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RELIGION: SVP will Krienser Klassenzimmer mit Kreuzen ausstatten

In Krienser Schulzimmern hängen derzeit nicht mehr überall Kreuze. Das will Einwohnerrat Alfons Graf (SVP) mit einem Postulat ändern – auch wenn die Erfolgschancen klein sind, wie er einräumt.
Kilian Küttel
Mittels eines Vorstosses will die Krienser SVP erreichen, dass in den Klassenzimmern wieder Kruzifixe hängen. (Symbolbild) (Bild: Keystone)

Mittels eines Vorstosses will die Krienser SVP erreichen, dass in den Klassenzimmern wieder Kruzifixe hängen. (Symbolbild) (Bild: Keystone)

Das Thema schien schon gegessen, jetzt kommt es wieder aufs politische Parkett: Künftig sollen in allen Krienser Klassenzimmern Kreuze hängen. Das fordert die SVP vom Gemeinderat. Ein entsprechendes Postulat reichte Einwohnerrat Alfons Graf vorgestern ein. Darin heisst es: «Unsere Gemeinde ist und soll religiös neutral sein. Die öffentlichen Schulen sind aber das Spiegelbild unserer christlich geprägten Geschichte, Identität, Kultur und den Traditionen.» Dazu würden auch christliche Symbole wie ein schlichtes Kreuz in den Schulzimmern gehören.

So kennt es Graf aus seiner Kindheit, wie er auf Anfrage erklärt: «Als ich noch zur Schule ging, waren in allen Schulhäusern Kreuze angebracht. Man ging auf unsere Kultur ein», sagt Graf. Heute sei das anders. Man müsse sich zu sehr anderen Kulturen anpassen: «Unsere Identität wird zusehends untergraben.»

Erinnerungen an Debatte in Triengen

Braucht es Kreuze in den Schulzimmern oder nicht? Diese Frage machte bereits 2010 erstmals Schlagzeilen in der Region. Damals forderte ein deutscher Vater von den Trienger Schulbehörden, die Kruzifixe aus den Zimmern zu verbannen.

Die Diskussion wurde zum Politikum – erst kantonal, dann national. Schliesslich kam die Luzerner Politik im Kreuzstreit zum Konsens: Kreuze und Kruzifixe dürfen in Schulhäusern bleiben. Wenn sich jemand an einem Kruzifix (also ein Kreuz mit angebrachter Jesus-Figur) stört, solle dieses durch ein neutrales Holzkreuz ersetzt werden. Das empfahl damals der Regierungsrat. Mehr als fünf Jahre später wird das Thema nun wieder aktuell. Wieso? «Man muss sich nur ins Bewusstsein rufen, was in den letzten Jahren alles auf der Welt und in Europa geschehen ist.» Es sei an der Zeit, die Diskussion nochmals zu führen «und an unsere Werte zu erinnern».

Kreuze seit Sanierung abgehängt

Doch das ist nicht der einzige Grund, warum Graf die Diskussion jetzt neu lanciert: «Es gibt Schulhäuser, in denen die Kreuze nach einer Sanierung nicht mehr aufgehängt worden sind.» Als Beispiele nennt er die Schulhäuser Gabeldingen und Kirchbühl.

Mitarbeiter der beiden Schulhäuser bestätigen Grafs Aussage. Laut Urs Arnet, Leiter des Schulhauses Kirchbühl, liegt das an Bauarbeiten: «Wir werden darüber diskutieren, ob wir die Kreuze wieder aufhängen, wenn die Sanierung unserer Anlage beendet ist.» Momentan sei erst ein Gebäude renoviert, die Arbeiten im zweiten Haus seien in vollem Gange. Gemäss Arnet wurden die alten Kreuze und Kruzifixe dem Pfarramt übergeben, ehe mit dem Umbau begonnen worden sei. «Wegwerfen lassen wollte ich sie nicht», so der Schulleiter. Alfons Graf glaubt, dass er mit seinem Vorstoss Wirbel auslösen wird. «Ich rechne natürlich mit Gegenwind. Vor allem von Politikern aus dem linken Lager», so der SVP-Vertreter. Für ihn ist klar: Die Kritiker werden als Hauptargument die Gleichberechtigung aller Menschen und Glaubensrichtungen ins Feld führen. «Natürlich soll jeder so leben und glauben, wie er will. Aber warum müssen wir Schweizer uns den fremden Kulturen anpassen?»

Für Judith Luthiger (SP) sind die Kreuze in den Schulzimmern kein Thema. «Auch nicht für Schüler, Eltern oder Lehrpersonen.» Die Krienser Gemeinderätin und Bildungsvorsteherin sagt weiter: «Es ist nicht wichtig, was für ein Symbol an der Wand hängt. Viel wichtiger ist, welche Grundwerte und was für ein Menschenbild wir unseren Schülern mitgeben.» Ein Kreuz aufzuhängen, ändere die ethische Grundhaltung nicht.

Jetzt liegt der Ball vorerst beim Gemeinderat. Dann befasst sich der Einwohnerrat an seiner Sitzung vom kommenden Dezember mit dem Vorstoss. Graf glaubt, dass er Mühe haben wird, mit dem Postulat durchzukommen. «Aber ich bin zuversichtlich, dass das Parlament sich unserer christlich-abendländische Kultur erinnert. Diese macht uns seit Jahrzehnten stark und eigenständig», so Graf.

Kilian Küttel

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