RELIGION: Gehören Kreuze in Friedhofshallen?

Die Abdankungshalle im Luzerner Friedental wird künftig religionsneutral gestaltet. Das bringt die Kirchen in ein Dilemma.

Matthias Stadler
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In der Abdankungshalle in Kriens (links) wird auf religiöse Symbole verzichtet. (Bild Corinne Glanzmann)

In der Abdankungshalle in Kriens (links) wird auf religiöse Symbole verzichtet. (Bild Corinne Glanzmann)

Matthias Stadler

Die Einsegnungs- und die Abdankungshalle im Friedhof Friedental sind heute mit christlichen Symbolen geschmückt. Künftig sollen sie in einem «konfessionslosen und neutralen Erscheinungsbild» gehalten werden, wie es im Bericht des Stadtrats zur Friedhofsanierung heisst (Ausgabe von gestern). Heute würden die christlichen Symbole regelmässig für negative Reaktionen bei Angehörigen sorgen, so die Begründung. Ein Antrag der städtischen CVP, die christlichen Symbole in den Hallen zu belassen, fand am Donnerstag im Grossen Stadtrat keine Mehrheit.

«Entscheid tut auch weh»

Stadtgärtner Cornel Suter erklärt, dass eine Gipsplatte die Wandgemälde künftig abdecken soll. «Die Gemälde werden also quasi unsichtbar gemacht, aber nicht entfernt.» Der Erhalt der Gemälde sei auch aus denkmalpflegerischen Gründen sinnvoll. Bei den Kirchen löst der Entscheid der Stadt zwiespältige Gefühle aus. Marlene Odermatt, Präsidentin des Kirchenvorstands der Reformierten Kirche Luzern, sagt: «Für mich ist es nachvollziehbar, dass man einen neutralen Ort gestalten will. Aber der Entscheid tut schon auch weh.» Die christlichen Symbole stünden für die Herkunft der Gesellschaft. «Andererseits bin ich mir bewusst, dass sich diese Gesellschaft verändert. Und schliesslich haben nicht nur Christen Anrecht auf diesen Saal.» Es sei auch eine Wertschätzung gegenüber anderen Personen. Eine ideale Lösung gibt es laut Odermatt nicht, denn: «Es ist ein emotionales Thema. Bei hundert Personen gibt es hundert verschiedene Meinungen.»

Edi Wigger, Synodalverwalter der römisch-katholischen Landeskirche des Kantons Luzern, sagt: «Wir können nachvollziehen, dass man einen Raum, der Menschen unterschiedlicher Religionen offensteht, nicht auf eine Religion ausrichten will – auch weil hier der Staat zuständig ist.» Werden hingegen Räume der Kirche für Abschiedsfeiern beansprucht, stehe eine Umgestaltung nicht zur Diskussion. «Sollte zudem die Diskussion darauf ausgeweitet werden, christliche Symbole im öffentlichen Raum zu entfernen, hätten wir dafür kein Verständnis», sagt Wigger.

In Kriens ist die Abdankungshalle auf dem Friedhof Anderallmend seit Jahren neutral gehalten, wie Gemeindepräsident Cyrill Wiget erklärt. «Das hat sich so ergeben und war noch nie ein Problem.» Einzig in den Aufbahrungsräumen habe es ein Kreuz, was aber auch noch nie zu Diskussionen geführt habe. Ähnlich verhält es sich in Emmen. Gemeinderat Urs Dickerhof erklärt, dass es in der Abdankungshalle auf dem Friedhof Gerliswil keine religiösen Symbole hat. Einzig über dem Eingang hänge ein Kreuz. «Wir hatten bis jetzt nullkommanull negative Reaktionen.» In Horw gibt es keine Abdankungshalle, sondern nur eine Aufbahrungshalle. In dieser sind christliche Symbole enthalten, allerdings hat es laut Gemeindeschreiber Daniel Hunn noch nie Probleme deswegen gegeben.

Neutrale Halle auch in Sursee?

In Sursee hingegen ist das Thema aktuell. So sagt Marcel Büeler, Friedhofsverwalter der Stadt, dass zurzeit Diskussionen stattfinden, wie der Abdankungsraum künftig gestaltet werden sollte. Das Gebäude steht auf dem Friedhof Däger­stein und ist laut Büeler über 30 Jahre alt. In den nächsten Jahren soll die Einrichtung angepasst werden, da diese «in die Jahre» gekommen sei. Momentan stehen im Raum römisch-katholische Symbole. «Wir diskutieren nun, ob der Raum ohne religiöse Symbole gehalten werden soll, da inzwischen auch viele andere Religionszugehörige und Konfessionslose in den Gemeinden des Friedhofkreises Sursee leben. Der Friedhof und die Abdankungshalle sind für alle offen, weswegen zurzeit abgeklärt wird, ob die Halle künftig auch entsprechend daherkommen soll», sagt Büeler. Ein Entscheid ist allerdings noch nicht gefallen.

In der AAbdankungshalle im Friedhof Friedental in Luzern wird nicht auf religiöse Symbole verzichtet. (Bild Emanuel Ammon/Aura)

In der AAbdankungshalle im Friedhof Friedental in Luzern wird nicht auf religiöse Symbole verzichtet. (Bild Emanuel Ammon/Aura)