inzwischen stapelt sie nah an den Weltrekordzeiten.

Internationales Teilnehmerfeld

Einige Stacker nahmen lange Anfahrtswege auf sich. Mit fünf Leuten waren die Rhinemosquitos vom SKG Stockstadt (D) vertreten. Noch länger war die Reise von Toby Smith (16) und Finn Browne (12). Sie sind Mitglied des Teams UK, der englischen Stacking-Nationalmannschaft. Mit ihren Vätern kamen sie eigens für Cup Mania nach Reiden. Sie hätten auch an der WM teilnehmen können, doch Taiwan war ihnen dann doch ein bisschen weit weg. Aber sie blicken zuversichtlich in die Zukunft: «Wenn die WM etwas näher stattfindet, fahren wir. Wir sind bereit.» Wer Zeuge wird, wie sie die Becher durch die Luft wirbeln lassen, sieht, dass dies keine leeren Worte sind.

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