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RELIGION: Eritreer finden in Luzerner Kirchen Halt

In der neuen Heimat kann der Glaube für Flüchtlinge besonders wichtig sein. Die Christen unter ihnen feiern gleich in mehreren Luzerner Kirchen Gottesdienste. Auch, weil sie sich uneinig sind.
Gabriela Jordan
Eritreische Christen pflegen auch in der Fremde ihren Glauben – hier an einem Gottesdienst in Unterägeri. (Archivbild Stefan Kaiser)

Eritreische Christen pflegen auch in der Fremde ihren Glauben – hier an einem Gottesdienst in Unterägeri. (Archivbild Stefan Kaiser)

Für viele Menschen ist das Wort «Flüchtling» inzwischen fast zu einem Synonym für «Muslim» geworden. Bei Afghanen und Somaliern mag dies zutreffen, für Eritreer und Syrer stimmt es allerdings nicht. Hierzulande leben mittlerweile etwa 30 000 Eritreer und Eritreerinnen, die mehrheitlich Christen sind. In Eritrea selbst besteht die Bevölkerung zu fast gleichen Teilen aus Muslimen und Christen. In Syrien bilden Christen gegenüber den Muslimen zwar eine Minderheit, dennoch gehört etwa jeder Zehnte dem christlichen Glauben an.

Durch ihre Tradition sowie ihre Fluchterfahrung sind die meisten Eritreer sehr gläubig. Nicht selten sind die Kirchen bei Gottesdiensten der eritreischen christlichen Gemeinschaften zu klein – in einer Zeit, in denen die Kirchenbänke ansonsten immer spärlicher besetzt sind.

Eritreer erhalten Gastrecht

Doch wo genau beten die eritreischen Christen, die hier in Luzern leben? Es gebe bereits Vereinzelte, die Schweizer Gottesdienste besuchen würden, sagt Samuel Behloul, Nationaldirektor von Migratio, der katholischen Seelsorge für Anderssprachige in der Schweiz. Die meisten gingen jedoch in Feiern, die ein eritreischer Pfarrer halte. In mehreren Kirchen in der Region haben Eritreer dafür ein Gastrecht. Dabei muss zwischen eritreisch-orthodoxen Christen und eritreischen Katholiken unterschieden werden. Wie viele der über 2000 Eritreer in Luzern welcher Konfession angehören, lässt sich nicht genau beziffern. Behloul zufolge ist mit etwa 5 Prozent jedoch nur eine Minderheit der eritreischen Christen in der Schweiz katholisch. 95 Prozent sind orthodox.

Bis zu 400 Besucher

Die orthodoxen Eritreer halten Gottesdienste in den Pfarreien St. Karl, Luzern, Bruder Klaus in Kriens und Bruder Klaus in Emmenbrücke. In der Kirche St. Karl zum Beispiel predigt der Priester Muluebrhan Temesghen jeden Samstag vor etwa 50 Gläubigen. Zu Nachtgottesdiensten kommen bis zu 400 Eritreer. In Emmen und Kriens bewegen sich die Zahlen im ähnlichen Rahmen. Die eritreischen Katholiken treffen sich in der Pfarrei St. Franziskus in Kriens, Predigten finden allerdings nur einmal im Monat statt.

Konflikt in orthodoxer Diaspora

«Ich finde es bemerkenswert, welch enorme Integrationsarbeit diese Glaubensgemeinden leisten», sagt Nicola Neider, Bereichsleiterin Migration der Katholischen Kirche Stadt Luzern. In ihrer neuen Heimat geben die christlichen Gemeinschaften den Flüchtlingen Halt – eine heile Welt sind sie allerdings nicht: Ursprünglich war die Kirche Bruder Klaus in Emmenbrücke das gemeinsame Zuhause der eritreisch-orthodoxen Diaspora – bis im Jahr 2010 ein Konflikt zwischen regimetreuen und regimekritischen Orthodoxen eskalierte. Dieser flammte auf, als ein Vertreter der eritreischen Botschaft angereist war, um die Gemeinde zur Loyalität gegenüber dem Militärregime zu verpflichten (wir berichteten).

Nach Schlägereien, Polizeieinsätzen und Strafanzeigen spaltete sich die Gemeinde. Die regimekritische Gruppe trifft sich nunmehr im St. Karl. Die Regimetreuen kehrten 2013 nach Emmenbrücke zurück und feiern seit 2014 zudem in Kriens Gottesdienste. Neider zufolge leben die beiden Gruppen heute friedlich nebeneinander. «Es gibt keine Probleme mehr, jedoch auch keine gemeinsamen Projekte.» Gelöst sei der Konflikt aber noch nicht.

Weniger katholische Messen

Die Messen für die eritreischen Katholiken liest der eritreische Priester Mussie Zerai, den das «Time Magazine» wegen seines Einsatzes für seine Landsleute erst kürzlich zu den 100 einflussreichsten Menschen der Welt zählte (siehe Ausgabe vom 31. Juli). Als einziger eritreisch-katholischer Pfarrer in der Schweiz führt er an den Wochenenden jeweils mindestens vier Messen in verschiedenen Städten durch. Daneben leitet er auch «Heilungsgottesdienste». Diese sollen den Menschen helfen, die Flucht und andere Traumata zu überwinden. Mussie Zerai: «Meine Landsleute hier haben alle eine ähnliche Geschichte. Es hilft, zusammen zu beten und über die Erfahrungen zu reden.» Ihm zufolge kommen jeweils zwischen 50 und 100 Leute in die Messe.

Eritreische Katholiken besuchen laut Behloul von Migratio eher auch ­Schweizer Gottesdienste, als dies Orthodoxe tun. Aus zweierlei Gründen: Die Glaubensgemeinde ist noch im Aufbau, und nicht jede Woche findet in der Region ein Gottesdienst statt. Wöchentliche Gottesdienste finden zwar in anderen Städten wie Zürich oder Bern statt. Eritreische Flüchtlinge in der Schweiz sind jedoch meist arme Leute, die sich nicht einfach so ein Zugbillett leisten können.

Die katholischen Eritreer würden jedoch auch deshalb Schweizer Messen besuchen, um in Kontakt mit einheimischen Katholiken zu kommen.

Wichtiges Zentrum in Arth

Auch unter den rund 900 in Luzern lebenden Syrern gibt es Christen. Verglichen mit der Glaubensstruktur in Syrien sind – ähnlich wie bei Eritreern und Irakern – überproportional viele syrische Christen in die Schweiz geflüchtet, wie Behloul sagt. Ihm zufolge ergriffen viele von ihnen die Flucht, als im Jahr 2014 die Terrormiliz Islamischer Staat die irakische Stadt Mossul eroberte. Bis dahin lebten dort die meisten Christen Iraks (etwa 35 000).

Die meisten syrischen Christen weilen deshalb noch nicht allzu lange in der Schweiz und wohnen oft noch in Asylzentren. Dort kümmert sich häufig ein schweizerischer Seelsorger um sie. Eine syrisch-christliche Gemeinde gibt es in Luzern deshalb noch nicht. Doch für diejenigen, die bereits etwas länger hier leben und der syrisch-aramäischen Kirche angehören, ist das frühere Kapuzinerkloster in Arth (Schwyz) mittlerweile ein wichtiger Versammlungsort geworden.

Gabriela Jordan

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