REKONSTRUKTION: Freikirche rüstet sich für die Zukunft

Die Markuskirche an der Luzerner Haldenstrasse soll umfassend saniert werden. Ziel ist, das Gotteshaus in seinen ursprünglichen Zustand aus dem Jahr 1898 zurückzuversetzen. Das freut auch die Denkmalpflege.

Robert Knobel
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Pastor Marek Kolman in der Markuskirche, die nächstes Jahr umgebaut wird. (Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 20. Dezember 2016))

Pastor Marek Kolman in der Markuskirche, die nächstes Jahr umgebaut wird. (Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 20. Dezember 2016))

Robert Knobel

robert.knobel@luzernerzeitung.ch

Wer auf der Haldenstrasse Richtung Verkehrshaus fährt, kann sie leicht übersehen: die Markuskirche, die sich gegenüber dem Casino zwischen die Häuser schmiegt. Vielen Luzernern ist sie auch als «Englische Kirche» ein Begriff. Tatsächlich wurde das Gotteshaus 1898 für die Anglikanische Kirche errichtet – als Antwort auf die wachsende Zahl an Touristen aus England. Zu ihren besten Zeiten zählte die Anglikanische Gemeinde Luzern 3000 Mitglieder. Heute gehört die Kirche zur «BewegungPlus Schweiz», einem Verbund von Freikirchen in der Schweiz (siehe Box). Dieser zählt rund 5000 Mitglieder, davon 250 in Luzern.

Trennwände sollen verschwinden

Nun soll die Markuskirche umfassend saniert werden. «Wir stossen mit den heutigen Räumlichkeiten an unsere Grenzen», sagt Marek Kolman, Pastor der Markuskirche. Damit meint er nicht nur die «leicht wachsende» Gemeinde. Insbesondere die Gottesdienstformen hätten sich gewandelt, was auch eine andere Infrastruktur voraussetze. «Wir haben erkannt, dass der informelle Teil nach dem Gottesdienst immer wichtiger wird. Ja, eigentlich ist das Chilekafi ein wesentlicher Bestandteil des Gottesdienstes selber», sagt Kolman. Deshalb sollen die Räume künftig grösser und flexibler werden.

Das ist auch ganz im Sinne der Stadt Luzern. Die Markuskirche steht nämlich unter Denkmalschutz und war ursprünglich als einziger grosser Kirchenraum konzipiert. Später wurden Trennwände zugefügt. Mit dem Umbau soll die Markuskirche also wieder näher an den ursprünglichen Zustand versetzt werden. Im Zuge des Projekts soll der Kirchenbau auch einer generellen Sanierung unterzogen werden – die letzte grössere Renovation liegt über 30 Jahre zurück.

Herzstück des Umbaus ist eine mehrstöckige, halbtrans­parente Begegnungsinsel, welche in den hinteren Kirchenraum eingefügt wird. Hier finden eine Küche samt Servicestation, ein neuer Kinderhort, ein Mehrzweckraum und mehrere Übersetzerkabinen Platz. Die Gottesdienste werden nämlich jeweils simultan übersetzt. Allerdings nicht etwa auf Englisch, sondern meist von Schweizerdeutsch auf Hochdeutsch.

Die Umbaukosten belaufen sich auf rund 600 000 Franken. Davon will die Freikirche 150 000 Franken aus Spenden ­finanzieren, den Rest aus Darlehen und Bankkrediten. Die Mitglieder sollen allerdings nicht nur spenden, sondern auch selber mit anpacken und sich an den Umbauarbeiten beteiligen. Marek Kolman hofft, dass die Rechnung durch diese Eigenleistungen um rund 50 000 Franken entlastet wird. Geht alles nach Plan, werden die Arbeiten im kommenden Sommer beginnen. Im Oktober soll dann die umgebaute Kirche neu eröffnet werden.

Gottesdienste mit Band

Die Markuskirche (ursprünglich St. Marks Church) wurde 1984 von der «Gemeinde für Urchristentum» gekauft. Später wurde die Gemeinschaft in «Markuskirche Luzern» umbenannt. Sie ist Teil von «BewegungPlus Schweiz», einem Verbund von charismatischen Freikirchen. «BewegungPlus» gehört der Schweizerischen Evangelischen Allianz (SEA) an, zu der unter anderem auch die Reformierte Kirchgemeinde Luzern gehört. In der Markuskirche finden jeden Sonntag Gottesdienste statt, meist auch unter Einbezug einer Band. Zudem bietet die Gemeinde spezielle Angebote, etwa für Kinder, Jugendliche, Männer und Senioren an.