REORGANISATION: «Die ‹Heirat› bleibt mir in Erinnerung»

Ab dem 1. Juli verschwinden die Regierungsstatthalter. Ihr Obmann Alois Widmer (63) blickt zurück – und er spricht über seine Zukunftspläne.

Florian Weingartner
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Noch-Regierungsstatthalter Alois Widmer (63) in seinem Büro an der Theaterstrasse 2 in Sursee. (Bild Pius Amrein)

Noch-Regierungsstatthalter Alois Widmer (63) in seinem Büro an der Theaterstrasse 2 in Sursee. (Bild Pius Amrein)

Alois Widmer empfängt uns im «Murihof», dem ehemaligen Amtshof des Klosters Muri und vorher vermutlich Stadtburg der damaligen Stadtherren von Sursee, den Grafen von Kyburg und Habsburg. Als Regierungsstatthalter des Amts Sursee hat Widmer hier im ersten Stock während gut 13 Jahren mit seinen zwei Mitarbeitern gewaltet. Sein Büro ist nicht luxuriös, aber geräumig – hell, mit Parkett und schöner Decke.

Aufgaben werden verteilt

Anfang Juli wird sich Widmer von den Räumlichkeiten verabschieden müssen. Im Zuge der Abschaffung der Regierungsstatthalter, die im November 2013 an der Urne beschlossen wurde, werden die drei Regierungsstatthalterämter aufgelöst und ihre Aufgaben auf verschiedene Stellen in der Verwaltung in Luzern aufgeteilt (siehe Kasten).

«Mitnehmen werde ich in erster Linie die vielen schönen Erinnerungen an die interessante und anspruchsvolle Tätigkeit, die ich hier ausüben konnte», sagt Widmer. Gefragt, was denn die bleibendsten Erlebnisse seiner dreizehn Amtsjahre gewesen seien, verweist Widmer auf die vielen Kontakte mit seinen Kunden, Vertretern der Gemeinden, Korporationen und Gemeindeverbänden. Ein Schlüsselerlebnis streicht der 63-Jährige dann doch hervor: die erste ‹moderne› Gemeindefusion im Kanton Luzern zwischen Schwarzenbach und Beromünster per 1. September 2004. «Diese erste Fusionsfeier war schon ein spezieller Moment. Dieser damals als ‹Heirat› bezeichnete Akt des Zusammengehens der beiden Gemeinden wird mir besonders in Erinnerung bleiben.»

Von 27 auf 20 Gemeinden reduziert

Seit seinem Amtsantritt reduzierte sich sein Zuständigkeitsbereich von zunächst 27 auf zuletzt 20 Gemeinden. Den finanziellen Teil von Gemeindefusionen zu begleiten, war denn auch ein wichtiger Bestandteil von Widmers Aufgaben. Er und sein in der Finanzaufsicht tätiger Ressortleiter konnten dafür auf die Erfahrung und das Zahlenmaterial aus der ordentlichen Tätigkeit der Kontrolle der Gemeindefinanzen zurückgreifen.

Die Berechnungen waren Grundlage für die Fusionsbeiträge des Kantons. Eine schwierige Position im Spannungsfeld der Interessen von Kanton und Gemeinden? «Wir haben versucht, in dieser nicht immer ganz einfachen Situation eine neutrale Position einzunehmen. Das ist uns meiner Meinung nach gelungen», sagt Widmer. Überhaupt schätzt der Obmann der Regierungsstatthalter das Verhältnis zwischen Kanton und Gemeinden als grundsätzlich gut ein. «Beide sind sich bewusst, dass sie die Partnerschaft brauchen.»

Daran habe sich über die Zeit nichts Wesentliches geändert. Widmer sagt dies mit der Erfahrung eines ganzen Berufslebens. Nach der Lehre auf der Gemeindeverwaltung Rothenburg arbeitete er einige Jahre auf der Gemeindeverwaltung Inwil, wo er das Gemeindeschreiber- und Notariatspatent machte. Zwischen 1973 und 1976 wirkte Widmer zugleich als Gemeindeschreiber von Gelfingen und Retschwil. Von 1977 bis zu seinem Amtsantritt als Regierungsstatthalter Anfang August 2001 war er Stadtschreiber von Sempach.

Neu nur noch 50-Prozentpensum

Ab 1. Juli wird Alois Widmer in einem 50-Prozentpensum beim Finanzdepartement arbeiten. Dort widmet er sich der Neuorganisation der Finanzaufsicht über die Gemeinden sowie der Teilprojektleitung für die Umsetzung der neuen Rechnungslegung in den Gemeinden. Was wird ihm aus seiner bisherigen Tätigkeit fehlen? Widmer: «Die Vielfältigkeit werde ich wohl etwas vermissen. Wir waren bisher richtige Generalisten. Auch die Kontakte zu den Gemeindevertretern werden aufgrund der Aufteilung nicht mehr so direkt und intensiv sein.»

Er will dem Amt als Regierungsstatthalter aber nicht nachtrauern. «Eine Neuregelung war nötig.» Man habe sich schliesslich aus verschiedenen Möglichkeiten für diese Lösung entschieden, was es zu akzeptieren gelte. «Eine gewisse Wehmut verspüre ich angesichts des Abschieds trotzdem.»

Am Donnerstag, 26. Juni, fahren die Umzugswagen vor. Bereits ist klar, welche Akten und Materialien wohin gebracht werden. Dennoch gibt es für Widmer und seine Amtskollegen Luzia Kurmann und Josef Röösli noch vieles zu organisieren. Etwa der gemeinsam mit der Dienststelle Informatik zu bewerkstelligende Transfer der Datenbanken und die Ablieferung der Akten an das Staatsarchiv. Am Montag, 30. Juni, werden die offiziellen Aktenübergaben gemacht. Der genaue zeitliche Ablauf des protokollarisch zu verewigenden Akts ist bereits festgelegt. Anfang Juli zieht Widmer dann endgültig aus seinem Büro aus.

Ruhestand noch kein Thema

Neben seiner 50-Prozenttätigkeit für den Kanton, die Ende Mai 2015 enden wird, ist Widmer offen für neue Aufgaben. «Mich interessieren weiterhin Themen wie Gemeindeorganisation, Führungsmodelle oder die Unterstützung von öffentlichen Körperschaften.» Zur Ruhe setzen will sich der Vater von zwei Töchtern, der in jüngerer Zeit gleich zweifacher Grossvater geworden ist, jedenfalls noch nicht. So will er sich weiterhin vor allem aufs Rennvelo schwingen, um die Fitness zu erhalten und den Kopf zu lüften. Einmal pro Jahr schaltet Alois Widmer bei einer längeren Velotour mit seiner Frau ganz ab. In diesem Sommer geht es von Berlin aus auf die Insel Rügen.