RENÉ KUHN: Fäkalien im Briefkasten – und Buchprojekt

René Kuhn erhält seit seinem Blogeintrag viel Post – und beileibe nicht immer appetitliche. Das grosse Echo hat den zurückgetretenen Luzerner SVP-Präsidenten auf eine Idee gebracht: Er will Autor werden.

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Hat Zukunftspläne: René Kuhn. (Bild Fabienne Arnet/Neue LZ)

Hat Zukunftspläne: René Kuhn. (Bild Fabienne Arnet/Neue LZ)

Seitdem Kuhn vergangene Woche Schweizer Frauen «als Vogelscheuchen» bezeichnet hat, wird er mit Mails, Post und Telefonanrufen überhäuft. «Wir wurden durch Mails, Telefone und Briefe massiv beschimpft und bedroht – sogar Fäkalien lagen in unserem Briefkasten», sagte Kuhn zur Zeitung «Sonntag». «Die letzten Tage waren jedoch auch eine grosse Belastung für mich und meine Familie», schreibt der Politiker, der nach der Äffare alle Ämter abgegeben hat, aber in der SVP bleiben will, auf seiner inzwischen wieder normal aufgeschalteten Homepage. Kommentar: «Genau diese Leute, welche mir eine unakzeptable Sprachwahl vorwerfen, sollten in den eigenen Spiegel schauen, da waren meine Ausdrücke harmlos.»

«Weit über» 1000 E-Mails erhalten
Generell sei das Echo gross gewesen: Während seine Site normalerweise 4-5 Klicks am Tag generiert habe, seien es über die Tage, als der frauenfeindliche Blogeintrag durch die Intervention der SP und die Aufnahme in der nationalen Presse einer grossen Öffentlichkeit bekannt geworden war, zum Teil über 3000 gewesen. Kuhn habe «weit über» 1000 Mails erhalten, «70% waren positiv und 30% negativ». Er werde diese alle beantworten, bitte jedoch um Geduld. Zudem hat der nicht wirklich einsichtige Kuhn nun ein Gästebuch aufgeschaltet – «die Wortwahl muss auch nicht 'lieb und nett' sein, jedoch Beschimpfungen werden umgehend entfernt».

Buch zu Geld machen – und Bilder
Es sei unglaublich, wie primitiv manche Leute reagieren, klagt er gegenüber «Sonntag». Dabei sei er kein Frauenhasser. «Im Gegenteil, ich liebe die Frauen! Darum habe ich ja auch gesagt, dass es schade ist, wenn sich gewisse Frauen unattraktiv geben», so Kuhn. Nun will er seine Erfahrungen gar literarisch verarbeiten: «Ich will ein Buch schreiben. Ich will darin das Thema Attraktivität von Frauen und Männern aufgreifen. Und auch darüber schreiben, was alles passiert ist und welche Reaktionen ich erhalten habe – übrigens auch von prominenter Seite her.» Möglicherweise erhofft sich Kuhn vom Besuchermehr auch noch in anderer Hinsicht Vorteile: Weitere von seiner Frau Oxana gemalte Bilder wurden aufgeschaltet – samt E-Mail-Adresse bei Kaufinteresse.

«Keine Ahnung» von Internetpiraterie
Übrigens findet sich auf seiner Website auch noch ein indirekter Kommentar zu einer anderen schwelenden Sache – den happigen Vorwürfen, die gegen Kuhn in punkto Internetspionage gemacht werden: «Meine Seite betreibe ich mit einer alten, einfachen Software, welche ich vor Jahren für rund 100 Franken gekauft habe.» Er arbeite als Informatiker nicht in diesem Bereich und habe deshalb von «Internet, Internetpiraterie, Datenzugriff oder Eindringen in fremde Systeme so viel Ahnung wie eine Kuh vom Klettern». Gemäss Guido Rudolphie muss man jedoch keineswegs ein genialer Hacker sein, um eine fremde Mailbox zu knacken. «Wer seine E-Mails nicht verschlüsselt, kann leicht ausspioniert werden», sagte der Zürche IT-Experte am Freitag gegenüber dem «Tages-Anzeiger». Den Fall Kuhn hält Rudolphi jedoch für untypisch, weil der SVP-Politiker die mutmasslich geklauten Daten publik gemacht habe, statt seine Spuren so gut es geht zu verwischen.

scd