RENÉ KUHN: «Josef Kunz hat mich eiskalt abgeschossen»

Die Presseexemplare des «Tabubruch»-Buches von René Kuhn sind da. Der Ex-Präsident der Stadtluzerner SVP hofft auf einen Megaerfolg – und greift darin Josef Kunz frontal an.

Drucken
Teilen
René Kuhn, Präsident der SVP Stadt Luzern. (Bild Chris Iseli/Neue LZ)

René Kuhn, Präsident der SVP Stadt Luzern. (Bild Chris Iseli/Neue LZ)

Nur wenige Monate ist es her seit René Kuhns Blog-Eintrag «Von linken und zerlumpten Frauen», der daraus entstandenen kontrovers geführten Diskussion und dem damit verbundenen Rücktritt als Präsident der städtischen SVP. Nun sind die Rezensionsexemplare des Buchs zum Fall aus Kuhns eigener Schreibe versandt worden. «Zurück zur Frau. Weg mit den Mannsweibern und Vogelscheuchen – ein Tabubruch» ist im regulären Buchhandel ab dem 7. Januar für zirka 33 Franken erhältlich.

Erstauflage von 10'000 Stück
Der 42-jährige gelernte Informatiker hofft, damit einen Bestseller gelandet zu haben. Die erste Auflage beträgt 10'000 Exemplare – eine im Vergleich zu sonstigen Auflagezahlen in der deutschsprachigen Verlagslandschaft geradezu astronomische Zahl. Das hat seinen Grund: Denn Kuhn schielt vor allem auch auf den deutschen Markt, wie er auf Anfrage sagt. Das Konzept scheint aufzugehen: Kuhn rechnet mit rund 1000 vorbestellten Exemplaren des im Eigenverlag herausgegebenen Werks. Auch die Medien werden durch ihr Prozessieren in ihrer spezifischen Logik (wiederum) unweigerlich ihren Teil zur PR-Maschinerie beitragen – es sei denn höchstens, sie ringten sich zu einem Schweigen durch.

Das in grosszügigem Schriftbild gehaltene, 230 Seiten starke Buch «Tabubruch» stellt eine Vertiefung und Paraphrase von Kuhns Blogeintrag dar. Im Epilog dieser – nunmehr einwandfrei unter dem Status einer Privatperson verfassten – «Streitschrift» lässt es sich Kuhn nicht nehmen, der SP Dank auszusprechen: «Ohne deren Medienmitteilung würde mein Blog-Eintrag bis heute kein Thema sein und auch dieses Buch nicht existieren.»

Kritiker kommen um Lektüre nicht herum
Schon bei einer kurzen Durchsicht wird klar, dass «Tabubruch» für Debatten sorgen dürfte – auf welchem Parkett auch immer. Wer daran teilnehmen will, wird sich das Werk wohl zwingend anschaffen müssen. Darin offenbart Kuhn etwa, dass die erste Version seines Blogeintrags «um einiges schärfer» hätte daherkommen sollen: «Diese beinhaltete auch noch Aussagen zu den Lehrerinnen und Angestellten im Sozialbereich, und wie sich diese in der Öffentlichkeit zeigen. [...] Der Aufschrei wäre wohl noch grösser ausgefallen.»

Kuhn zufolge hat die «Emanzipation versagt» – die «Ursache des Übels» sei der Feminismus, was mit einem geschichtlichen Abriss zu untermauern versucht wird. Zündstoff bietet auch die These, dass die Gleichberechtigung schon längstens erreicht und jegliches Lamentieren fehl am Platz sei. Auch die Aussage, demnach Frauen am Arbeitsplatz unterprivilegiert seien, will Kuhn als feministische Propaganda entlarvt haben.

Userlob – auf 70 Seiten ausgebreitet
Neben einer Lobrede auf Frauen aus dem Osten – René Kuhn selber ist «glücklich» mit einer gebürtigen Russin verheiratet – wartet der Band mit einem grossem Teil mit (zustimmenden) Reaktionen auf den Blogeintrag aus dem Gästebuch von Kuhns Website auf. Auch fehlt eine Aufarbeitung der als ungerecht empfundenen «tendenziösen Berichterstattung in den ?seriösen? Schweizer Medien» nicht.

In diesem Kapitel wird es auch arg persönlich: «Die grösste Enttäuschung in dieser ganzen Geschichte war für mich der Präsident der Schweizerischen Volkspartei des Kantons, Josef Kunz.» Dieser sei vom Medientross überfallen worden und habe sich profilieren wollen, indem er Kuhns Rücktritt gefordert habe. «Kunz, der auch nach 14 Jahren im Nationalrat immer noch nicht mitbekommen hat, wie die Medien funktionieren, rannte ungebremst in die Falle dieser Hetzkampagne und merkte nicht, dass es der Presse gar nicht um Kuhn, sondern um die Demontage der SVP ging.» Der «Zwei-Themen-Politiker» (Milch und Wolf) habe es sich nicht entgehen lassen, seinen «Nebenbuhler eiskalt abzuschiessen». Kuhn erachtet diese Passagen als «legitim», schliesslich habe sich Kunz nie persönlich bei ihm gemeldet, «was einfach nicht geht».

Josef Kunz kontert die Vorwürfe
Kunz nimmt die Kritik gelassen: «Das tut mir nicht weh», sagt er auf Anfrage. Denn: «Wenn Kuhn schreibt, dass ich einseitig politisiere, dann hat er sich nicht richtig informiert.» An seinen Vorstössen zeige sich nämlich das Gegenteil. Und dass er als Politiker in weiten Teilen der Bevölkerung auf grosse Akzeptanz stosse und die SVP zu führen wisse, sei an seinen guten Wahlergebnissen abzulesen. In dieser Funktion sei es auch geradezu seine Pflicht gewesen, für Kuhns Rücktritt zu plädieren: «Mit seinen Generalisierungen war er einfach nicht mehr tragbar. Wie hätte das denn gewirkt, wenn ich ihm als Präsident der kantonalen SVP den Rücken gedeckt hätte?» Er setze sich für eine «harte Politik» ein – «aber fair». Kunz, der sich beim Anhören einiger Passagen eines Schmunzelns nicht erwehren konnte, werde sich das Buch bei Gelegenheit wohl auch zu Gemüte führen. «Ein jeder hat ja sein Recht auf Meinungsäusserung. Wie die gemachten Aussagen indes zu beurteilen sind, muss letztlich jeder für sich selber entscheiden.»

Dave Schläpfer