RELIGION: «Moschee ist sehr realistisch»

Muslime in Luzern planen ein gemeinsames Glaubenszentrum. Zumindest ein muslimischer Verein sieht dafür gute Chancen. Bis es so weit ist, gilt es aber noch viele Hürden zu nehmen.

Gabriela Jordan
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Ein Blick in die Moschee der bosnischen Gemeinde an der Emmenweidstrasse. (Bild: Pius Amrein (Emmenbrücke, 29. Januar 2015))

Ein Blick in die Moschee der bosnischen Gemeinde an der Emmenweidstrasse. (Bild: Pius Amrein (Emmenbrücke, 29. Januar 2015))

Gabriela Jordan

gabriela.jordan@luzernerzeitung.ch

Luzerns Muslime beten bislang in umfunktionierten Gewerberäumen. Nun planen die verschiedenen Vereine eine gemeinsame Moschee. Dadurch wollen sie weg von den «Hinterhofmoscheen», die laut Petrit Alimi, Präsident der Islamischen Gemeinde Luzern (IGL), für die Isolation der Muslime in der Gesellschaft stehen (Ausgabe vom 27. Mai). Die IGL hat dazu ein Konzept für ein «Glaubens-, Kultur- und Begegnungszentrum» in der Region Luzern verfasst.

Laut der IGL haben sich alle acht sunnitischen Vereine dazu verpflichtet, auf das Ziel eines ­gemeinsamen Glaubenszentrums hinzuarbeiten. Doch die Zusammenarbeit ist zäh, sind die Vereine ja als bosnische, albanische oder arabische Moscheen entlang der ethnischen Grenzen organisiert. Wie kommt die Idee einer gemeinsamen Moschee bei den einzelnen Vereinen an? Für die Nur-al-Huda-Moschee in Ebikon gibt Vereinspräsident Ali Mohammed Abdulle Auskunft. Laut ihm wäre ein Glaubenszentrum nicht bloss aus kulturellen Gründen wünschenswert: «Eine gemeinsame Moschee wäre sehr gut. Wir wären alle zusammen an einem Ort und müssten dadurch auch weniger Miete bezahlen.» Demnach müssten alle acht Vereine derzeit ungefähr 480 000 Franken an Mietkosten berappen. Allein die Nur-al-Huda-Moschee zahle für ihre 340 Quadratmeter rund 6100 Franken pro Monat. «Eine gemeinsame Moschee ist ein grosser Traum von uns und ist sehr realistisch», so Abdulle.

Finanzielle Hilfe aus dem Ausland möglich

Finanzielle Unterstützung von den hiesigen Behörden erwartet Abdulle für den Bau nicht, es liege an den Vereinen, die nötigen Mittel zu finden. Dabei schliesst er Hilfe aus dem Ausland jedoch nicht aus. Die ausländische Finanzierung von Moscheen ist in der Schweiz nicht verboten, anderswo sieht das jedoch anders aus. So kennt etwa Österreich ein solches Verbot, und auch in Deutschland werden Stimmen danach lauter. Abdulle sagt dazu: «Wir wissen, dass solche Geldflüsse kritisch angeschaut werden. Aber das Geld kommt von offiziellen Ämtern und nicht von radikalen Gruppierungen. Es hat zudem keinen Einfluss auf unsere Predigten hier.» Die IGL indes hofft auf staatliche Beiträge, etwa in Kombination mit Leistungsvereinbarungen. Finanziert werden soll das Zentrum nebst dem durch Mitgliederbeiträge oder Spenden, auch von einheimischen Stiftungen. Bedenken hat Abdulle aber, was den Landkauf für die Moschee betrifft. «Unsere Religion kommt in den Medien momentan leider nicht gut weg. Es wird deshalb schwierig sein, ein Grundstück für unsere Zwecke zu bekommen.» So weit sei man derzeit aber noch nicht. Es gehe jetzt noch «um die Idee».

Nebst dem finanziellen Aspekt begrüsst der Vereinspräsident auch in kultureller Hinsicht die Idee eines gemeinsamen Glaubenszentrums. So sei die Nur-al-Huda-Moschee ethnisch schon jetzt sehr durchmischt und werde von Muslimen somalischer, türkischer, kurdischer, albanischer oder arabischer Herkunft besucht. Die Predigt findet auf Arabisch statt. «Bei der nächsten Generation fällt die Sprachbarriere zudem ganz weg. Unsere Kinder sprechen ja fliessend Schweizerdeutsch. So auch mein Sohn.» Auf Deutsch soll denn auch die Freitagspredigt in der neuen Moschee gehalten werden, so die Pläne der IGL. Daneben sollen aber auch Aktivitäten in der jeweiligen Muttersprache der Muslime durchgeführt werden, wie dies auch in christ­lichen Pfarreien üblich ist.

2022 könnte die Moschee Realität werden

Wie andere Vereine zu einer gemeinsamen Moschee stehen, liess sich die letzten Tage nicht in Erfahrung bringen. So sind die meisten sehr zurückhaltend, wenn es um Auskünfte gegenüber der Presse geht. Laut Izeta Saric, Religionslehrerin und Mitarbeiterin bei der IGL, steht man derzeit auch erst am Anfang der Planung. Geht alles rund, könnten die rund 17 000 im Kanton Luzern lebenden Muslime jedoch bereits im Jahr 2022 an einem gemeinsamen Ort beten. Dann soll das Glaubens-, Kultur- und Begegnungszentrum eröffnet werden. Geplant ist, dass es nebst einer Moschee auch einen Mehrzwecksaal beinhalten wird, eine Bibliothek, ein Restaurant sowie Räume für den aktiven Frauenverein oder die geplante Jugendarbeit. Die Baukosten werden auf 4 Millionen Franken geschätzt.