Rekordsommer
Luzerner Tourismusdirektor umgarnt Schweizer Gäste: «Für sie braucht es mehr als der Gang über die Kapellbrücke»

2020 war für die Luzerner Hotels wegen fehlenden Touristen aus dem Ausland ein historisch schlechtes Jahr. Die Schweizer Gäste hingegen kamen im letzten Sommer so zahlreich wie nie. Der Luzerner Tourismusdirektor Marcel Perren fokussiert sich deshalb auch heuer auf sie.

Lukas Nussbaumer
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Die Hotels und Kurbetriebe im Kanton Luzern zählten im vergangenen Jahr etwas über 1 Million Logiernächte. Das entspricht gegenüber dem Vorjahr einem Minus von 52,4 Prozent:

Logiernächte in Hotels im Kanton Luzern

in Millionen
Schweizer Gäste
Gäste aus dem Ausland
201220132014201520162017201820192020Jahr0,00,51,01,5

Dies teilte Lustat Statistik Luzern am Dienstag gestützt auf Zahlen des Bundesamts für Statistik mit. Seit Beginn der Erhebungen im Jahr 1992 wurden im Kanton Luzern noch nie so wenig Übernachtungen gezählt.

Grund für den historischen Einbruch sind die wegen der Coronapandemie ausbleibenden Touristen aus dem Ausland. Der Rückgang von 1,2 Millionen Gästen entspricht einer Abnahme von 77,8 Prozent. Besonders markant war der Rückgang mit 92,9 Prozent bei den Amerikanern. Bei Touristen aus dem asiatischen Raum betrug der Einbruch 90,3 Prozent, bei solchen aus Europa vergleichsweise tiefe 50,5 Prozent. Die mit Abstand grösste Gruppe von ausländischen Touristen stammte mit einem Anteil von 33,5 Prozent aus Deutschland, gefolgt von Holländerinnen und Holländern (6,7 Prozent).

Wenig Besucherinnen und Besucher beim Löwendenkmal: Besonders die Gäste aus den USA und China blieben 2020 aus.

Wenig Besucherinnen und Besucher beim Löwendenkmal: Besonders die Gäste aus den USA und China blieben 2020 aus.

Bild: Urs Flüeler / Keystone (Luzern, 13. Juli 2020)

Zwischen Juli und Oktober gab es Rekordwerte

Auf hohem Niveau stabil blieb hingegen die Zahl der Schweizer Gäste. Sie lag nur unwesentlich unter dem Rekordwert von 2019. Zwischen dem Juli und Oktober wurden sogar Rekordwerte erreicht. Den Höchstwert verzeichneten die Statistiker im Juli, wo 110 400 Übernachtungen registriert wurden. Der Anteil der Schweizerinnen und Schweizer an den Logiernächten betrug über das ganze Jahr hinweg betrachtet 68,7 Prozent. Im Jahr zuvor machten einheimische Gäste lediglich einen Drittel des gesamten Aufkommens aus.

Besonders stark betroffen vom letztjährigen Krisenjahr war die Stadt Luzern, wo der Rückgang 64,9 Prozent betrug. Die Regionen Michelsamt-Surental und Entlebuch waren mit Einbussen von 5,7 beziehungsweise 9,8 Prozent wenig betroffen von der Pandemie. Das Entlebuch war auch die Region mit dem tiefsten Anteil an ausländischen Gästen: Er lag bei 7,9 Prozent.

Nach der Stadt Luzern mit fast der Hälfte aller Übernachtungen folgen die Gemeinden Weggis (160 500), Vitznau (58 100) und Kriens (45 700). Als Folge der ausbleibenden Touristenströme aus dem Ausland sackte die Zimmerauslastung auf 30,8 Prozent ab. 2019 lag diese noch bei 57,6 Prozent. 2020 waren im ganzen Kanton durchschnittlich 172 Hotels und Kurbetriebe geöffnet.

Sonderangebote für einheimische Gäste

Laut dem Luzerner Tourismusdirektor Marcel Perren wird auch das laufende Jahr ein schlechtes. Das Gästeaufkommen werde ähnlich tief sein, auch wenn der Rückgang in der Stadt Luzern etwas weniger markant ausfallen dürfte. Für Perren und sein Team heisst dies: Fokussierung der Marketingaktivitäten auf Gäste aus der Schweiz und besonders aus der Westschweiz. Angelockt werden sollen die einheimischen Touristen etwa mit dem Fernwanderweg «Tell-Trail». Oder dem «Steilpass für Geniesser», der Rabatte auf den Tell-Pass und die City-Card Luzern beinhaltet sowie Ideen liefert für über 100 Reisen in der Region Luzern. Marcel Perren:

«Die Schweizer wollen etwas Spezielles. Für sie braucht es mehr als der Gang über die Kapellbrücke.»
Schweizer Wanderer unterwegs auf der Rigi mit Blick auf Rigi Kulm.

Schweizer Wanderer unterwegs auf der Rigi mit Blick auf Rigi Kulm.

Bild: Pius Amrein (Rigi, 11. Oktober 2020)

Zahlen über die aktuellen Buchungsstände in den Hotels oder zur Auslastung über Ostern hat Luzern Tourismus nicht. Festzustellen sei aber, dass Buchungen sehr kurzfristig erfolgen würden. «Den Gästen ist es auch wichtig, dass sie bei einer Änderung der epidemiologischen Lage kurzfristig stornieren können», so Perren.

Je weiter die Reise, desto höher die Ausgaben

Ernüchternd seien die mittel- und langfristigen Prognosen. «Die Fernmärkte werden sich wohl erst ab 2023 nachhaltig erholen. Deshalb rechnen wir frühestens 2024 mit Logiernächtezahlen wie 2019.» Die Stimmung unter den Hoteliers und Wirten sei wegen der grossen Planungsunsicherheiten nicht so gut, viele würden nun von ihren Reserven zehren.

Verstärkt werden die finanziellen Auswirkungen des massiven Gästerückgangs laut Perren noch durch die tiefere Ausgabefreudigkeit der Schweizer Gäste. Denn grundsätzlich würden die Ausgaben mit der Weite der Anreise ansteigen.