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RELIGION: Als in Luzern noch Kirchen gebaut wurden

Vor 50 Jahren wurde die Kirche St. Michael im Sternmatt-Quartier eröffnet. Sie war damals eine der modernsten Kirchen in Luzern – und ist es bis heute geblieben.
Sandra Monika Ziegler
Links: (Bild: Pfarrei St. Michael)

Links: (Bild: Pfarrei St. Michael)

Sandra Monika Ziegler

sandra.ziegler@luzernerzeitung.ch

Sie ist nach der 1970 eingeweihten Johanneskirche im Würzenbach das neuste katholische Gotteshaus in Luzern: die Kirche St. Michael an der Rodteggstrasse im Sternmatt-Quartier. 1967 wurde sie erbaut, dieses Jahr wird ihr 50-Jahr- Jubiläum gefeiert.

Rückblick: Anfang des letzten Jahrhunderts war das Gebiet noch von Landwirtschaft geprägt und umfasste nebst einem guten Dutzend Bauernhöfe auch einige Herrschaftssitze. Einzig das Gebiet entlang der Sternmattstrasse und das sogenannte «Eisenbahnerdorf» waren dichter besiedelt, ansonsten bestand die Umgebung vor allem aus üppigen Obstbäumen und saftigen Wiesen.

Die explosionsartige Stadtentwicklung erreichte bald auch diese Gegend, heisst es in der Festschrift zum 20-Jahr- Jubiläum der Kirche aus dem Jahr 1987. Die Siedlungen Sternmatt, Rodtegg, Hochrüti, Geissenstein und Biregg begannen zu boomen. Deshalb wollte die Katholische Kirchgemeinde die Seelsorge für die dortige Bevölkerung sicherstellen – mit einem neuen Gotteshaus. So sicherte sich der Kirchenrat in weiser Voraussicht bereits im Jahr 1957 von der Familie Meyer auf Rodtegg 6600 Quadratmeter Bauland – zum Preis von 366 000 Franken. Dort wollten sie ein Kirchenzentrum mit Kirche, Pfarrhaus, Pfarreiräumen und einem Wohnhaus bauen. 1965 kam es zur Abstimmung. Dem Kreditbegehren für den Bau in der Höhe von 5,1 Millionen Franken stimmten 2400 Kirchgemeindemitglieder zu, 452 lehnten es ab.

Geldsammlung mit «Michaels-Määs»

Durch den geplanten Bau der Kirche St. Michael kam reges Leben unter die Bevölkerung. So wurde die siebte Pfarrei der Katholischen Kirchgemeinde der Stadt Luzern gegründet. Den Gläubigen war es wichtig, auch selber Geld zum Bauprojekt beizusteuern. Deshalb organisierte ein 26-köpfiges Komitee 1965 die «Michaels-Määs» mit Rahmenveranstaltungen, etwa einer lukrativen Aktion im und um das Paulusheim. Denn die «Michaels-Määs» sollte nicht nur ein Quartierfest, sondern eine Art Markt für die ganze Stadt werden. Dafür standen 210 Personen im Einsatz. Das Komitee erhoffte sich aus den Erträgen des Anlasses einen Zustupf von 50 000 Franken. Der zwei Tage dauernde Grossanlass war ein voller Erfolg und spülte gar 154 000 Franken in die Kasse der Kirchgemeinde.

Für den Bau wurde alsbald ein Architekturwettbewerb ausgeschrieben. Von den 23 eingereichten Projekten schaffte es jedoch keines in die Endauswahl. So wurden erneut sieben Architekten angeschrieben. Den Zuschlag für das Projekt erhielt am Ende Hanns A. Brütsch (1916–1997). Der Architekt gilt unter den Kirchenbauarchitekten als Erneuerer des modernen Kirchenbaus. Er realisierte einen markanten Betonbau. Markant ist auch die Kunst am Gotteshaus. So ist die Bronzeplastik des Wiener Künstlers Fritz Wotruba (1907–1975) als Blickfang gleich beim Eingang im Innenhof des Kirchenzentrums zu entdecken. Der Künstler habe ihr keinen Namen gegeben, steht in der Festschrift zum 20-Jahr-Jubiläum. Doch sie soll, so der Schöpfer, «zeitlos und doch unübersehbar gegenwärtig wirken». Wotruba war auch für die künstlerische Ausgestaltung im Innern mitverantwortlich und positionierte Altar, Ambo (das Redner-Podium) und Tabernakel (darin werden Hostien aufbewahrt). Die ansonsten kunstfreien Innenräume wurden erst 1980 durch die goldgelben Wandmalereien der Herabkunft Christi von Ferdinand Gehr (1896-1996) ergänzt. Auf der anderen Seite ist die in Weiss gehaltene Darstellung Gehrs vom Abendmahl zu sehen.

Dass die Kirche St. Michael eine der letzten war, die in Luzern gebaut wurden, hängt mit der sinkenden Mitgliederzahl zusammen. Heute realisiert die Katholische Kirchgemeinde Luzern Wohnüberbauungen auf Grundstücken, die einst als Reserven für Kirchen erworben worden waren – etwa im Gebiet Ausserschachen in Ebikon (Ausgabe vom 31. Dezember 2016). Die Pfarrei St. Michael zählte bei ihrer Gründung 6800 Gläubige. 1987 waren es noch 4000, davon gut die Hälfte über 50 Jahre alt. Innerhalb der ersten zwanzig Jahre haben sich auch die Taufen reduziert, von anfänglich 100 pro Jahr, waren es 1987 noch 20. Vor fünf Jahren fusionierten die beiden Pfarreien St. Anton und St. Michael. Heute zählt die Doppelpfarrei an die 9000 Mitglieder. Davon gehören 2886 zum Gebiet der alten Pfarrei St. Michael.

Am morgigen Festgottesdienst wird der neue Pfarreileiter Thomas Lang die Nachfolge von Reto Kaufmann antreten. Er leitet künftig die Pfarrei St. Anton/St. Michael. Die Stelle war rund ein Jahr vakant. Thomas Lang (44) ist verheiratet und Vater dreier Kinder. Er war seit 2002 Pastoralassistent in der Pfarrei St. Leodegar und in den Jahren 2006 bis 2013 Seelsorger der Luzerner Polizei und der Feuerwehr Stadt Luzern.

Hinweis

Das Kirchenfest beginnt am Sonntag um 10 Uhr mit dem Festgottesdienst.

Josef Alois Beck, Propst des Chorherrenstifts St. Leodegar im Hof, weiht die fünf neuen Glocken für die Kirche St. Michael. Damals trug der Propst von St. Leodegar die gleichen Insignien wie ein Bischof: Mitra, Stab und Ring. (Bild: Pfarrei St. Michael)

Josef Alois Beck, Propst des Chorherrenstifts St. Leodegar im Hof, weiht die fünf neuen Glocken für die Kirche St. Michael. Damals trug der Propst von St. Leodegar die gleichen Insignien wie ein Bischof: Mitra, Stab und Ring. (Bild: Pfarrei St. Michael)

Die Weihe fand im Oktober 1967 statt und war ein grosses Fest. (Bild: Pfarrei St. Michael)

Die Weihe fand im Oktober 1967 statt und war ein grosses Fest. (Bild: Pfarrei St. Michael)

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