REISEBUSSE: Vom «Lastwagen-Bus» zum Luxuscar

Früher reiste man noch deutlich unkomfortabler, wie ein Blick zurück zeigt. Mit Sitzbänken ausgestattete Lastwagen waren an der Tagesordnung.

Robert Knobel
Drucken
Teilen
ein notdürftig zum Car umgebauter Heggli-Lastwagen um 1925. (Bild: PD)

ein notdürftig zum Car umgebauter Heggli-Lastwagen um 1925. (Bild: PD)

Der offizielle Reisecar des FC Luzern. (Bild: PD)

Der offizielle Reisecar des FC Luzern. (Bild: PD)

Wenn sich die Spieler des FC Luzern im Mannschaftsbus mit Klimaanlage und viel Beinfreiheit zum Auswärtsspiel chauffieren lassen, denken sie wohl kaum daran, dass man noch vor wenigen Jahrzehnten von solchem Luxus nur träumen konnte. Anfang des letzten Jahrhunderts gab es noch gar keine Reisebusse – was nicht heisst, dass es auf der Strasse keine Massenverkehrsmittel gab. «Irgendwann hat man angefangen, auf den Lastwagen Sitzbänke zu montieren», erzählt Heinrich Heggli. Er ist Mitglied der Geschäftsleitung der Krienser Transportfirma Heggli AG. Diese feiert in diesen Tagen ihr 120-jähriges Bestehen. «Ich erinnere mich noch gut, wie jeweils mit dem Lastwagen Teigwaren für die Teigwarenfabrik Kriens transportiert wurden. Am Wochenende wurde dann derselbe Lastwagen für den Personentransport benutzt», sagt Heggli.

Von Beinfreiheit keine Spur

Zu diesem Zweck sei jeweils eine spezielle Karosserie mit Polsterbänken auf die Ladefläche gehievt worden. Von Beinfreiheit war dort allerdings keine Spur, wie das nebenstehende Bild von ca. 1925 zeigt. Die Passagiere waren ziemlich zusammengepfercht. Dennoch liessen es sich Vereine und Hochzeitsgesellschaften nicht nehmen, solche LKW-Busse für ihre Ausflüge zu nutzen. Bald aber genügte dies den Passagieren nicht mehr – die technische Entwicklung liess auch die Ansprüche steigen. «Jedes Transportunternehmen wollte das beste, schnellste und komfortabelste Fahrzeug haben», sagt Heinrich Heggli. Genau wie heute eben.

«Sicherheit ist ein grosses Thema»

Allerdings gewinnt man heute mit Komfort allein auch keine Kunden mehr. «Die Sicherheit ist seit einigen Jahren ein grosses Thema», sagt Heggli. Hier gelte es, stets auf dem neusten Stand der Technik zu bleiben. Elektronische Hilfsmittel hätten in den letzten Jahren stark zur Verbesserung der Sicherheit in den Reisebussen beigetragen. Das war auch nötig – schliesslich fahren heutige Busse mit 100 km/h etwa doppelt so schnell wie die «Lastwagen-Busse» von anno dazumal. Interessant ist auch die Entwicklung beim Treibstoffverbrauch. Ein heutiger Reisebus verbraucht etwa 30 bis 35 Liter auf 100 Kilometer. Das ist so viel wie drei Mittelklasse-Limousinen – also extrem sparsam im Verhältnis zur Anzahl transportierter Personen. Die früheren Busse aus der Anfangszeit verbrauchten zwar nicht unbedingt mehr, hatten allerdings wesentlich weniger Leistung.

Frau als Gründerin

Die Firma Heggli wurde am 18. Oktober 1894 gegründet, und zwar von Heinrich Hegglis Urgrossmutter. Eine Frau als Firmengründerin Ende des 19. Jahrhunderts? Was es damit genau auf sich hatte, kann leider nicht mehr eruiert werden. Klar ist hingegen, dass die Firma zunächst vor allem Transportdienste für die Bauern leistete. «Alle grossen Transportunternehmen sind aus der Landwirtschaft entstanden», erklärt Heinrich Heggli. Die Firma, die heute in der fünften Generation geführt wird, bot später auch diverse andere Dienstleistungen an – etwa die Post im Eigenthal zu verteilen, Ambulanz-Kutschen und sogar Leichentransporte. Um diese besonders würdig zu gestalten, wurden den Pferden jeweils die Haare schwarz gefärbt.

Offizieller Reisepartner des FCL

Heute hat die Heggli AG rund 200 Mitarbeitende, bietet Carreisen an, betreibt zwei Reisebüros und ist noch bis Ende Saison offizieller Reisepartner des FC Luzern und des Schweizer Fussballnationalteams. Zudem bietet das Unternehmen neben diversen anderen Dienstleistungen Muldenservice und Arbeitsbühnen an, und die Kehrichtfahrzeuge der Heggli AG sammeln seit Jahrzehnten in den Agglomerationsgemeinden Luzerns und mittlerweile bis in die Kantone Aargau, Schwyz und Zug auch den Abfall ein.

Weitere Beiträge zur Serie Früher – Heute

Alle bisher erschienenen Artikel zur Serie lesen Sie auf www.luzernerzeitung.ch/serien