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RELIGION: Taufe verliert an Anziehungskraft

Früher gehörten die allermeisten Schweizer einer der Landeskirchen an. Heute treten viele aus – oder gar nicht erst ein: In der Stadt Luzern wird nur noch jedes dritte Kind getauft.
Robert Knobel
Die Taufe war bis vor kurzem ein kaum verzichtbares Sakrament für Neugeborene. (Symbolbild: Getty)

Die Taufe war bis vor kurzem ein kaum verzichtbares Sakrament für Neugeborene. (Symbolbild: Getty)

Robert Knobel

robert.knobel@luzernerzeitung.ch

Noch vor wenigen Jahrzehnten gehörte die Taufe in der christlichen Gesellschaft zum unverzichtbaren Sakrament für Neu­geborene. Im Jahr 1970 waren 95 Prozent der Schweizer Bevölkerung Angehörige einer christlichen Landeskirche (siehe Kasten). Inzwischen hat sich dies dramatisch verändert. Genaue Zahlen gibt es zwar nicht, weil die Landeskirchen keine detaillierten Taufstatistiken führen.

Eine Nachfrage bei den Stadtluzerner Pfarreien zeigt aber folgendes Bild: Im vergangenen Jahr verzeichneten die katholische und die reformierte Kirche insgesamt 311 Taufen auf Stadtgebiet. Im selben Zeitraum sind 831 Kinder zur Welt gekommen. Das ergibt eine Taufquote von 37 Prozent. Diese Zahl ist mit Vorsicht zu geniessen, da nicht alle Täuflinge zwingend Neugeborene sein müssen. Nicht erfasst sind ausserdem die Taufen in fremdsprachigen Gemeinschaften und Freikirchen, die nicht zu einer Kirchgemeinde gehören. Trotz dieser dünnen Datenbasis lässt sich wohl sagen, dass die Taufquote in der Stadt Luzern relativ tief ist. Bei den Reformierten schritt der Pfarrer 2016 gerade noch 34 Mal zum Taufstein. Das ist ungefähr halb so viel wie noch vier Jahre zuvor. Etwas langsamer geht der Abwärtstrend bei den Katholiken (von 252 auf 238), während gleichzeitig die Geburtenzahl stetig steigt. «Die Gesellschaft wird säkularer», bringt es Urban Schwegler, Sprecher der Katholischen Kirchgemeinde Luzern, auf den Punkt.

Unwiderrufliche Aufnahme in die Gemeinschaft

Was bedeutet der Rückgang der Taufen für das kirchliche Leben? Sind die immer zahlreicheren Nichtgetauften für die Kirchen «verloren» – oder handelt es sich bloss um ein Ritual, das etwas aus der Mode gekommen ist? Für Katholiken und Reformierte bedeutet die Taufe in erster Linie die Aufnahme in die Gemeinschaft der Christen. Damit ist man aber nicht automatisch Mitglied der jeweiligen Landeskirche. Zu einem solchen werden Kinder erst, wenn die Eltern dessen Konfession im Zivilstandsamt eintragen lassen. Die Mitgliedschaft in der Kirchgemeinde ist also ein ziviler Akt, den man auch kündigen kann.

Ganz anders die Taufe: Sie ist aus Sicht beider Konfessionen unwiderruflich und nicht rückgängig zu machen. Bei den Luzerner Reformierten ist die Taufe neuerdings aber nicht mehr Voraussetzung für eine Mitgliedschaft. In der kürzlich revidierten Kirchenverfassung ist dies so geregelt. Regina Hauenstein, Sprecherin der Reformierten Kirche des Kantons Luzern, sagt dazu: «Wir gehen davon aus, dass Menschen, die der Kirche angehören wollen, selber entscheiden dürfen, ob sie das Sakrament der Taufe als Geschenk annehmen wollen oder nicht.»

Trotzdem am kirchlichen Leben teilnehmen

Bei den Katholiken hingegen gehören Taufe und Mitgliedschaft immer noch zusammen. Um die Wichtigkeit dieses ersten Sakraments zu verdeutlichen, werden die Tauffamilien in den katholischen Pfarreien der Stadt jedes Jahr zu einer gemeinsamen Feier eingeladen. Dort werde jeweils die Bedeutung der Taufe als Gottes Schutz und Segen in Erinnerung gerufen, sagt Urban Schwegler. Das bedeute aber nicht, dass Nichtgetaufte völlig vom katholischen Leben ausgeschlossen sind, wie Urban Schwegler betont. «Zum kirchlichen Leben gehören nebst Gottesdiensten und Sakramenten auch die Jugendverbände, Freiwilligenarbeit oder soziales und kulturelles Engagement.» Dazu seien «alle Menschen guten Willens eingeladen».

Es gibt Anzeichen dafür, dass der Rückgang der Taufen vor allem ein städtisches Phänomen ist. Zwar fehlen auch hier verlässliche Vergleichszahlen. Eine Hochrechnung etwa für Hochdorf ergibt aber eine Quote von rund 70 Prozent Taufen, gemessen an der Zahl der Neugeborenen. Regina Hauenstein sagt denn auch: «In den Landgemeinden erleben wir kein schwindendes Interesse an Taufen. Diese gelten nach wie vor als wichtige Begegnung von jungen Familien, Pfarrpersonen und Kirchgemeinden.»

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