REIDEN: «Will möglichst rasch loslegen»

Beat Steinmann (47) gilt als Hoffnungsträger. Der neue Gemeindepräsident steht jedoch vor einer schwierigen Mission. Politisch möchte er auch ein Fenster öffnen.

Interview Ernesto Piazza
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Der Reider Gemeindepräsident Beat Steinmann (FDP). (Bild Adrian Baer)

Der Reider Gemeindepräsident Beat Steinmann (FDP). (Bild Adrian Baer)

Interview Ernesto Piazza

Beat Steinmann, mit 1327 Stimmen schafften Sie am Sonntag ein Glanzresultat. Das ist eigentlich ein Grund zum Feiern ...

Beat Steinmann*: Die Brassband der Musikgesellschaft, deren Ehrenpräsident ich bin, spielte zu meiner grossen Freude bei mir zu Hause auf. Am Abend trafen wir uns noch im Kreis der FDP mit Familie und Gratulanten anderer Parteien und liessen den Tag ausklingen. Es war ein sehr schöner Anlass.

Es wartet aber nun viel Arbeit auf Sie.

Steinmann: Ich will möglichst schnell loslegen. Wir können nicht bis zum offiziellen Start am 1. September warten.

Das heisst konkret?

Steinmann: Ich treffe mich bereits diese Woche mit dem noch amtierenden Gemeindepräsidenten Hans Luternauer, um eine Standortbestimmung vorzunehmen. Zudem muss sich der neue Gemeinderat vor dem 1. September finden. Deshalb werde ich mich auch mit dem neuen Team zusammensetzen. Obwohl wir im Moment noch nicht rechtsverbindlich über die Ressortverteilung entscheiden können.

Eine der Reider Baustellen betrifft die Badi. Wie stehen Sie dazu?

Steinmann: Hier bin ich klar der Ansicht: Ein Schnellschuss wäre die falsche Lösung. Wir müssen die maximal 1,25 Millionen Franken für einen Sonderkredit schlucken. Nachher sind dem Stimmbürger möglichst schnell verschiedene Varianten und deren Konsequenzen aufzuzeigen. Und zwar so, dass das Volk – auf tatsächlichen Grundlagen basierend – entscheiden kann. Ich erwarte auch, dass sich die Badigenossenschaft gerade bezüglich finanzieller Zukunft mit einbringt. In der zweiten Hälfte 2017 sollten wir so weit sein.

Reiden braucht auch neuen Schulraum. Im Dezember hat das Volk – nach der Ablehnung der ersten Variante – einen neuen Planungskredit von 330 000 Franken gesprochen. Wie beurteilen Sie dieses Geschäft?

Steinmann: Dass Reiden neuen Schulraum braucht, ist unbestritten. Die Planungsarbeiten dazu sind in vollem Gang. Die Gemeinde ist finanziell nicht auf Rosen gebettet. Weder dürfen wir der nächsten Generation einen riesen Schuldenberg hinterlassen, noch nur Provisorien umsetzen. Und den Investitionsbedarf auf die nächste Generation verschieben. Die Herausforderung wird also sein, eine stimmige Variante zu finden, die wir uns tatsächlich leisten können.

Strassenbau- und Kanalisationsprojekte dürften die Reider Finanzen auch belasten. Wie sehen Sie die Situation?

Steinmann: Einzelne Investitionen sind im Finanzplan ausgewiesen. Doch generell gilt für mich bei der aktuellen Ausgangslage der Gemeinde: Wir müssen das Wünschbare vom Notwendigen unterscheiden. Für «nice-to-have»-Projekte gibt es momentan keinen Spielraum. Deshalb hoffe ich, bei der Bevölkerung auch auf das nötige Verständnis zu stossen.

Am 1. September soll eine neue Gemeindeordnung in Kraft treten. Sie beinhaltet unter anderem den Wechsel auf das Geschäftsführermodell ...

Steinmann: Dieses Thema werde ich mit Hans Luternauer vordringlich anschauen. Ich will mir ein Bild davon machen, wie fix dieses Geschäft bereits ist. Oder ob die jetzige Exekutive es dem neu zusammengesetzten Gremium überlassen will, Details der Neuorganisation selber zu regeln. Da jedoch der Gemeinderat die Gemeindeordnung beschliesst, können wir jederzeit darauf zurückkommen.

Die Einbindung der IG Reiden in die politischen Prozesse gab in der Vergangenheit immer wieder zu Diskussionen Anlass. Man warf sich gegenseitig den Fehdehandschuh zu. Wie wollen Sie dies ändern?

Steinmann: Ich bin überzeugt, dass es in der Gemeinde viele politisch Interessierte gibt. Und zwar nicht nur in den Parteien oder in der IG. Das sind grundsätzlich gute Voraussetzungen für einen aktiven politischen Prozess. Deshalb möchte ich hier ein Fenster öffnen. Das könnte beispielsweise mittels eines Forums geschehen. Mir erscheint es wichtig, dass sich die Reider mit Sachgeschäften befassen und ihre Meinung nicht erst an der Gemeindeversammlung einbringen.

Die CVP ist weiter nicht im Rat vertreten. Sehen Sie die skizzierte Variante auch hier als mögliche Lösung?

Steinmann: Die CVP ist die grösste, nicht im Gemeinderat vertretene politische Kraft. Ich könnte mir vorstellen, dass sie sich auf diese Weise Gehör verschafft.

In der Gemeinde Reiden setzt man grosse Hoffnungen in Sie. Wie wollen Sie den Erwartungen gerecht werden?

Steinmann: Ich habe über alle Parteien hinweg Stimmen geholt und spüre viel Rückhalt in der Bevölkerung. Trotzdem begegne ich der Verantwortung mit grossem Respekt. Ich setze alles daran, die Erwartungen zu erfüllen. Vor allem ein ruhigeres politisches Klima liegt mir sehr am Herzen. Zudem müssen wir die Finanzen im Griff haben.

Wo liegen Ihre persönlichen Ziele?

Steinmann: Ich setze auf das Kollegialitätsprinzip. Im Gemeinderat soll eine offene, aber auch kritische und kompromissfähige Diskussionskultur herrschen. Einander zuhören und andere Meinungen respektieren, dies gehört dazu. Gefasste Beschlüsse sollen von allen gegen aussen mitgetragen werden. Wenn das Volk sagt: Es werde ein anderer politischer Stil gepflegt, habe ich ein weiteres Ziel erreicht. Um eine Kultur zu verändern, braucht es Jahre.

Hinweis

* Der Reider Beat Steinmann (47) ist mit Monika verheiratet. Er ist Vater von Nadine (18), Melanie (16) und Manuel (15). Steinmann ist Rechtsanwalt und arbeitet als Manager bei der AXA Winterthur. Politisch gehört er der FDP an.