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Reto Wyss: «Wir gewinnen Abstimmungen nur, wenn die Leute wissen, um was es geht»

Der neue Luzerner Finanzdirektor Reto Wyss (CVP) legt den Fokus auf eine bessere Kommunikation. Kritik an seinem Vorgänger Marcel Schwerzmann lässt der Rothenburger aber bleiben.
Lukas Nussbaumer
Der Luzerner Regierungsrat Reto Wyss (54, CVP) an seinem 100. Arbeitstag als Finanzdirektor in seinem Büro an der Bahnhofstrasse 19 in Luzern. (Bild: Dominik Wunderli, 8. Oktober 2019)

Der Luzerner Regierungsrat Reto Wyss (54, CVP) an seinem 100. Arbeitstag als Finanzdirektor in seinem Büro an der Bahnhofstrasse 19 in Luzern. (Bild: Dominik Wunderli, 8. Oktober 2019)

Reto Wyss ist erst 54. Doch der CVP-Regierungsrat ist ausgesprochen politerfahren. Schliesslich war der frühere Unternehmer vor seiner 2011 erfolgten Wahl in die Luzerner Exekutive während 13 Jahren Gemeindepräsident von Rothenburg. In dieser Agglogemeinde wohnt der verheiratete Vater von zwei Kindern noch immer. Und er fährt seit acht Jahren «jeden Tag gerne nach Luzern zur Arbeit», wie der begeisterte Berggänger am Dienstag vor den Medien sagte.

An seinem exakt 100. Arbeitstag als Finanzdirektor. Und genau 141 Tage nach dem Entscheid der Regierung, zwischen dem seit 2007 amtierenden parteilosen Finanzdirektor Marcel Schwerzmann und ihm, dem Bildungs- und Kulturdirektor, eine Rochade vorzunehmen. Es war ein überraschender Beschluss, der hohe Wellen geworfen und wiederholt zur Frage geführt hat, wie die Regierungsräte seither miteinander umgehen.

Vision: «Luzerner sollen gerne Steuern zahlen»

Gelitten hat die Stimmung im Gremium seit dem Wechsel laut Wyss jedoch nicht. Im Gegenteil: «Wir arbeiten sehr gut zusammen.» Dass der 1. Juli – der erste Tag als Finanzdirektor – ein spezieller Tag gewesen sei, stellt der Bauingenieur nicht in Abrede. Aber jetzt, nach den ersten 100 Tagen, könne er sagen:

«Ich bin gut angekommen im neuen Departement.»

Wyss hat sein Ziel, alle Dienststellen zu besuchen, bereits fast erreicht. Denn eine bessere Kommunikation auf allen Ebenen, das Knüpfen von Kontakten, der Austausch mit Parteien und Verbänden, das sei ihm sehr wichtig. «Meine Vision ist, dass die Luzerner gerne Steuern zahlen. Weil sie wissen, dass der Kanton für die Bevölkerung und die Wirtschaft gute Dienstleistungen erbringt.»

Neue Stelle im Bereich Kommunikation geschaffen

Um diese Vision zu erreichen, will Wyss «die staatlichen Leistungen besser verkaufen und kommunizieren». Das sei mit Blick auf die Grossprojekte in seinem Departement – Campus Horw, Verwaltungsgebäude am Seetalplatz, Sicherheitszentrum Sempach, Kanti Sursee, Rochade Luzerner Museen und Gerichte – zwingend. «Wir können Abstimmungen nur mit einer guten Information gewinnen – eben nur dann, wenn die Leute wissen, worum es geht.»

Wie viel Gewicht Wyss einer verbesserten Kommunikation beimisst, zeigt die Schaffung einer neuen Stelle in diesem Bereich ab Januar 2020.

Wyss redet nur über seine Arbeit – nicht über die seines Vorgängers

Wer Wyss so reden hört, zieht den Schluss, er kritisiere seinen Vorgänger im Finanzdepartement, der demnach wenig Wert auf eine transparente Kommunikation gelegt habe. Das sei nicht der Fall, entgegnet der gelernte Tiefbauzeichner. «Ich rede über meine Arbeit und nicht über die von anderen. Wollen wir unsere Ziele erreichen, müssen wir gut informieren.» Das gelte im Übrigen auch für die kantonsrätlichen Kommissionen. «Das Parlament muss Vertrauen haben. Ich will auch mitteilen, wenn etwas nicht wie gewünscht läuft. Denn es kommt sowieso immer alles aus.»

Wyss hütet sich auch auf Nachfrage hin, seinen Vorgänger anzugreifen. Stattdessen betont er: «Ich bin eine andere Person, habe andere Erfahrungen gemacht, bin vernetzt und setze auf den Dialog mit der Bevölkerung, den Gemeinden und den Parteien.»

«Zwei Legislaturen als Finanzdirektor machen Sinn»

Kritik gibts auch nicht an der Finanzpolitik der letzten Jahre, die mit drei Sparpaketen für viel Gesprächsstoff gesorgt hat. Er habe die Finanzpolitik stets gestützt, man sei jetzt auf einem guten Weg. «Wir haben wieder etwas Luft. Doch das ist kein Grund, übermütig zu werden.» Wyss denkt an Faktoren wie die schwächelnde Konjunktur.

Reto Wyss’ 100-Tage-Bilanz zeigt: Der frühere Bildungs- und Kulturdirektor ist im Finanzdepartement angekommen. So gut, dass er auf eine entsprechende Frage hin sagt: «Es macht Sinn, ein Departement während zwei Legislaturen zu führen.» Ein weiteres Indiz für Wyss’ Freude an der neuen Aufgabe ist seine wiederholt betonte Wertschätzung der kantonalen Angestellten. «Das ‹Beamten-Bashing› nervt mich. Das wird unseren Leuten überhaupt nicht gerecht.» Als oberster Personalchef sei es ihm wichtig, dass der Kanton Luzern ein verlässlicher Arbeitgeber sei. Und einer, der sich auch in diesem Bereich bei der Kommunikation noch steigern könne: «Wir haben tolle Jobs. Das müssen wir besser vermitteln.»

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