Reisecars: Luzerner Lotsendienst ist jetzt ganz in privater Hand

Die Stadt zahlt nichts mehr an die Finanzierung der Lotsendienste beim Schwanen- und beim Löwenplatz. Firmen springen ein – nach harten Verhandlungen.

Stefan Roschi
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Der Löwenplatz gestern Nachmittag: In der Nebensaison ist es ruhig, die Reisecars haben genügend Platz. (Bild: Manuela Jans)

Der Löwenplatz gestern Nachmittag: In der Nebensaison ist es ruhig, die Reisecars haben genügend Platz. (Bild: Manuela Jans)

Die Stadt Luzern hat sich mit den Geschäften rund um den Löwenplatz geeinigt. Sie zahlen ab sofort den Verkehrsdienst für die neun Carparkplätze. Dies bestätigt Mario Lütolf, Leiter Stadtraum und Veranstaltungen. Somit kommt nun das gleiche System wie beim Schwanenplatz zur Anwendung, wo vor über einem Jahr die ansässigen Firmen die Finanzierung der Lotsen übernommen haben. 300'000 Franken zahlen die Geschäfte seither für Securitas-Mitarbeiter, welche den Verkehr regeln. An Spitzentagen halten am Schwanenplatz bis zu 275 Cars.

Bis Ende Jahr sind die Securitas-Leute von zwei Verkehrslotsen der Stadt unterstützt worden. Diese sind über Jahrzehnte sowohl beim Schwanen- als auch beim Löwenplatz eingesetzt worden. Doch im Rahmen des 4-Millionen-Franken-Sparpakets hat die Stadtverwaltung beschlossen, die Gelder für die Lotsendienste zu streichen – rund 160'000 Franken jährlich.

Securitas erhält den Zuschlag

Die Ankündigung der Stadt, sich aus dem Lotsendienst zurückzuziehen, kam letzten Sommer. Somit stellte sich die Frage nach der Finanzierung für den Löwenplatz, wo bislang einzig die Stadtlotsen im Einsatz standen. Also begannen Gespräche mit ansässigen Geschäften. Gleichzeitig wurde der Auftrag für den Verkehrsdienst öffentlich ausgeschrieben. Acht Unternehmen haben sich gemeldet. Den Zuschlag erhielt die Firma Securitas, welche den Dienst schon zuvor beim Schwanenplatz ausgeführt hat. «Securitas hat uns in allen bewerteten Punkten überzeugt», sagt Lütolf.

Die Kosten für den Dienst am Löwenplatz liegen bei rund 100'000 Franken jährlich. Mit den 300'000 Franken vom Schwanenplatz macht dies insgesamt 400'000 Franken, welche nun die Firmen bezahlen. Der Vertrag gilt bis auf weiteres und ist mit einer Kündigungsfrist versehen. Lütolf ist überzeugt: «Der professionelle Verkehrsdienst wird für einen reibungslosen Verkehrsablauf und die Sicherheit sorgen.» Dabei gelte es auch, Synergien zu nutzen. «Je nach Bedarf und Saison sollen die Leistungen dynamisch angepasst werden.»

Und so werden die Lotsen eingesetzt:

  • Schwanenplatz: Zwei bis drei Personen zu Spitzenzeiten in der Hauptsaison, also von April bis Oktober (8.30 bis 20 Uhr). Ansonsten reduzierter Einsatz.
  • Löwenplatz:Zwei Personen von Februar bis Oktober(zirka 14.30 bis 18.30 Uhr).

Nicht alle wollten zahlen

Erfahrungsgemäss sind Gespräche nicht ganz einfach, wenn es um Geldbeiträge geht. Dies trifft auch auf die Firmen und Geschäfte rund um den Löwenplatz zu. «Es waren durchaus harzige Verhandlungen», sagt Ivo Scala, Geschäftsführer der Swiss Lion AG. Er hat die Koordination beim Projekt übernommen und zeigt sich leicht enttäuscht, dass viele Geschäfte, die mit Touristen ihren Umsatz machen, nicht zahlen wollten. Den grössten Teil der 100 000 Franken würden nun die Swiss Lion AG und die Bijouterie Juwelia übernehmen. Allerdings habe es auch positive Überraschungen gegeben. «Es haben sich einige Unternehmen beteiligt, die ich gar nicht auf der Liste hatte.» Scala betrachtet die finanzielle Übernahme des Lotsendienstes als ein Bekenntnis zu den Carparkplätzen am Löwenplatz. «Ich finde es nötig, dass wir in dieser Sache Goodwill zeigen.»

Die Finanzierung ist nicht die einzige Sache, die beim Löwenplatz ändert. Künftig sollen die Cars nur noch eine halbe Stunde parkieren dürfen statt eine Stunde. Damit will die Stadt die Frequenz erhöhen und gefährliche Haltemanöver mitten auf der Strasse verhindern.