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RELIGION: Buddhas Lehre – vom Kopf ins Herz

Seit 25 Jahren wird in Luzern der «Diamantweg» des tibetischen Buddhismus praktiziert. Ueli Sägesser (58) hat gefunden, was er lange gesucht hatte.
Pirmin Bossart
Ueli Sägesser hat vor vielen Jahren zum Buddhismus gefunden, aus dem er viel Kraft schöpft.

Ueli Sägesser hat vor vielen Jahren zum Buddhismus gefunden, aus dem er viel Kraft schöpft.

Pirmin Bossart

redaktion@luzernerzeitung.ch

Jeden Montag treffen sich rund 20 Mitglieder der Sangha – einer buddhistischen Gemeinschaft – zu einem Vortrag und zur Meditation im Buddhistischen Zen­trum Luzern. «Wir sind als Verein organisiert und machen alles ehrenamtlich», sagt Ueli Sägesser. Der Willisauer praktiziert seit 23 Jahren den «Diamantweg» der Karma-Kagyü-Linie. Sie ist eine der vier Hauptlinien des tibetischen Buddhismus, hat sich vor rund 900 Jahren in Tibet entwickelt und ist heute auf der ganzen Welt verbreitet.

Als Familienvater und Sozialpädagoge brauche er etwas, das Hand und Fuss habe und im Alltag umgesetzt werden könne, sagt Sägesser auf die Frage, warum er sich für diesen spirituellen Weg entschieden habe. Er wurde christlich erzogen, doch das Christentum hat ihn «weder emotional noch von der Logik her» abholen können. «Ich bin immer ein Suchender gewesen. Fast 20 Jahre lang habe ich alles ausprobiert, was es an Wegen und Techniken gibt, von Bio­energetik bis Schamanismus. Ich wollte es einfach wissen.»

Der Diamantweg lässt sich gut integrieren

Den Sinn fand er vor 23 Jahren bei den Vorträgen und Meditationen im Buddhistischen Zen­trum Luzern. Er war schnell angetan. «Endlich verstand ich, was diese Lehrer mir sagten. Ich hatte ein Ziel, aber lernte auch die Mittel und eine nachvollziehbare Logik kennen.» Sägesser gefällt an diesem Weg, dass man alles hinterfragen darf und sich die Lehre gut in den Alltag integrieren lässt. «Ein wichtiger Bestandteil ist die Meditation. Sie sorgt dafür, dass das Wissen vom Kopf ins Herz rutscht.»

Buddha hat vor 2600 Jahren gelehrt, dass das Leben seine tiefgreifenden Unzulänglichkeiten hat («Leben ist Leiden»). Diese entstehen im Wesentlichen aus Anhaftung, Abneigung und Unwissenheit. Man kann hundert Bücher lesen über den Buddhismus, ohne die Praxis der Meditation bleibt die Essenz auf der Strecke. Dabei reichen die buddhistischen Methoden der Praxis von der nüchternen Zen-Schule bis zu den mystisch geprägten Traditionen des tibetischen Buddhismus.

Das Buddhistische Zentrum Luzern ist dem «Diamantweg» verpflichtet, wie ihn der Däne Ole Nydahl für den Westen neu aufbereitet hat. 1969 hatten Nydahl und seine Frau in Kathmandu den 16. Karmapa kennen gelernt, das Oberhaupt der Kagyü-Linie. Sie wurden seine engsten Schüler und 1972 von ihm beauftragt, seine Lehre in Europa zu vermitteln und Zentren für den Diamantweg-Buddhismus zu bauen. «Dabei ging es explizit auch darum, den Buddhismus in ein westliches Gewand zu kleiden», erläutert Sägesser und zitiert sinngemäss Ole Nydahl: «Wir wollten nur den Kern der buddhistischen Lehre und nicht die ganze tibetische Kultur rundherum.»

Oberster Lehrer sorgt für Schlagzeilen

Zur Essenz gehören die sogenannten Grundübungen, ein Set aus vier verschiedenen Meditationsübungen, die jeweils 111 111 mal wiederholt werden. «Wenn man täglich eine Stunde diese Praxis macht, braucht man gut drei Jahre nur für die Grundübungen. Das ist für mich nicht Buddhismus light», sagt Sägesser in Anspielung auf die bisweilen geäusserten Vorbehalte, dass Lama Ole Nydahl die buddhistische Tradition eher salopp und verwässert im Westen vermittle.

Ole Nydahl ist in den letzten Jahren aufgrund des Kults um seine Person und seiner islamophoben Äusserungen für die Medien zu einem Reizthema mit negativen Schlagzeilen geworden. Wie geht sein Schüler damit um? «Nydahl kritisiert das System des Islam, weil er es als bedrohend für die persönliche Freiheit, die Entwicklungsmöglichkeiten und die Grundwerte empfindet, wie wir sie hier im Westen leben», sagt Sägesser.

Er selber teile nicht alle Ansichten seines Lehrers. Den Personenkult nimmt er zähneknirschend hin, weil das offenbar ­unvermeidlich sei. Sägesser bezeichnet sich als kritischen Geist. Er habe sein Vertrauen zu Lama Ole Nydahl zehn Jahre lang überprüft, bis er überzeugt war. «Ich habe ihn als sehr transparent und authentisch erfahren und ihn auf einer Reise quer durch Russland auch in extremen Situationen erlebt. Er war immer unerschütterlich, froh und zutiefst mit­fühlend.» Er lebe wirklich die ­Buddha-Qualitäten. «In dieser Beziehung ist er für mich ein Lehrer, ein Vorbild.»

Sich mit positiven Eigenschaften identifizieren

Für die Diamantweg-Mitglieder gelten Furchtlosigkeit, Freude und tatkräftiges Mitgefühl als die vollkommenen Eigenschaften des Buddhas, denen sie nachstreben. «Auf diese Eigenschaften suchen wir uns in der Meditation immer wieder einzustellen und uns damit zu identifizieren, bis man sie als eigene Eigenschaften erkennen, verankern und in den Alltag einfliessen lassen kann.»

Die Praxis des Diamantweges habe ihm geholfen, Sachen nicht mehr so persönlich zu nehmen und mit einer neuen Leichtigkeit durch das Leben zu gehen, sagt Sägesser. «Ich bin deswegen nicht der Meinung, dass der Buddhismus der einzige Weg sei, um sich persönlich zu entwickeln. Aber für mich ist es das Beste, was mir passieren konnte.»

Anlässe

Am Samstag, 23.9.2017, ist im Buddhistischen Zentrum Luzern (Rössligasse 14) Tag der offenen Tür von 10 bis 16 Uhr, Einführungsvortrag jeweils 11 und 14 Uhr. Ebenda findet am 21./22. Oktober von 10 bis 16 Uhr eine Statuenausstellung statt.

Am 21. Oktober um 19.30 Uhr gibt es im Romero-Haus Luzern (Kreuzbuchstr. 44) einen öffentlichen Vortrag. Weitere Informationen: www.buddhismus.org/buddhismus-zentrum/luzern. (red)

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