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Reto Wyss , CVP (bisher): Er hält mit seinen Emotionen zurück

Reto Wyss gilt als trockener Pragmatiker. Das ist nur zum Teil seine Art, wie der 53-jährige Bildungs- und Kulturdirektor erklärt. Wird er als Regierungsrat wiedergewählt, kann er sich mittlerweile auch ein anderes Departement vorstellen.
Alexander von Däniken
(Bild: Boris Bürgisser, Luzern, 12. Februar 2019)

(Bild: Boris Bürgisser, Luzern, 12. Februar 2019)

Die Sonne scheint durch die Fenster auf die kleinen gepolsterten Sitzbänke. Auf einem nimmt der 1,92 Meter grosse Reto Wyss Platz, die Knie stark gebeugt, den Blick nach draussen, hinunter aufs Stadtzentrum. Wir sitzen im Kindergarten der Schulanlage Felsberg im Luzerner Dreilindenquartier. Die Volksschule sei das Fundament für das spätere Leben unserer Kinder, begründet Wyss den Ort des Treffens. Das 1948 gebaute und 2015 sanierte, denkmalgeschützte Schulhaus Felsberg verbinde zudem alt und neu wie die Bildungspolitik; hier gelte es, die bewährte, schulische Grundausbildung weiterzuführen und dennoch neue Themen aus der Gesellschaft einzubauen. «Die Schule gibt den Kindern nicht nur das nötige Rüstzeug für das spätere Berufsleben, sie formt auch die Persönlichkeit», sagt Wyss.

Die Begeisterung des CVP-Politikers für die Bildung passte vor knapp acht Jahren so gut zu ihm wie die Sitzbank im Kindergarten. Schliesslich ist Reto Wyss Bauingenieur und führte mit viel Herzblut sein eigenes Planerbüro, die Wyss+Partner Bauingenieure AG. Parallel amtete er während 13 Jahren als Gemeindepräsident von Rothenburg. 2011 schaffte er den Sprung in die Regierung und übernahm das Bildungs- und Kulturdepartement.

«Cool» oder emotionslos

Seither absolviert er täglich einen Balanceakt zwischen den Vorstellungen von Lehrern, Eltern und Künstlern auf der einen Seite – und der finanzpolitischen Realität auf der anderen. Die meisten öffentlichkeitswirksamen Sparentscheide betreffen Wyss’ Departement: von Sparmassnahmen bei der Kulturförderung über die «Zwangsferien» an Kantonsschulen bis zu Zusatzlektionen für die Lehrer. Die Debatten im Kantonsratssaal und auf der Strasse sind hochemotional. Wyss, als politischer Verantwortlicher mittendrin, wirkt dabei «cool» oder emotionslos, je nachdem, wen man fragt. «Ich versuche immer, pragmatisch nach Lösungen zu suchen», sagt der 53-Jährige dazu.

Ist der Pragmatiker Teil seiner Persönlichkeit oder muss er seine Emotionen ab und zu zügeln? «Wohl von beidem etwas», sagt Wyss lächelnd. Es sei schliesslich zielführender, auf der sachlichen Ebene zu diskutieren.

«Persönliche Angriffe sind unnötig und falsch.»

Mit seiner Einstellung und seiner Art, sich in Themen reinzuknien, hat sich Wyss von links bis rechts einen Namen gemacht. Selbst der Lehrerinnen- und Lehrerverband (LLV), nicht gerade als Freund der bürgerlichen Politik bekannt, empfiehlt unter anderem den Bildungsdirektor zur Wiederwahl. «Die regelmässigen Gespräche mit Reto Wyss sind von Offenheit und Klarheit geprägt», sagt LLV-Geschäftsführer Kaspar Bättig. «Er ist sehr geradlinig und kann gut einschätzen, was derzeit realistisch ist, und was nicht.» Wyss könne durchaus emotional werden; diesbezüglich habe er sich in den letzten Jahren etwas gewandelt.

Und was sagen Bildungspolitiker aus dem Kantonsrat über Wyss? Die Krienser SP-Kantonsrätin Helene Meyer-Jenni schätzt ihn «als Person mit seiner sachlichen, bedachten Vorgehensweise sehr». Als Bildungs- und Kulturdirektor habe er sich aber in den letzten Jahren in einem grossen Dilemma befunden: «Für seine Bereiche Bildung und Kultur müsste er dringend mehr Finanzen zur Verfügung haben.» Das regierungsrätliche Credo der knappen Kassen habe dies aber verhindert. «Vieles bleibt auf der Strecke: Er kann zurzeit weder Akzente setzen, noch die Museumsfrage klären oder die zeitgemässe Weiterentwicklung für das Luzerner Theater massgeblich steuern. Ich wünsche ihm deshalb Verstärkung für seine Anliegen», so Meyer-Jenni.

Der Entlebucher SVP-Kantonsrat Bernhard Steiner erlebt Wyss als sehr dossierfest und gut vorbereitet: «Wenn er doch etwas nicht weiss, dann ignoriert er diesen Punkt in der Diskussion.»

Wie sich Reto Wyss bei unseren «Entweder oder»-Fragen entschieden hat, sehen Sie hier:

4 Bilder

«Entweder oder»: Reto Wyss

Bei allem Pragmatismus: Abnützungserscheinungen spürt Reto Wyss nicht – im Gegenteil: «Ich habe nach wie vor viel Freude an der Politik. Das gilt auch für das Departement. Hier kann ich mit sehr unterschiedlichen, interessanten Leuten sprechen und die Luzerner Bildungs- und Kulturpolitik mitprägen, was eine grosse Bereicherung ist.»

«Will für vier weitere Jahre gewählt werden»

Trotzdem: Mit dem Abgang von FDP-Regierungsrat Robert Küng wird das Bau-, Umwelt- und Wirtschaftsdepartement (BUWD) frei. Eine Option für einen Wechsel? «Meiner Meinung nach muss jeder Regierungsrat die Bereitschaft haben, jedes Departement übernehmen zu können. Wenn sich die Möglichkeit ergeben würde, könnte ich mir auch einen Wechsel in ein anderes Departement vorstellen.» Das sei jetzt aber noch kein Thema, fügt Reto Wyss an. «Vorderhand will ich als Regierungsrat für vier weitere Jahre wiedergewählt werden.»

Die Chancen dafür stehen nicht schlecht. Neben dem Bisherigen-Bonus sprechen auch die gewonnenen Abstimmungen für Wyss. In der nun ablaufenden Legislatur hat er drei von vier Abstimmungen gewonnen. Selbst die vom Volk mittels Referendum abgelehnte Halbierung der Beiträge an die Musikschulen vom 21. Mai 2017 kann Wyss als Minisieg verbuchen:

«Die Bevölkerung hat die finanziellen Rahmenbedingungen vorgegeben. Das ist inhaltlich keine schlechte Lösung.»

Keine schlechte Lösungen will Wyss auch selbst präsentieren. Zum Beispiel bei der geplanten Zusammenlegung des Natur-Museums und des Historischen Museums. Natürlich müsse man die finanziellen Rahmenbedingungen respektieren. «Aber es geht um die Chance, die Museen zeitgemässer zu gestalten.» Das Konzept sei bewusst flexibel gehalten. Nach Wyss’scher Art also auf die jetzigen finanziellen Möglichkeiten abgestimmt, aber ausbaubar, wenn die Zahlen in der Staatskasse wieder besser sind.

Andernorts lässt der Kanton vorerst anderen Partnern den Vortritt. Zum Beispiel beim An- oder Neubau des Luzerner Theaters. Das sei mit dem Stadtrat so abgesprochen, sagt Wyss. Schliesslich müssen zuerst städtebauliche Fragen geklärt werden. Man sei aber regelmässig im Gespräch und beziehe auch die Öffentlichkeit mit ein. Dazu Wyss pragmatisch: «Lieber seriös abklären als einen Schnellschuss produzieren.»


Der Bildungs- und Kulturdirektor Reto Wyss (CVP) ist verheiratet und Vater von zwei Kindern. Der 53-jährige Rothenburger geht in der Freizeit gerne auf Ski- und Bergtouren. Vor seiner Tätigkeit als Regierungsrat war der diplomierte Bauingenieur Gemeindepräsident von Rothenburg und Inhaber des eigenen Planerbüros.

Der Werbespot von Reto Wyss in 60 Sekunden:

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