Bauprojekt
Luzern will die Zimmereggbadi für 14,9 Millionen Franken umgestalten – auch eine öffentliche Freizeitanlage ist geplant

Der Stadtrat beantragt einen Sonderkredit, der auch vor das Volk kommen wird. Wegen der Arbeiten fällt eine Sommersaison aus. Die Kosten sind höher als ursprünglich angenommen.

Stefan Dähler
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Die Zimmereggbadi mit der alten Rutschbahn und dem Schwimmerbecken.

Die Zimmereggbadi mit der alten Rutschbahn und dem Schwimmerbecken.

Bild: Boris Bürgisser (Luzern, 2. Juli 2019)

Das 1966 eröffnete Waldschwimmbad Zimmeregg oberhalb der Quartiere Reussbühl und Udelboden befindet sich in einem schlechten Zustand. 2014/2015 musste es wegen Schadstoffen in den Schwimmbecken notdürftig saniert werden. Nun plant der Luzerner Stadtrat eine umfassende Aufwertung der Anlage. Dafür beantragt er beim Parlament einen Sonderkredit von 14,9 Millionen Franken. Stimmt dieses zu, kommt der Kredit voraussichtlich am 26. September vors Volk. Zum Vergleich: Die Gesamterneuerung der Krienser Badi 2011/2012 kostete 13,9 Millionen.

Die Bauarbeiten bei der Zimmereggbadi würden von Oktober 2022 bis Mai 2024 dauern, wodurch die Sommersaison 2023 ausfiele. Das sei unumgänglich, weil ein etappierter Bauablauf «finanziell unverhältnismässig» und für die Badi-Betreiberin, die Hallenbad Luzern AG, «betrieblich schwierig umsetzbar» wäre, wie der Stadtrat im Bericht und Antrag an das Parlament schreibt. «Das Ziel war eigentlich, dass keine Saison ausfällt», sagt Baudirektorin Manuela Jost (GLP). Allerdings hätte es dann zwei verkürzte Saisons in einer unvollständigen Anlage gegeben und es wären zusätzliche Kosten entstanden.

Technische Massnahmen führen zu Mehrkosten

Der Betrag liegt dennoch über dem Kostendach von 12,5 Millionen Franken, das der Stadtrat 2018 bekanntgegeben hat. Dies sei grösstenteils auf nötige technische Massnahmen zurückzuführen – beispielsweise den Ersatz von Werkleitungen. Weiter bedinge der Einsatz von Edelstahl bei den Becken Anpassungen beim Terrain, weil sonst das Wasser weniger tief wäre. Auch die Strasse müsse angepasst werden. «Der Stadtrat ist der Meinung, dass sich das lohnt», sagt Jost.

«Es ist ein tolles Projekt, das Schwimmbad wird nachhaltig saniert und bleibt künftigen Generationen als Familienbad erhalten.»

Geplant wurde das Projekt von einem Team unter der Federführung der Brechbuehler Walser Architekten Zürich. Dieses setzte sich in einem zweistufigen Planerwahlverfahren durch. Grundsätzlich soll der Charakter der Anlage mit viel Grün und grossen Bäumen beibehalten werden. Vorgesehen ist, dass das bestehende Betriebsgebäude abgerissen wird.

Das heutige Betriebsgebäude.

Das heutige Betriebsgebäude.

Bild: Boris Bürgisser (Luzern, 2. Juli 2019)

Stattdessen sind zwei Neubauten geplant, die so konzipiert sind, dass die überbaute Fläche insgesamt sogar abnimmt: Ein Hauptgebäude mit Garderoben, Büros und Gastrobereich, der bei Bedarf auch ausserhalb der Badesaison nutzbar wäre. Dazu ein Nebengebäude mit zusätzlichen Verpflegungsmöglichkeiten und WCs zur Entlastung an Spitzentagen:

Das geplante Hauptgebäude (rechts) und das Nebengebäude beim Schwimmerbecken.

Das geplante Hauptgebäude (rechts) und das Nebengebäude beim Schwimmerbecken.

Visualisierung: Brechbueler Walser Architekten

Beide Neubauten sind als Holzkonstruktionen konzipiert. Das Hauptgebäude wird weiter unten errichtet als das heutige Betriebsgebäude, wodurch sich der Anreiseweg zur Badi um rund 100 Meter verkürzt.

Zankapfel Schwimmbecken

Für Kontroversen sorgte im Vorfeld die geplante Verkleinerung des 50-Meter-Schwimmbeckens auf 25 Meter. Mit einem Bevölkerungsantrag wurde versucht, das grosse Becken zu retten. Dieser wurde von Stadtrat und Stadtparlament abgelehnt. Der Stadtrat begründet die Verkleinerung mit den Kosten. Der Betrieb des 50-Meter-Beckens sei sehr teuer, ausserdem werde dieses wenig genutzt.

Das 50-Meter-Schwimmbecken im Waldschwimmbad Zimmeregg soll auf 25 Meter verkleinert werden.

Das 50-Meter-Schwimmbecken im Waldschwimmbad Zimmeregg soll auf 25 Meter verkleinert werden.

Bild: Boris Bürgisser (Luzern, 2. Juli 2019)

Alle Becken würden wie erwähnt mit Edelstahl ausgekleidet. Dieser sei teurer, aber langlebiger und im Unterhalt weniger aufwendig als Folien. Der Sprungturm soll durch eine 5-Meter-Plattform ergänzt werden, zudem ist eine neue 80-Meter-Rutschbahn geplant, die die orange Rutschbahn aus dem Jahr 1989 ersetzt. Die beiden anderen Rutschen, die 2015 und 2017 eröffnet worden sind, bleiben erhalten. Künftig befinden sich sämtliche Rutschen beim Nichtschwimmerbecken. Vorgesehen ist ausserdem, das Kinderplanschbecken zu ersetzen und mit neuen Wasserspielen auszustatten.

Die orange Rutschbahn, die ersetzt werden soll.

Die orange Rutschbahn, die ersetzt werden soll.

Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 17. August 2018)

Doch nicht nur bei den Badeanlagen, sondern auch in der Umgebung sind Umbauten geplant. So ist zwischen dem Haupt- und dem Nebengebäude ein neuer «Abenteuerspielplatz» geplant, wie die Stadt schreibt. Die Sportanlagen auf der anderen Strassenseite sollen modernisiert werden, weiter sind dort Grillstellen und Sitzmöglichkeiten geplant. Spiel- und Sportanlagen sollen ganzjährig zugänglich sein. Dazu wird der dortige Zaun und die Passerelle zwischen Badi und Sportanlagen entfernt.

Der Zaun um die Sportanlagen (links) sowie die Passerelle werden entfernt.

Der Zaun um die Sportanlagen (links) sowie die Passerelle werden entfernt.

Bild: Stefan Dähler (Luzern, 7. Mai 2021)

Für Badegäste soll es weiterhin möglich sein, zwischen Badi und Sportanlagen hin- und herzugehen. Dafür ist ein kleiner, separater Eingang zur Badi geplant. Wie der Einlass dort kontrolliert wird, steht noch nicht fest. Vor dem Eingang sind neu 200 Veloabstellplätze geplant. Die Zahl der Autoparkplätze soll gleich bleiben. Ob der Umbau sich auf die Eintrittspreise auswirkt, ist noch unklar.

Hier ein Plan der neuen Badi:

Visualisierung: Brechbueler Walser Architekten

Das Becken links ist das Schwimmerbecken, jenes in der Mitte oben das Sprungbecken, in der Mitte unten das Kinderbecken. Rechts zu sehen ist das Nichtschwimmerbecken, wo künftig alle Rutschbahnen stehen sollen. Am linken Bildrand ist die Sport- und Spielwiese abgebildet, die künftig öffentlich zugänglich sein soll.